Es riecht nach Zuckerwatte, frisch gebackenen Waffeln und Erdbeeren in allen erdenklichen Formen – von Bonbons über Seife bis Marmelade. Karls Erlebnis-Dorf, bekannt aus Mecklenburg-Vorpommern, expandiert nun auch nach Sachsen-Anhalt und plant in Wernigerode einen neuen Standort direkt am Ortseingang der Stadt.
Bevor das große Erlebnisdorf im Frühjahr 2028 startet, wird die Wartezeit zunächst mit einem temporären Pop-up-Festival überbrückt. Auf dem Gelände ist nicht nur Gastronomie und Verkauf geplant, sondern ein ganzer Erlebnisraum mit Fahrgeschäften, Manufakturen und Spielbereichen, der sich klar an Familien richtet und den klassischen Erdbeerhof-Gedanken in eine größere Freizeitwelt überführt.
Das Familienunternehmen wurde im Jahr 1921 in der Nähe von Rostock gegründet – mit der Spezialisierung auf den Anbau von Erdbeeren. Der erste Erdbeerhof entstand 1993. Mittlerweile gibt es sechs dieser Freizeitparks, die sich seit 2001 „Karls Erlebnis-Dörfer“ nennen. Eins davon findet man auch in Loburg, im Jerichower Land.
Dorfgefühl mit Freizeitpark-Logik
Das Konzept beschränkt sich nicht auf einen nostalgischen Hofladen mit ein paar Attraktionen nebenan. Über die Jahre hat sich eine Erlebniswelt entwickelt, die sich bewusst zwischen Landwirtschaftsromantik und Freizeitpark-Ästhetik bewegt. Die Besucher schlendern durch Kulissen, die wie eine idealisierte Version des Landlebens wirken: Bonbonküchen, gläserne Manufakturen, Hofläden mit perfekt sortierten Regalen und Fahrgeschäfte im Erdbeer-Design. Als wäre man in einen Disney-Film gesprungen.
In der Bonbon-Manufaktur wird alles - von der Zuckerstange bis hin zum Motiv-Bonbon - frisch und zu 100% nach eigenem Rezept hergestellt.
© Karls Erlebnis-Dorf
Der Eintritt ist frei, was den Ort niedrigschwellig macht und ihn weniger wie einen klassischen Freizeitpark und mehr wie ein offenes Ausflugsziel erscheinen lässt, in dem Konsum und Aufenthalt ineinander übergehen. Genau diese Mischung aus Verfügbarkeit, Inszenierung und permanenter Erlebnisdichte hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren zu einer der erfolgreichsten Freizeitmarken im Norden und Osten Deutschlands gemacht. Mit der Ansiedlung werden jedoch neben zahlreichen Touristen auch Arbeitskräfte in die Region gelockt, denn der Park soll der Stadt mehr als 200 feste Jobs bringen.
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Es gibt jedoch auch Stimmen, die einen eher kritischen Blick auf die Dimension des Projekts und die Veränderung der Stadtrandlage werfen. Einige befürchten zusätzlichen Verkehr, steigenden Druck auf die Infrastruktur und eine weitere „Verfreizeitparkung“ der Landschaft rund um Wernigerode. Auch die Frage, wie sehr ein stark kommerziell geprägtes Erlebnisdorf zum Charakter der Region passt, wird immer wieder diskutiert.
Warum das funktioniert
Dass dieses Konzept nun auch im Harz ankommt, ist kein Zufall. Regionen wie Wernigerode leben stark vom Tourismus und von Tagesausflügen, die sich gut kombinieren lassen: Fachwerkstadt, Brocken, Naturerlebnis – und künftig eben auch ein Erlebnis-Dorf am Stadtrand.
Karls trifft damit einen Nerv der Gegenwart, in der Freizeit zunehmend planbar, familienfreundlich und gleichzeitig „besonders genug“ sein soll, um sich von Alltag und Bildschirmroutine abzuheben. Gerade Familien suchen Orte, die unkompliziert funktionieren: ohne lange Vorbereitung, ohne hohe Einstiegshürden, aber mit dem Gefühl, etwas erlebt zu haben.
Dass dabei eine stark inszenierte, fast kitschige Form von Landromantik entsteht, scheint weniger ein Widerspruch als vielmehr Teil des Erfolgs zu sein. Der Harz bekommt damit keinen klassischen Freizeitpark, sondern einen Ort, der Konsum, Ausflug und Erlebnis konsequent miteinander verschränkt – und genau darin liegt seine eigentliche Stärke.
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