Staatsgewahrsam

Nicaragua: Indigener Oppositionsführer Brooklyn Rivera stirbt in Ortegas Haft

Der Miskito-Anführer Brooklyn Rivera ist mit 73 Jahren in nicaraguanischer Haft gestorben. UN, Familie und USA erheben schwere Vorwürfe gegen Präsident Daniel Ortega.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
Brooklyn Rivera galt als politischer Gefangener und starb nach fast dreijähriger Haft in Nicaragua.

Brooklyn Rivera galt als politischer Gefangener und starb nach fast dreijähriger Haft in Nicaragua.

© Handout/El 19 Digital/AFP

Der nicaraguanische Miskito-Anführer und ehemalige Abgeordnete Brooklyn Rivera ist am Samstagabend in staatlicher Obhut gestorben. Wie die nicaraguanischen Nachrichtenportale 100% Noticias und Confidencial unter Berufung auf familien- und krankenhausnahe Quellen berichteten, wurde der 73-Jährige im Krankenhaus für tot erklärt. Die nicaraguanische Regierung bestätigte den Tod laut der Tageszeitung La Nación am Sonntag in einer offiziellen Mitteilung über das regierungsnahe Medium El 19 Digital: „Wir bedauern bestätigen zu müssen, dass er diese Ebene des Lebens verlassen hat.“

Rivera war nach Angaben von Reuters im September 2023 im Zuge eines Vorgehens gegen politische Dissidenz festgenommen worden. Seine Familie erklärte, die Regierung habe die Inhaftierung nie formell eingeräumt und Besuche verweigert. Erst vergangene Woche bestätigten die Behörden offiziell die Haft, nachdem Angehörige, die US-Regierung und Vertreter der Vereinten Nationen einen Lebensbeweis gefordert hatten.

Laut Confidencial veröffentlichte das nicaraguanische Innenministerium am 27. Mai 2026 erstmals Fotos des stark abgemagerten Rivera in einem Krankenhausbett. Das Ministerium bezeichnete seinen Zustand als „kritisch, mit mechanischer Beatmung über ein Tracheostoma und intravenöser Ernährung“ infolge von Multiorganversagen, Leberzirrhose und einer aktiven Lungeninfektion. Rivera war demnach am 7. März 2026 vom Gefängnis Tipitapa in das Krankenhaus Fernando Vélez Paiz in Managua verlegt worden.

UN-Experten und Familie widersprechen offizieller Darstellung

Reed Brody, Mitglied der UN-Expertengruppe für Menschenrechte in Nicaragua, erklärte laut Reuters, die Todesursache könne nicht als Krankheit dargestellt werden: Rivera sei über zwei Jahre in erzwungenem Verschwinden ohne unabhängige medizinische Aufsicht in staatlicher Obhut gewesen.

Riveras Tochter Tininiska wies laut Confidencial die offizielle Darstellung zurück. Ihr Vater habe sein Haus in optimalem Gesundheitszustand verlassen. In einem von La Nación zitierten öffentlichen Brief beschuldigte sie die Präsidenten Daniel Ortega und Rosario Murillo, „einen indigenen Anführer verfolgt zu haben, bis sie ihm das Leben nahmen“.

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Das Büro für westliche Hemisphäre des US-Außenministeriums hatte laut Reuters zuvor die Freilassung Riveras gefordert und Managua vorgeworfen, seine Rolle bei der „grausamen Behandlung“ zu verschleiern. Rivera, Vorsitzender der indigenen Partei Yatama, hatte einst in der Misurasata-Miliz gegen die erste sandinistische Regierung gekämpft, bevor seine Partei nach Ortegas Rückkehr an die Macht 2007 zeitweise zum Verbündeten wurde.

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