Rocklegenden

Nicht ausgestorben: Dinosaur Jr machen nach 40 Jahren weiterhin Lärm

Viele Bands verlieren ihren Funken, andere verglühen. Die Rock-Dinos aus Massachusetts sind zurück mit einem neuen Album. Kann das noch zünden?

Ben Bruinier
4 Min
Seit 2005 sind die Gründungsmitglieder der Band wieder vereint.

Seit 2005 sind die Gründungsmitglieder der Band wieder vereint.

© Cara Totman

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Rockband überschreitet üblicherweise nie die 40-Jahre-Marke. Meistens  sind es kreative Dissonanzen, interne Streitereien oder Suchtprobleme, die den Gruppen ihre eigene Langlebigkeit verwehren.

Umso bemerkenswerter ist die Karriere von Dinosaur Jr. Die Alt-Rocker pionierten Mitte der Achtziger einen neuen Sound des Alternative Rock – und überdauerten dann die meisten ihrer Grunge-Nachfolger.

Nun haben der Gitarrist und Sänger J Masics und Co eine neue Platte veröffentlicht. „There Near“ ist bereits das 15. Studioalbum in ihrer langen Diskografie.

König der Verzerrung

Das Konstrukt der Band ist gewohnt: Eine gewaltige Rhythmusgruppe, bestehend aus den treibenden Drums von Patrick Murphy und Lou Barlows schepperndem E-Bass, den er anschlägt, als spiele er Rhythmusgitarre. Umgarnt werden die beiden von dem stillen Mann an der lauten Gitarre.

J Masics, der Gitarrenguru schlechthin, ist bekannt dafür den Verstärker gerne bis zum Anschlag aufzudrehen. Seine verzerrten Jazzmaster-Gitarren sorgten für die prominenten Klangwände, die man mit der Band verbindet.

J Masics spielt Gitarre bei einem Auftritt im Jahr 2016.

J Masics spielt Gitarre bei einem Auftritt im Jahr 2016.

© imago stock&people

So turbulent wie früher

Auf der ersten Platte nach fünf Jahren findet die Band zurück zu ihren Wurzeln. Obwohl sie nie große Experimentierfreudigkeit an ihrem Sound zeigten, schweiften sie seit dem Album „Beyond“ aus dem Jahr 2007 doch ein wenig ab, von ihrem markanten, zugleich melodischem Krach. Auf „There Near“ finden sie wieder die richtige Mixtur aus dem verzerrtem Lärm ihrer Frühwerke und klaren, schwungvollen Melodien.

Auch wenn die Alt-Rock-Helden wirklich langsam alt werden, hapert es nach wie vor nicht an Dringlichkeit in ihrem Sound. Kaum einer Band aus der gleichen Geburtsstunde kann  eine so lange und konstante Karriere aufweisen. Wichtige Bands wie die Replacements, Fugazi oder auch ihre Grunge-Erben Nirvana sind berühmte Beispiele für kurze, intensive Rock'n'Roll-Karrieren.

Pause zum Jahrhundertwechsel

Allerdings brannte auch das Feuer von Dinosaur Jr nicht durchgängig. Schon in den Neunzigern spielte die Band nicht mehr in ihrer Originalbesetzung. Grund für die Auflösung waren Auseinandersetzungen zwischen J Masics und Lou Barlow. Die Studioarbeit wurde eher zum Einzelprojekt von Masics. Auf Tour kamen Ersatzmusiker für Murphy oder auch nur „Murph“ und Barlow zum Einsatz. 1997 kündigte dann Masics offiziell die Beerdigung von Dinosaur Jr an.

2005 fanden die langjährigen Bandkollegen Barlow und Masics, die bereits gemeinsam die High School besuchten, wieder zusammen. Eine gemeinsame Tour in Originalbesetzung mit Drummer Murph und das darauffolgende Album „Beyond“ markierte den gelungenen Return des Trios.

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Masics lässt tief blicken

Nun sind die Bandmitglieder bereits in ihren Sechzigern und zeigen sich noch immer in Form. Die Masics-Soli waren seit jeher über jeden Zweifel erhaben. Das Album weist dann seine Höhepunkte auf, wenn sich Masics' Texte von der intimen Seite zeigen.  In dem Song „No Friends“ harmoniert der schroffe Sound wunderbar mit dem in sich gekehrten Gesang.

Dinosaur Jr war noch nie auf die Jagd nach der großen Hit-Single gepolt. Auch dieses Album verbirgt nicht den einen Song, der heraussticht. Stattdessen ist es gewohnt konstant. Durchgängig quirlige Gitarren und durchaus persönliche Texte erstrecken sich über die 40-minütige Hördauer.

In gewisser Weise sind Dinosaur Jr Anti-Rockstars. Keine großen Worte, keine große Show. Es sind drei schlichte Männer in Flanellhemden, mit beeindruckenden Fähigkeiten an ihren Instrumenten und vor allem der ungewöhnlichen Fähigkeit, sich miteinander zu versöhnen.

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