Jetzt ist es amtlich: Agnès aus Savoyen hat ihren Schulabschluss – mit neun Jahren.
Das Mädchen bestand das französische Brevet des collèges mit einem Schnitt von 15,85 von 20 Punkten. Damit gilt sie als jüngste Absolventin, die diesen Abschluss in Frankreich je gemacht hat.
Ganz so hoch wie erhofft fiel die Note nicht aus. In Mathe und Englisch hatte Agnès auf jeweils 18 Punkte getippt. Am Ende fehlten ihr ein paar Hundertstel zur französischen Bestauszeichnung „très bien“, die erst bei 16 beginnt.
Ein Makel ist das nicht. 15,85 wäre für jeden Vierzehnjährigen ein starkes Ergebnis. Agnès ist fünf Jahre jünger.
Die Prüfung, die eine Ansage war
Geschrieben hat sie das Brevet Ende Juni als Freikandidatin am Collège Garibaldi in Aix-les-Bains, zwischen Jugendlichen von 14 und 15 Jahren.
Hinter dem frühen Antritt steckt ihr Vater Nicolas Baldeck. Für ihn war die Prüfung mehr als ein Test für seine Tochter – sie war eine Botschaft.
„Agnès ist kein Genie. Aber wir sind überzeugt, dass unser Bildungssystem die Fähigkeiten unserer Kinder unterschätzt“, sagte er dem Dauphiné Libéré.
Nie ein Collège von innen gesehen
Ein Klassenzimmer hat Agnès nie besucht. Seit der Corona-Pandemie lernt sie zu Hause bei ihrer Mutter, davor ging sie auf eine Montessori-Schule.
Gebüffelt hat sie mit Mathe- und Französisch-Lehrbüchern aus den 1950er-Jahren. Englisch und Russisch spricht sie fließend.
Für die Eltern war das Homeschooling eine bewusste Entscheidung. Sie wollten zeigen, dass auch ein Kind ohne Hochbegabung ein solches Ergebnis schaffen kann. Mit dem Resultat sehen sie sich bestätigt.
Beweist das nun etwas?
Bleibt die Frage, die Nicolas Baldeck stellen wollte: Sind Frankreichs Schulen zu lasch, wenn eine Neunjährige ihr Pensum Jahre früher bewältigt?
So einfach ist es nicht. Als Freikandidatin wurde Agnès allein über die schriftlichen Prüfungen bewertet, nicht über vier Jahre Unterrichtsalltag am Collège. Und ein diszipliniert lernendes Einzelkind mit engagierten Eltern ist kein Maßstab für einen ganzen Jahrgang.
Was der Fall trotzdem zeigt: Das Zutrauen in Kinder darf ruhig größer sein. Bei Agnès hat es sich ausgezahlt.
Aufs Lycée wird sie vorerst nicht wechseln. Sie bleibt zu Hause – und will später Designerin werden.
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