Ukraine-Krieg

Schütze auf Motorrad feuert auf Putins Bomber-General

Ein Motorradfahrer eröffnet am Morgen das Feuer und entkommt. Russische Medien nennen als Opfer einen Bomberkommandeur, gegen den der SBU drei Tage zuvor schwere Vorwürfe erhoben hatte.

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Der russische Generalmajor Nikolai Warpachowitsch auf einer undatierten Aufnahme des Verteidigungsministeriums.

Der russische Generalmajor Nikolai Warpachowitsch auf einer undatierten Aufnahme des Verteidigungsministeriums.

© Russian Defense Ministry

Ein Unbekannter fährt am frühen Morgen auf einem Motorrad vor, schießt zweimal und flieht. So schildern russische Telegram-Kanäle den Angriff auf einen ranghohen Militärangehörigen in der Region Saratow. Sie nennen als Opfer Generalmajor Nikolai Warpachowitsch, den Kommandeur einer Division, die Marschflugkörper gegen die Ukraine einsetzt.

Offiziell bestätigt ist bislang nur der Angriff auf einen russischen Militärangehörigen. Das regionale Ermittlungskomitee teilte mit, der Mann sei verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Behörde leitete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass ein Verfahren wegen versuchten Mordes und eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Waffenrecht ein. Am Tatort seien Patronenhülsen und Geschosse sichergestellt worden.

Den Namen des Verletzten nannten die Ermittler nicht. Dass es sich um Warpachowitsch handelt, berichteten mehrere russische Medien und Kanäle aus dem Umfeld der Sicherheitsbehörden. Auch Ukrainska Pravda griff die Berichte auf.

Motorradfahrer soll zweimal geschossen haben

Der Angriff ereignete sich demnach gegen sieben Uhr morgens in der Siedlung Probushdenije bei Engels. Russische Telegram-Kanäle nennen unterschiedliche Tatorte. Mash berichtet von einem privaten Grundstück. Der auf Kriminal- und Eilmeldungen spezialisierte Kanal Shot schreibt dagegen, der Offizier sei beim Verlassen eines Geschäfts angegriffen worden. 

Der Täter soll einen Helm getragen und zweimal mit einer Pistole geschossen haben. Ein Geschoss habe das Gesicht des Militärs getroffen, ein weiteres den Oberkörper oder Bauch. Warpachowitsch sei schwer bis lebensgefährlich verletzt worden.

Nach Angaben von Mash wurde auch der Fahrer des Offiziers getroffen. Er habe sich zunächst in Sicherheit gebracht und später einen Krankenwagen gerufen. Die Geschosse seien bei einer Operation entfernt worden. Anschließend habe eine Verlegung des Generals nach Moskau vorbereitet werden sollen. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Einzelheiten nicht.

Der Angreifer wurde zunächst nicht gefasst. Russische Ermittler erklärten, sie suchten nach den Beteiligten und prüften die Umstände der Tat.

SBU wirft General Befehl zum Angriff auf Kinderklinik vor

Drei Tage vor den Schüssen hatten der ukrainische Sicherheitsdienst SBU und die Generalstaatsanwaltschaft Warpachowitsch in Abwesenheit zum Verdächtigen in einem Verfahren wegen Kriegsverbrechen erklärt.

Nach Darstellung des ukrainischen Sicherheitsdienstes gab der General am 8. Juli 2024 den Befehl zum Raketenangriff auf die Kinderklinik Ochmatdyt in Kiew. Unterstellte Einheiten seiner 22. schweren Bomberdivision hätten einen Marschflugkörper des Typs Ch-101 von einem strategischen Bomber des Typs Tu-95MS gestartet.

Während des Angriffs befanden sich nach Angaben des SBU mehr als 600 Patienten in der Klinik. Zwei Menschen wurden getötet, darunter eine Ärztin. Dutzende weitere wurden verletzt. Die toxikologische Abteilung wurde zerstört, vier weitere Klinikgebäude wurden beschädigt.

Warpachowitsch ist wegen dieser Vorwürfe nicht verurteilt worden. Ob er den Angriff persönlich befahl, ist Gegenstand der ukrainischen Ermittlungen und nicht unabhängig belegt.

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UN sehen direkten Treffer durch russische Rakete

Unabhängig untersucht wurde die Herkunft des Flugkörpers. Die Menschenrechtsmission der Vereinten Nationen kam nach der Auswertung von Videoaufnahmen und Spuren am Einschlagsort zu dem Ergebnis, dass die Klinik mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt von einer russischen Rakete getroffen wurde.

Ein Bericht der UN-Mission hält fest, dass die Rakete die toxikologische Abteilung vollständig zerstörte und das Zentrum für Kinderkardiologie und Herzchirurgie erheblich beschädigte.

Moskau bestritt die Verantwortung für den Treffer und machte die ukrainische Luftabwehr verantwortlich. Die Untersuchung der Vereinten Nationen stützt diese Darstellung nicht.

EU setzte Warpachowitsch auf Sanktionsliste

Warpachowitsch kommandiert die auf dem Luftwaffenstützpunkt Engels-2 stationierte 22. schwere Garde-Bomberdivision der russischen Fernfliegerkräfte. Die Einheit verfügt über strategische Bomber, von denen Russland Marschflugkörper gegen Ziele in der Ukraine abfeuert.

Die Europäische Union nahm Warpachowitsch im Dezember 2024 in ihre Sanktionsliste auf. In der Begründung heißt es, der Angriff auf Ochmatdyt sei von seiner Division ausgeführt worden. Als deren Kommandeur unterstütze er Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit und Unabhängigkeit der Ukraine bedrohten.

Die EU-Unterlagen schreiben Warpachowitsch allerdings keinen persönlichen Abschussbefehl zu. Dieser konkrete Vorwurf stammt aus dem späteren Ermittlungsverfahren des SBU.

Kein Beleg für ukrainische Beteiligung

Wer den Angriff auf den russischen Offizier ausführte und welches Motiv dahinterstand, ist nicht bekannt. Keine Organisation bekannte sich zunächst zu den Schüssen. Auch die Ukraine übernahm keine Verantwortung. Die zeitliche Nähe zwischen der Mitteilung des SBU und dem Anschlag dürfte Spekulationen über eine ukrainische Beteiligung verstärken.

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