Am kommenden Dienstag wollen etliche Christdemokraten früh aufstehen: Auf 4.01 Uhr wurde vom Obergerichtsvollzieher die Räumung der mehr als tausend Mauerkreuze am Checkpoint Charlie angesetzt, die CDU-Fraktion will vor Ort dagegen demonstrieren. Die anderen Parteien im Abgeordnetenhaus halten es für richtig, dass die Installation entfernt wird.Seit Oktober 2004 sind die 1 065 Mauerkreuze, mit denen an die Mauertoten erinnert wird, auf dem Gelände am Checkpoint Charlie zu sehen. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft 13. August und Leiterin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, hatte diese Installation initiiert. Nach Ablauf des Pachtvertrages weigerte sie sich, die Kreuze und die nachgebaute Grenzmauer wieder zu entfernen. Die Bankaktiengesellschaft BAG als Grundstücksbesitzerin klagte jedoch auf Räumung und bekam im April vor Gericht Recht. Doch Hildebrandt lehnt es bis heute ab, das Grundstück wieder frei zu machen."Recht bleibt Recht", sagte dazu die FDP-Abgeordnete Sibylle Meister. Die FDP begrüßte das Engagement von Alexandra Hildebrandt - wie die anderen Parteien auch. "Durch diese Aktion sind viele aufgeschreckt worden", sagte Meister. Aber nun sei schon ein halbes Jahr nach Ablaufen des Pachtvertrags vergangen, da sei zu verstehen, dass die Bank ihr Grundstück wiederhaben wolle. Die geplante Räumung findet auch bei der Grünen-Abgeordneten Alice Ströver Zustimmung. Daraus ergebe sich jetzt aber die Verpflichtung, einen Ort zu schaffen, wo der Mauertoten angemessen gedacht werden könne. "Der Ausbau der Gedenkstätte Bernauer Straße hat deshalb Priorität", sagte Ströver. Es sei richtig gewesen, dass Hildebrandt Druck auf die Politiker gemacht habe. "Kreuze und diese nachgebaute Mauer gehören nicht an den Checkpoint Charlie", sagte Ströver. Auch die rot-rote Koalition plädiert dafür, die Mauerkreuze wieder zu entfernen. "Das neue Gedenkstättenkonzept von Kultursenator Thomas Flierl ist sinnvoll", sagte die PDS-Abgeordnete Marion Seelig. Dieses sieht den Ausbau der Gedenkstätte an der Bernauer Straße und den Erhalt des Mauermuseums am Checkpoint Charlie vor.Die CDU dagegen unterstützt Hildebrandt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass am Dienstag die Bagger anrollen", sagte der Abgeordnete Frank Henkel. Der Checkpoint Charlie sei ein "authentischer Ort", um der Maueropfer zu gedenken. "Dort wird Geschichte erlebbar gemacht", sagte Henkel.
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