Gesellschaft

Nicht immer ist Geschichte ein Albtraum: Lídia Jorge erzählt von gelungener Revolution

„Die Stunde der Nelken“ führt nach Portugal. Was die Hauptfigur erlebt, kann auch woanders spielen. Auch deshalb ist das Buch so lesenswert. Die Kritik

Bernadette Conrad
6 Min
Lídia Jorge

Lídia Jorge

© IMAGO/Philippe Matsas

Glaubt man Walter Benjamins „Engel der Geschichte“, ist die Historie ein einziger großer Schrecken – ein Trümmerhaufen, den der Engel gern ordnen, Wunden, die er heilen möchte. Aber da ist der Sturm, der ihn rückwärts in die Zukunft treibt, und der Sturm trägt den Namen Fortschritt.

Vielleicht ist es kein Zufall, wenn die Grande Dame der portugiesischen Literatur, Lídia Jorge, am Anfang ihres Romans „Die Stunde der Nelken“ das zentrale Ereignis in der jüngeren Geschichte ihres Landes wiederum aus der Perspektive eines Engels anschaut – der für einmal die Gelegenheit zu glücklicherem Handeln erhielt.

Die Rede ist von der sogenannten Nelkenrevolution des Jahres 1974, als die langjährige Diktatur Salazars durch einen Militärputsch mit breiter Unterstützung der Bevölkerung nahezu unblutig gestürzt wurde.

Werden Sie Teil des Ostablishments.

Sie haben bereits ein O+ Abo?

*