BERLIN. Vor Kurzem konnten sich Sparer noch freuen: Die Banken überboten sich gegenseitig mit attraktiven Zinsen. Vier oder fünf Prozent Rendite und sogar noch mehr waren für die Anleger locker drin.Doch innerhalb weniger Wochen hat sich die Situation völlig verändert. Mittlerweile zahlen die Geldhäuser ihren Kunden nur noch Mini-Zinsen von zwei Prozent oder weniger, manche gewähren ihnen sogar nur noch symbolische 0,5 Prozent. Der Grund: Die Banken können sich derzeit so günstig wie nie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren. Derzeit müssen sie bei der EZB für ein ganzes Jahr nur 1,0 Prozent Zinsen zahlen. Für sie gibt es deshalb keinen Grund, ihren Kunden wesentlich mehr zu bieten.Dennoch parken die Anleger auch weiterhin viele Milliarden Euro auf Tagesgeldkonten. Weit und breit bieten sich ihnen derzeit nämlich keine überzeugende Alternativen. Betroffen sind nicht nur die Privatanleger, sondern auch die erfahrenen Profis. Überall herrscht Ratlosigkeit. So haben Aktien in der Krise stark an Wert eingebüßt. Noch immer schwanken die Kurse enorm. Viele Experten erwarten weitere Kurseinbrüche. Selbst wer Aktien mit hohen Dividenden-Ausschüttungen kauft, steht nicht automatisch auf der sicheren Seite. Zwar kann ihm dann theoretisch ein weiterer Kursverfall der Aktie nichts anhaben, so lange die jährliche Ausschüttung stabil bleibt. Doch genau das ist in Krisenzeiten wie diesen mehr als fraglich: Gehen die Firmengewinne weiter zurück, dürften auch die Dividenden gekürzt werden.Sicherheit fehltDoch auch die in Krisenzeiten sonst so beliebten Rohstoffe wie Gold oder Öl bereiten den Anlegern derzeit wenig Freude. Sie haben sich in jüngster Zeit ähnlich wie die Aktienmärkte entwickelt - die Notierungen fielen deutlich. Auch Immobilien, in der Anlegersprache häufig als Betongold bezeichnet, scheinen nicht mehr die gewohnte Sicherheit zu bieten. Das gilt nicht nur für Objekte in den USA, Großbritannien oder Spanien, wo die Immobilienpreise seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 massiv eingebrochen sind. Selbst in Deutschland, befürchten Experten, könnte es noch zu scharfen Preisrückgängen sowohl bei Wohn- als auch bei Gewerbeimmobilien kommen. Zwar gab es hierzulande keine Preisblase und demzufolge auch noch kaum Preisrückgänge in der Krise. Doch das könnte sich ändern, wenn hierzulande die Arbeitslosigkeit hochschnellt. Dann könnten viele Eigenheimbesitzer gezwungen sein, ihre Häuser zu verkaufen und Firmen, in billigere Räume umzuziehen - beides würde auf die Preise drücken.Geld kurzfristig parkenAuch die seit Jahrzehnten beliebten offenen Immobilienfonds, die stets konstant Renditen zwischen vier und fünf Prozent brachten, sind neuerdings mit einem Unsicherheitsfaktor behaftet: Nach Ausbruch der Finanzkrise verkauften nämlich viele Anleger, die dringend flüssige Mittel brauchten, massenhaft Anteile dieser Fonds - und brachten diese damit in die Bredouille. Ihre Barreserven waren schnell aufgebraucht. Und so setzten sie die Rücknahme von Anteilen aus, um nicht auf die Schnelle Immobilien verkaufen zu müssen. Viele Monate kamen die Anleger deshalb nicht an ihr Geld. Einige offene Immobilienfonds nehmen bis heute keine Anteile zurück."Es gibt im Moment einen gewissen Anlagenotstand", bestätigt Max Holzer, Leiter Strategie Vermögensstrukturierung bei der Fondsgesellschaft Union Investment. "Bei fast allen Anlageklassen sind die Schwankungen unverändert hoch." Anlageformen mit hoher Sicherheit und zugleich attraktiven Zinsen gebe es derzeit kaum. Selbst bei Anleihen von Unternehmen, die den Anlegern vor Monaten noch Renditen von acht Prozent oder mehr brachten, rentierten inzwischen nur noch um die fünf Prozent.In der aktuellen Situation empfiehlt Holzer neben klassischen Unternehmensanleihe auch einen Blick auf Wandelanleihen zu werfen - Unternehmensanleihen also, die nach einer gewissen Laufzeit in Aktien der Firma umgewandelt werden können: "Damit sichert sich der Anleger neben Zinseinkünften zusätzlich die Chance, später vom dann vielleicht wieder besser laufenden Aktienmarkt zu profitieren", so Holzer.Auch Helmut Tetzlaff, Leiter Marketing und Vertrieb bei der Fondsgesellschaft LBB-Invest, bekennt, dass die Zeiten für die Anleger im Moment außerordentlich hart sind: "Viele sind derzeit hin- und hergerissen zwischen Deflations-Szenario und Inflationsangst, und das macht die Wahl der richtigen Anlage unheimlich schwer", so Tetzlaff. Obwohl im Moment alle Anlageklassen gleich - schlecht - zu laufen scheinen, empfiehlt er Anlegern dennoch eine breite Streuung in unterschiedliche Anlageformen: "Wer im vergangenen Jahr nicht alle Eier in einen Korb gelegt hat, hat zwar auch Geld verloren, aber nicht so viel, als wenn er beispielsweise nur auf Aktien gesetzt hätte", so Tetzlaff. Aktuell begehe der konservative Anleger keinen Fehler, wenn er einen großen Teil seines Geldes kurzfristig fest parke und abwarte, was passiere, auch wenn die Zinsen niedrig seien. "Immerhin ist die Inflation derzeit nahe Null, deshalb sind auch Zinsen um die zwei Prozent real gar nicht so schlecht", argumentiert der LBB-Invest-Experte.Auch Arno Gottschalk, Geldanlage-Experte der Verbraucherzentrale Bremen, empfiehlt Anlegern in diesen scheren Zeiten Bescheidenheit. Wegen der niedrigen Zinsen nun im großen Stil am Aktienmarkt einzusteigen, sei sehr riskant: "Dass die Kurse schon stark gefallen sind, bedeutet nicht, dass die Talfahrt beendet ist. Es kann noch weiter kräftig abwärts gehen", befürchtet er. Weniger ist eben auch bei der Geldanlage manchmal mehr.------------------------------Grafik: Goldpreis------------------------------Foto: Geschätztes Edelmetall: Goldbarren von je einem Kilogramm.
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