Forscher haben in europäischen Weinen eine weit verbreitete Verunreinigung mit Trifluoressigsäure (TFA) festgestellt. TFA ist ein hartnäckiges Nebenprodukt von PFAS, einer Gruppe von Industriechemikalien, die allgemein als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt sind, weil sie nicht abbaubar sind. Sie trotzen Hitze, Wasser und Öl. Keiner der untersuchten Weine aus zehn verschiedenen EU-Ländern war davon unbelastet.
„Unsere Ergebnisse zeigen ein alarmierendes und sich rasch verschärfendes Umweltproblem auf, das von der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern zu lange unbemerkt geblieben ist“, schreiben die Autoren der am Mittwoch vom Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) Europa veröffentlichte Studie. Sie unterstreichen die Forderung nach einem raschen Ausstieg aus der Verwendung von Pestiziden, die PFAS enthalten.
Kein TFA in Weinen vor 1988 nachgewiesen
Die Forscher untersuchten für die Studie 49 Weine, darunter sowohl konventionelle als auch Bio-Erzeugnisse. Bioweine wiesen zwar tendenziell niedrigere TFA-Konzentrationen auf, aber keine Flasche war frei von Verunreinigungen. Weine aus Österreich waren dabei besonders belastet, wobei die Forscher betonten, dass sich das Problem über den gesamten Kontinent erstrecke.
Außerdem heißt es in der Studie, dass TFA in Weinen, deren Trauben vor 1988 geerntet wurden, nicht nachweisbar war. Seither seien die Kontaminationswerte jedoch stetig gestiegen – auf bis zu 320 Mikrogramm pro Liter in Flaschen der letzten drei Jahrgänge, ein Wert, der mehr als das 3000-fache des gesetzlichen EU-Grenzwertes für Pestizidrückstände im Grundwasser beträgt.
Die Autoren der Studie bringen diesen Anstieg mit der zunehmenden Verwendung von Pestiziden auf PFAS-Basis und neueren fluorierten Kühlmitteln im letzten Jahrzehnt in Verbindung. Die Weinproduktion gehört zu den größten Anwendern von Pestiziden in der europäischen Landwirtschaft, insbesondere von Fungiziden, was Weinberge zu einem Hotspot für die Anreicherung von Chemikalien macht. Weintrauben sind besonders anfällig für Pilzkrankheiten und werden demnach während der Vegetationsperiode häufig dagegen gespritzt.
Über die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung sagte Studienleiter Helmut Burtscher-Schaden von der österreichischen Nichtregierungsorganisation Global 2000: „Dies ist ein Warnsignal, das nicht ignoriert werden sollte … die massive Anreicherung von TFA in Pflanzen bedeutet, dass wir wahrscheinlich viel mehr von dieser ewigen Chemikalie über unsere Nahrung aufnehmen, als bisher angenommen.“
TFA sind zwar nicht extrem giftig für den Körper, aber dafür besonders persistent und stellen damit ein unsicheres Gesundheitsrisiko dar. Einige Studien deuten auf mögliche lebertoxische und entwicklungsstörende Effekte hin – aber belastbare Evidenz dafür fehlt bislang.
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