Nicht nur Menschen leben allein, auch in den Tiergärten gibt es Singles

Tigermann sucht Tigerfrau

Claudia Fuchs
5 Min

Berlin ist die Hauptstadt der Singles: Fast eine Million Berliner leben laut Statistik allein. Doch nicht nur unter den Menschen gibt es Singles - es gibt sie auch im Tierreich. Im Tierpark Berlin und im Zoologischen Garten leben Tiere, die die einzigen ihrer Art sind. "Das lässt sich manchmal nicht vermeiden", sagt der Zoologe Falk Dathe.In der Regel werden von jeder Art mehrere Exemplare gehalten. Zoos wollen Tiere schließlich nicht nur zeigen, sondern auch züchten. Wenn aber Tiere sterben oder in andere Zoos gegeben werden, kann es vorkommen, dass vorübergehend ein Einzeltier übrig bleibt. Handelt es sich dabei um ein Männchen, kann es schwierig werden, einen neuen Partner für das Tier zu finden. "Viele Zoos wollen nämlich die Weibchen behalten und Nachwuchs haben", sagt Dathe.Um Herdentieren Gesellschaft zu geben greifen Tiergärten schon mal zu außergewöhnlichen Lösungen: So lebt im Tierpark ein betagtes Goldkopflöwenäffchen mit einem Rothandtamarin zusammen. Diese Liaison gibt es in der Natur nicht: Beide Affen-Arten leben zwar in Südamerika, aber mehrere tausend Kilometer voneinander entfernt. Im Tierpark haben sich die beiden gut aneinander gewöhnt. "Sie lausen sich sogar", sagt Kurator Klaus Rudloff. Im Dresdner Zoo teilen sich Elefant und Ziege ein Gehege. Und wer kennt nicht Mausi und Muschi aus dem Berliner Zoo: Kragenbärin und Katze leben seit fünf Jahren ganz offiziell zusammen. Die folgenden Tiere hatten nicht so viel Glück. Sie leben allein. Wir haben ihre Geschichten aufgespürt.-----Damagazelle: Seit acht Wochen lebt der namenlose Bock allein in seinem Gehege hinterm Giraffenhaus. Die aus Zentralafrika stammenden Tiere werden im Zoo schon länger gezüchtet, aber mit mäßigem Erfolg. So starben mehrere Jungtiere und ein Weibchen; ein weiteres musste wegen eines Beinbruchs eingeschläfert werden. Schließlich wurde noch ein Tier in einen tschechischen Zoo gegeben, und der fünf Jahre alte Bock blieb übrig. Auf Dauer ist das Alleinsein für ihn nicht gut, Damagazellen sind Herdentiere. Der Zoo will noch in diesem Jahr neue Damagazellen bekommen - am besten zwei Weibchen.Sunda-Gavial: Ein zu großer Altersunterschied kann bei Tieren ein echtes Problem sein. So war es auch bei de Gaulle, der seinen Namen seiner schief gewachsenen Schnauze und einer Anspielung auf den ehemaligen französischen Präsidenten verdankt. Dem jungen Sunda-Gavial, der zur Gattung der Krokodile gehört, wurde Clara an die Seite gesetzt. Leider war die schon weit über 35 - und damit Seniorin. Und so lieferten sich die beiden heftige Auseinandersetzungen, bis sie sich aneinander gewöhnten. Seit Claras Tod im November 2004 lebt de Gaulle allein. Der Tierpark hofft, bald eine neue Partnerin zu finden. Passen muss nicht nur das Alter, sondern auch die Größe: de Gaulle ist 4,50 Meter lang.Kranich namenlos: Paradies-Kraniche bleiben einander ein Leben lang treu. Dass dieses Weibchen im Tierpark noch immer allein ist, liegt am fehlenden Artgenossen. "Wir hoffen, dass wir dieses Jahr noch ein Männchen für sie finden", sagt der Zoologe Martin Kaiser. Der neue Partner muss allerdings mit Bedacht gewählt werden: So eine Kranich-Ehe kann eine lange Geschichte sein - sie können bis 70 Jahre alt werden. Einsam ist das Weibchen trotzdem nicht. Es lebt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Klunkerkranichen und hat damit Kontakt zu anderen Tieren. "Man merkt einem Tier an, wenn es ganz allein ist. Aber das Weibchen ist völlig ruhig."Breitmaulnashorn: Seit März ist Nashornbulle Mtandane allein, denn der andere Bulle Kusini wurde nach Holland verborgt. Der Grund: Der Tierpark hat sich auf die Aufzucht von Panzernashörnern spezialisiert und gibt deshalb geschlechtsreife Breitmaulnashörner in andere Zoos. Nicht so Mtandane: Mit 42 oder 43 Jahren (so genau weiß das niemand) ist er zu alt. Deshalb genießt er nun sein Renten-Dasein als Einzelgänger. "Er schläft, frisst oder steht rum", sagt Kurator Klaus Rudloff. Der Koloss lässt sich gern von den Pflegern kraulen. "Es gibt ein paar Falten am Hals, da mag er es gestreichelt zu werden."Puma: Wenn es einen eingefleischten Single im Zoo gibt, dann ist das wohl Yucca. Der Puma, vor 16 Jahren im Tierpark Friedrichsfelde geboren, wurde zunächst an den Staatszirkus der DDR gegeben - und sollte dort dressiert werden. Doch dazu kam es nicht: Als die Überreste des Zirkus Ende der 90er-Jahre abgewickelt wurden, kam Yucca ins Raubtierhaus des Zoos. Dort lebt er bis heute als Single. "In so einem Alter gibt man einem Raubtier keinen Partner mehr", sagt Vizedirektor Heiner Klös. Der Puma gehört einer Unterart an, die im südlichen Florida heimisch ist. Er ist der letzte seiner Art in einem europäischen Tierpark. Damit ist das Schicksal Yuccas klar: Er wird allein bleiben. Bis zu seinem Ende.Hinterindischer Tiger: Manchmal klappt es einfach nicht mit Mann und Frau. Dann ist eine Trennung unumgänglich. So war es auch bei Tiger Tango, der bis vor fünf Monaten mit einem Weibchen im Tierpark lebte. Die beiden vertrugen sich nicht. "Sie waren sich einfach nicht grün", sagt Heiner Klös. Deshalb lebt Tango jetzt im Zoo - als einziger seiner Art. Doch das sei nicht schlimm: Tiger sind ohnehin Einzelgänger. Ewig allein soll der zehn Jahre alte Tango aber nicht bleiben. Der Zoo will künftig selbst Tiger züchten. Doch bevor er damit beginnt, muss das Raubtierhaus umgebaut werden.------------------------------Foto (6): Schön und allein: Mit dem Weibchen im Tierpark vertrug sich Tango nicht. Jetzt lebt der Hinterindische Tiger im Zoo.Dieser fünf Jahre alte namenlose Bock ist der einzige, der von der Damagazellenherde im Zoo übrig blieb.Seit März solo: Breitmaulnashornbulle Mtandane ist der schwer gewichtigste Single im Tierpark.Diesem Paradieskranich-Weibchen im Tierpark fehlt noch immer ein passender Artgenosse.Seit dem Tod seiner Gefährtin Clara lebt Sunda-Gavial de Gaulle allein im Tierpark-Krokodilhaus.16 Jahre alt und eingefleischter Single: Puma Yucca aus dem Zoo war früher mal ein Zirkustier.

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