In der neuen XXL-Straßenbahn der BVG auf der Linie M4 können Fahrgäste keine Tickets mehr kaufen – und riskieren im Ernstfall 60 Euro Bußgeld, wie der Berliner Kurier berichtet. Der Fahrgastverband IGEB sieht darin einen Verstoß gegen die geltenden Tarifbestimmungen und warnt vor einer Falle für Gelegenheitskunden.
Seit Kurzem verkehrt der sogenannte Urbanliner auf der Linie M4 zwischen Hackescher Markt und Falkenberg/Zingster Straße. Die rund 50 Meter langen Fahrzeuge bieten nach Angaben der BVG Platz für bis zu 300 Fahrgäste, verfügen aber bewusst über keine Ticketautomaten mehr. An den Einstiegstüren weisen Aufkleber darauf hin: „Mitfahren nur mit gültigem Fahrausweis!“ sowie „Kein Verkauf von Tickets in dieser Tram!“.
Die BVG begründete den Verzicht gegenüber dem Berliner Kurier mit dem veränderten Nutzungsverhalten. An den rund 500 Automaten im gesamten Straßenbahnnetz würden im Schnitt nur noch sieben Tickets pro Tag und Bahn verkauft. Der Fahrscheinkauf laufe inzwischen überwiegend digital über Online- und App-Angebote.
Verband sieht Verstoß gegen VBB-Tarif
Der Fahrgastverband IGEB hält das Vorgehen für unzulässig. „Dieser Anhang widerspricht komplett dem Tarifwerk des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB)“, sagte Verbandssprecher Christian Linow dem Kurier. Er verwies auf Paragraf 6 Absatz 2 der VBB-Tarifbestimmungen. Danach müssten Fahrausweise unverzüglich im Verkehrsmittel erworben werden können, wenn an der Haltestelle keine Verkaufsstelle oder kein Automat vorhanden sei.
Nach Angaben des Verbands ist genau dies entlang der M4 nicht durchgängig gewährleistet. Zwar habe die BVG mitgeteilt, das stationäre Vertriebsangebot entlang der Strecke ausgebaut zu haben. An mehreren Haltestellen verweise das Unternehmen Fahrgäste aber per Aushang auf Kioske sowie U- und S-Bahnhöfe – mitsamt Adressen und Öffnungszeiten.
Bußgeld von 60 Euro droht
Linow verglich das Vorgehen mit einer Tankstelle, die ihre Zapfsäulen abmontiere und Autofahrer auf den Kiosk verweise. Wer ohne Fahrschein in eine Kontrolle gerate, müsse mit einem erhöhten Beförderungsentgelt von 60 Euro rechnen. Der IGEB forderte, auf automatenfreie Straßenbahnen zu verzichten, solange nicht an jeder Haltestelle ein vollwertiger Ticketautomat stehe.
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