- Noch immer wachsen neue Wohnsiedlungen rings um Berlin, obwohl schon so manche Anlagen Probleme bei Verkauf bzw. Vermietung haben. Allerdings geht die Neubautätigkeit nach Auslaufen der Steuervorteile merklich zurück. 1999 werden laut Maklerunternehmen Aengevelt wahrscheinlich noch 14 000 Wohnungen (1998: 18 500) fertiggestellt. Dafür hat sich der Anteil der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser erhöht. Der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern kann künftig in Brandenburg 70 Prozent erreichen, sagen die Experten. Inzwischen weiß man bei den Investoren, daß neue Wohnanlagen im Umland trotz des Grüns der Region ringsum Käufer bzw. Mieter nicht anziehen, wenn sich alles dicht an dicht drängt und sehr nach klinischem Neubaugebiet aussieht. Andererseits dürfen die Kosten nicht zu hoch steigen, sollen junge Familien die Zielgruppe sein. Reihenhäuser entstehen jetzt vielfach so beispielweise im Norden in der Wohnanlage an der Borgsdorfer Heide, im Süden im Wohnpark "Zum Mühlenschlag" in Schulzendorf, im Osten in der Siedlung Hönow-Süd, im Westen in der Gartenstadt Falkenhöh. Auf interessante Details in der Architektur wird Wert gelegt, mit Kellern geworben, teilweise als Zusatzleistungen Wintergärten, Holzveranden, Carports angeboten. An einigen Plätzen wird überhaupt nach den Wünschen der Erwerber gebaut. So in Altlandsberg die Wohnanlage Wegendorf, wo die City Haus Energiesparhäuser in freier Planung errichtet. Der Typ norddeutscher Landhausstil ist vorgegeben, aber die Verklinkerung der Außenwände und die Details auch sonst bestimmt der spätere Besitzer.Doch es entstehen rund um Berlin auch weiterhin Eigentums- und Mietwohnungen. Aktuell das größte Wohnungsbauprojekt im begehrten nördlichen Berliner Umland ist der Sonnengarten Glienicke von NCC Siab. Letzten Sonntag wurde hier gerade ein Sommerfest mit Mietern und Wohnungsinteressenten gefeiert, und laut Veranstalter kamen trotz der Hitze Hunderte zu Wohnungsbesichtigung und Information, einige davon auch im Rahmen der Baustelle-Schaustelle-Touren. Etwa 1 300 Wohneinheiten entstehen hier bis zum Jahr 2003. Gebaut werden Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser mit Eigentums- und vor allem Mietwohnungen, aber auch Villen. Mut gehört zu großen Wohnprojekten angesichts vieler leerstehender Anlagen. Das bestätigt auch Peter Jux von der Sonnengarten Glienicke GbR, die für die Projektsteuerung verantwortlich ist. Aber der Erfolg gäbe dem Konzept hier recht. Schließlich seien von den bislang fertiggestellten 150 Wohneinheiten über 90 Prozent vermietet. Zwei Drittel der Wohnungen gehen in Geschlossene Immbilienfonds ein und werden vermietet.Aus den Erfahrungen so mancher Wohnparks im Umland, die zu eng und gleichförmig bebaut waren und sich dann schlecht verkaufen ließen, wurde gelernt. Ausgedehnte Grünflächen (rund ein Drittel des Gesamtareals) sollen den Gartenstadtcharakter betonen, ein parkähnlicher Grünzug das Gelände durchziehen. Hinzu kommen Sträucher und Bäume, auch Obstgehölzer, vor und hinter den Häusern und "grüne Skulpturen." Zum Beispiel stehen an einer Sichtachse durch das Wohngebiet drei rote Metallrechtecke wie große Bilderrahmen zum Hindurchschauen, die mit Pflanzen berankt werden. Mach dir selbst ein Bild von der Anlage, soll das signalisieren. Vor den ersten 1997 bezogenen Bauten sieht es schon sehr grün aus. Die Mieter haben auch kleine Gärten vor den Terrassen zum eigenen kreatven Gestalten. Damit ein abwechslungsreiches Bild der Häuser entsteht, wurden rund ein Dutzend Architekturbüros beteiligt. Unterschiedlich sind die Gebäudetypen, Grundrisse und Fassadengestaltungen. Gedacht ist auch an die häufig in Wohnparks vernachlässigte Infrastruktur. Im Sonnengarten selbst entstehen gerade Läden für Handel und Dienstleistungen an dem ersten von zwei geplanten Quartiersplätzen. Einige werden im August öffnen, am Rande soll ein Einkaufszentrum folgen. In Glienicke werden die Grund- und Gesamtschule saniert, eine Sporthalle und ein Sportplatz sind schon gebaut. Eine Kindertagesstätte, Spielplätze und eine Sportanlage sind für das Areal in absehbarer Zeit vorgesehen. In Planung ist auch eine Seniorenanlage für betreutes Wohnen.Im Laufe dieses Jahres entstehen im 3./4. Bauabschnitt weitere rund 600 Wohneinheiten zur Vermietung. Die Wohnungen haben zwei, drei oder vier Zimmer mit Terrasse oder Balkon. Daß Ein-Zimmer-Wohnungen nicht gefragt sind, weiß man aus den Verkaufs- bzw. Vermietungsproblemen voriger Wohnanlagen. Ob allerdings die jetzt im Bau befindlichen vierstökkigen Häuser ebenso angenommen werden wie die ländlicher wirkenden zweigeschossigen am Rand der Siedlung bleibt abzuwarten.
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