Ein offenbar verwirrter Mann ist am Freitagmorgen vor der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Neukölln mit einem Messer auf einen Polizisten losgegangen. Er verletzte ihn am Oberarm. Anschließend versuchte er, sich selbst die Kehle durchzuschneiden. Ein Notarztwagen brachte ihn in das Klinikum Neukölln. Dort liegt der Schwerverletzte - ein gebürtiger Türke mit deutschem Pass - seit Freitag unter Polizeibewachung auf der Intensivstation. Den gesundheitlichen Zustand des 39 Jahre alten Mannes bezeichneten Ärzte als "ernst, aber nicht lebensgefährlich". Der verletzte Polizeihauptmeister vom Neuköllner Abschnitt 55 konnte nach ärztlicher Behandlung nach Hause gehen. Er ist der elfte bei einem Einsatz verletzte Polizist in diesem Jahr, der ärztlich behandelt werden musste. Kein Mitglied der GemeindeZu dem Vorfall am Freitag kam es kurz vor neun, als der Mann in die noch im Bau befindliche Sehitlik-Moschee am Columbiadamm 128 kam. Von dort aus wollte er mit Vertretern der türkischen Presse sprechen. Recep Türkoglu, dem Vorsitzenden der türkisch islamischen Gemeinde Neuköllns, erzählte der Mann, er habe seine Eltern in der Türkei verloren. Ihm gehe es persönlich sehr schlecht. "Er fuchtelte mit einem Messer herum und bedrohte mich", sagt Recep Türkoglu, der auch dem Verein Ditib vorsteht, der die Moschee baut. "Der Mann wirkte ein bisschen verrückt", sagte Türkoglu. "Er gehört nicht zur Gemeinde."Schon am Vorabend sei der Mann in die Moschee gekommen. Dort wollte er übernachten. Türkoglu schickte ihn weg. "Ich sagte ihm, wir haben keine Schlafmöglichkeiten in der Moschee." Als der Mann am Freitagmorgen erneut in die Moschee kam und Türkoglu diesmal mit dem Messer bedrohte, rief dieser die Polizei. Danach konnte er den Mann dazu überreden, vor die Tür zu gehen. Als ein Streifenwagen kam, stand der Mann auf dem Gehweg vor der Moschee. Ein Polizeisprecher sagte, der Mann hatte die Hände in den Taschen gehabt und ganz ruhig gewirkt. "Er sah aus, als hätte er selbst die Polizei um Hilfe gerufen." Der Polizist sprach den Mann an. Dieser holte plötzlich sein Messer aus der Tasche und stach dem Hauptmeister in den Oberarm. Seine Kollegin zog ihre Dienstwaffe, doch der Täter flüchtete auf das Friedhofsgelände neben der Moschee. Die Polizei forderte Unterstützung an. Mehrere Teams eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) sicherten das Gelände, um den Mann an einer Flucht zu hindern. Dann stürmte das SEK in die Moschee. Die Gemeinde hatte dazu die Erlaubnis gegeben, denn die Moschee steht auf türkischem Boden. Im zweiten Stock des Hauses hatte sich der Täter verschanzt. Die SEK-Beamten fanden den Mann blutüberströmt auf dem Boden liegend vor. Die Mordkommission ermittelt. In der Öffentlichkeit bekannt geworden ist der Moschee-Neubau im vergangenen Jahr. Das Neuköllner Bauamt hatte entdeckt, dass die zwei Minarette acht Meter höher gebaut worden waren als genehmigt, die Kuppel war vier Meter zu hoch. Das Bauamt verhängte einen Baustopp und ein Bußgeld in Höhe von 80 000 Euro. Ursprünglich sollte die Sehitlik-Moschee im Oktober 2003, zum Beginn des Fastenmonats Ramadan, eröffnen. Jetzt muss der Moscheenverein erst Spenden sammeln, um das Bußgeld zu bezahlen. Wann die Moschee öffnet, bleibt ungewiss.BERLINER ZEITUNG/RITA BÖTTCHER Am Columbiadamm 128 in Neukölln entsteht neben dem Islamischen Friedhof eine Moschee nach osmanischem Vorbild aus Naturstein und Marmor. In Berlins größter Moschee ist Platz für 1 500 Muslime. Das Gelände gehört der Türkei. Im Jahre 1866 hatte es Preußen den Türken zur Verfügung gestellt.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Polizisten sperrten am Freitagmorgen den Zugang zur Sehitlik-Moschee am Columbiadamm. Dort hatte ein Mann den Vorsitzenden der Gemeinde bedroht und später einen Polizisten verletzt.
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