Nahost

Neuer Krieg im Libanon? Hisbollah rüstet mit Millionen aus dem Iran auf

Die Hisbollah bereitet sich laut libanesischen Sicherheitskreisen auf neue Kämpfe mit Israel vor. Finanziert wird die Aufrüstung mit zweistelligen Millionenbeträgen aus dem Iran.

3 Min
Menschen in Beirut gedenken Ende September Hassan Nasrallah. Zwei Jahre zuvor tötete Israel den Hisbollah-Chef.

Menschen in Beirut gedenken Ende September Hassan Nasrallah. Zwei Jahre zuvor tötete Israel den Hisbollah-Chef.

© Sierra Moreno West/imago

Die libanesische Hisbollah hat nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise in den vergangenen drei Monaten Vorbereitungen für eine mögliche Wiederaufnahme der Kampfhandlungen mit Israel getroffen. Finanziert werde die Aufrüstung durch frisches Geld aus dem Iran, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Die Miliz habe zweistellige Millionenbeträge in US-Dollar aus Teheran erhalten, um ihre militärischen Fähigkeiten zu stärken, berichtete Reuters unter Berufung auf eine Sicherheitsquelle und eine der Hisbollah nahestehende Person. Zusätzlich habe die Miliz rund 200 Millionen US-Dollar aus dem Iran bekommen, um vertriebene Familien in den schiitischen Kerngebieten zu unterstützen, wie Reuters bereits Anfang des Monats berichtet hatte.

Nach Angaben zweier libanesischer Sicherheitsquellen nutzt die Hisbollah die seit Juni anhaltende Kampfpause, um sich neu zu bewaffnen. Im Fokus stünden die Beschaffung von Sprengstoff sowie die Produktion von Drohnen, die gegen israelische Stellungen eingesetzt werden könnten. Eine Quelle sowie drei weitere mit den Operationen der Gruppe vertraute Sicherheitsvertreter sagten Reuters, die Miliz arbeite zudem daran, in zentralen Gefechten zerstörte Führungs- und Kommunikationsstrukturen wiederherzustellen.

Hisbollah weist Darstellung teilweise zurück

Das Medienbüro der Hisbollah erklärte auf Anfrage von Reuters, die israelische Besetzung libanesischen Bodens mache jeden Widerstand zu einem legitimen Recht. Die Darstellung, wonach die Führungsstrukturen zusammengebrochen seien, wies die Miliz zurück. Ob sich die Hisbollah an einem möglichen neuen Krieg beteiligen werde, ließ das Medienbüro offen. Man sei bemüht, der israelischen Führung keinen Vorwand für eine Eskalation zu liefern, auch mit Blick auf die Sorge vor erneuten Vertreibungen in der eigenen Anhängerschaft.

Das israelische Militär lehnte gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab. Die ständige Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen in Genf reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Ein Sprecher des US-Außenministeriums kündigte an, Washington werde die Finanzen der Hisbollah weiter durch Sanktionen und andere Maßnahmen austrocknen. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte, dem Iran gingen das Geld und die Wege, es zu transferieren, aus.

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Rund 4000 Tote im jüngsten Krieg

Die 1982 von den iranischen Revolutionsgarden gegründete Hisbollah hat seit 2024 in zwei Kriegen mit Israel schwere Verluste erlitten. Tausende Kämpfer und zahlreiche Führungsfiguren wurden nach Angaben von Reuters getötet, ein Großteil des Arsenals zerstört. Israelische Truppen besetzen demnach weiterhin das Kerngebiet der Miliz im Süden Libanons. In Beirut wächst zugleich der politische Druck auf eine Entwaffnung.

Am 2. März hatte die Hisbollah zur Unterstützung des Irans das Feuer eröffnet. Die darauf folgende israelische Offensive habe mehr als 4000 Menschen getötet und ein Viertel der libanesischen Bevölkerung vertrieben, berichtete Reuters. Die Kämpfe ebbten im Sommer im Zuge eines vorübergehenden iranisch-amerikanischen Abkommens weitgehend ab, das auch eine Waffenruhe für den Libanon umfasste. Trotz des Scheiterns dieses Abkommens kam es nicht zu einer Wiederaufnahme großflächiger Kämpfe, Israel führt im Süden Libanons aber weiterhin Luftangriffe mit Todesopfern durch.

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