Herr Schmidt, der kleine Gorilla Makoua muss nach Stuttgart. Warum darf er nicht in Berlin bleiben?Dass Makoua jetzt bei seinen Artgenossen in Stuttgart aufwachsen wird, hat eine längere Vorgeschichte, die bereits mit der Aufzucht der im Berliner Zoo vor Jahren geborenen Gorillas Bokito, Sangha und Djambala beginnt. Wir waren seinerzeit geschockt, wie Bokito großgezogen wurde, an der Hand seines Pflegers über Besucherwege geführt und präsentiert wurde wie ein Menschenkind. Der damalige Berliner Zoo-Direktor Hans Frädrich sagte mir zu, dass die später geborene Sangha rechtzeitig in die Gorillagruppe integriert werde. Daraufhin habe ich mich entgegen der Art-Kommission für den Verbleib von Sangha und Djambala in Berlin ausgesprochen. Leider wurde ich enttäuscht.Warum?Weil die Tiere wie schon Bokito viel zu spät in die Gorilla-Gruppe integriert wurden. Im vergangenen Jahr, lange vor der Geburt Makouas, habe ich meinem geschätzten Kollegen, dem Berliner Zoodirektor Jürgen Lange, geschrieben, dass die Art-Kommission bei diesem Gorilla-Baby nun keine Handaufzucht mehr duldet. Die wäre womöglich auch gar nicht nötig gewesen.Wie meinen Sie das?Eigentlich hätte Makouas Mutter Effi die Möglichkeit haben müssen, sich während und nach der Geburt in einen unbeobachteten Bereich zurückziehen zu können. Stattdessen wurden Teile des Affenhauses für Besucher abgesperrt.Damit hatte die Gorilladame doch aber ihre Ruhe.Das ist nur teilweise richtig. In erster Linie wurde ihr Umfeld verändert. Und das ist Stress für Menschenaffen. Hinzu kam, dass sie 24 Stunden lang beobachtet wurde mit Kameras und von Pflegern mit einem Feldstecher. Wissen Sie, man sollte einem Gorilla nie in die Augen schauen, darin erkennt er eine Gefahr. Vielleicht hätte sie ihr Junges gesäugt, wenn unsere Vorschläge berücksichtigt worden wären.Probleme hat der Zoologische Garten Berlin offensichtlich jetzt auch mit dem pubertierenden achtjährigen Bokito.Das ist uns nicht neu. Wir suchen innerhalb Europas auch einen anderen Zoo für ihn. Aber nur, weil er geschlechtsreif ist und als Partnerinnen nur seine Halbschwestern in Frage kämen. Inzucht wollen wir aber vermeiden. Deshalb soll er künftig mit fremden Gorilla-Weibchen zusammenleben. In welchen Zoo er kommt und wann das sein wird, ist noch nicht geklärt.Das Gespräch führte Marcel Gäding.------------------------------ Foto: Christian R. Schmidt (61) ist Chef des Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main. Der Zoologe ist seit zehn Jahren Art-Koordinator für Gorillas.
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