Todesnachricht

Nina Hagen und ihre tote Freundin Sibylle Havemann: So haben sie als Mädchen Brecht gefeiert

Nina Hagen nimmt Abschied von ihrer Freundin Sibylle Havemann. Eine Erinnerung, die beide teilten: die Abende am Berliner Ensemble. Wie kamen sie als Mädchen rein?

3 Min
Nina Hagen (hier im Archivbild von 2022 in Kalifornien) trauert um Sibylle Havemann – und denkt dabei auch an die gemeinsamen Brecht-Abende im Berliner Ensemble.

Nina Hagen (hier im Archivbild von 2022 in Kalifornien) trauert um Sibylle Havemann – und denkt dabei auch an die gemeinsamen Brecht-Abende im Berliner Ensemble.

© imago

Nina Hagen bezeichnet sich gerne als „größter Brecht-Fan auf Erden“. Seit Jahrzehnten singt sie seine mit Kurt Weill komponierten Lieder. Im Song „Alle wollen in den Himmel“ hat sie ihm sogar ein Denkmal gedichtet. Doch alles begann gemeinsam mit ihrer gerade verstorbenen Freundin Sibylle Havemann, um die Hagen jetzt trauert.

Zusammen haben die beiden Mädchen im zarten Alter von elf Jahren in Ost-Berlin ihre Leidenschaft für Bertolt Brecht entdeckt: „Wir sind ab unserem 11. Lebensjahr regelmässig + jahrelang unzertrennlich ins Berliner Ensemble gepilgert und haben dort alle BRECHT- THEATERSTÜCKE miteinander genossen!“, schreibt Hagen auf Instagram in einem kleinen Nachruf auf die Freundin.

Doch Nina Hagen geht sogar noch weiter: Alles, was sie für ihr künstlerisches Handwerk später gebraucht habe, habe sie in zehn Jahren im Berliner Ensemble durch Brecht gelernt – so hat sie es Anfang dieses Jahres dieser Zeitung im Interview erzählt: „Das war während meiner Pre-Teenager-Zeit und meines jungen Erwachsenseins bis zu meiner Ausreise 1976.“

„Wir haben uns ein bisschen auf älter geschminkt“

Doch hat sich im BE niemand gewundert, dass sich da so ein junges Mädchen derart fürs Theater begeistert? „Mit elf Jahren habe ich mich mit meiner Freundin Bylle Havemann ein bisschen auf älter geschminkt“, erzählte uns Hagen, „wir wurden durchgewunken, und seitdem bin ich der größte Fan von Brecht und all seinen Theaterstücken“.

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Die Art und Weise, wie die Schauspieler das am BE zum Besten gegeben haben, sei der absolute Knaller, so Hagen. „Ich kann jedem Menschen nur empfehlen, sich Brecht-Theaterstücke anzuschauen.“ Vermutlich wird auch Nina Hagen selber das noch sehr oft tun, von der „Dreigroschenoper“ über „Happy End“ bis hin zu „Mahagonny“ – und dabei an die gemeinsamen Stunden am BE mit ihrer geliebten Freundin denken.

Hagen, die schon lange nicht bloß Punk-Ikone, sondern bibeltreue Christin ist und auch in ihren Abschiedsworten an Sibylle Havemann auf Bibelverse verweist, sieht Bertolt Brecht übrigens (anders als viele) nicht als Atheisten. Sie glaubt, dass Brecht durchaus gläubig war: „im Sinne der Liebe in Wort und Tat, der Nächstenliebe“.

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