Weltläufigkeit gehört ja zu den Grundtugenden der Sachsen, obwohl die unbändige Lust, fremde Länder zu begucken (auf Sächsisch heißt das auch: beschnarchen), in vierzig DDR-Jahren arg eingeschränkt - das Reich der Mitte also nur Traumziel gewesen ist.Nun sind es unter den wiedervereinigten Deutschen ausgerechnet die Sachsen, die als erste in Pekings Verbotene Stadt eingelassen werden und bis zum 8. Juli mitresidieren dürfen. Dresdens Staatliche Kunstsammlungen überwanden am Mittwoch mit einer fulminanten Vernissage der Schau "Im Zeichen des Weißen Adlers" die imaginäre Grenze. Barockkunst aus dem Zeitalter August des Starken, König von Sachsen und Polen, durfte einziehen ins Allerheiligste chinesischer Kaiserdynastien. Sogar der Augusteische Thron steht nun in Peking.Solcherart Öffnungs-Geste der chinesischen Kulturbehörde ist zweifellos als Beweis sächsischer Museumsdiplomatie zu werten. Augusts riesiger, goldiger, rotsamtiger Chefsessel, umgeben von Gemälden, Porzellan, Rüstungen und prächtigem Schmuck, macht Furore beim Pekinger Publikum. Dessen alte Kaiser bevorzugten feingliedrigeres Regentenmobiliar. August hingegen, zwar bloß 1,76 Meter groß aber als ambitionierter Hufeisenverbieger 110 Kilo schwer - auch sein Thronerbe August III. war überaus beleibt - benötigte einen ausgesprochen stabilen Untersatz fürs Regieren. Das chinesische Publikum bestaunt nun einen robusten, symbolgewaltig auf Löwentatzen stehenden Prunksitz. Auf dem könnten gut zwei, drei Chinesen Platz finden, aber ihnen genügt natürlich der gewaltige Eindruck: Auf diesem Thron hatte August II. beschlossen, Sachsen und Polen zu einem europäischen Reich zu vereinen. Skrupel kannte er dabei bekanntlich nicht. Auf diesem Möbel also begann sein an Leidenschaften und Intrigen reiches Spiel um die Macht und den Glanz seiner Ära. Dass dieser Monarch eine besondere Vorliebe für die Chinoiserie hegte, der sächsisch-polnische Hof um 1700 zu einem der wichtigsten Zentren der europäischen Chinamode wurde, das begeistert die Chinesen überdies. Und davon erzählt die Dresdner Schau in allen Facetten.------------------------------Foto: Riesig, goldig, rotsamtig: Augusts Thron entzückt Chinesen.
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