Ausgerechnet auf Ithaka wurde keine einzige Szene gedreht. Trotzdem könnte die kleine griechische Insel zu den großen touristischen Gewinnern von Christopher Nolans „The Odyssey“ gehören. Der Film hat weltweit inzwischen rund 1,45 Milliarden US-Dollar eingespielt. Griechenlands Regierung und Tourismusbranche wollen die Aufmerksamkeit nun in Reisen, Hotelbuchungen und längere Aufenthalte verwandeln.
Wie Politico berichtet, entsteht auf dem Peloponnes eine eigene Themenroute. Sie soll Drehorte des Films mit Schauplätzen aus Homers Epen, archäologischen Stätten und regionalen Angeboten verbinden. Schilder und eine Internetseite werden derzeit vorbereitet. Bis November soll das Projekt nach Angaben der Region weitgehend fertig sein.
Alle feiern Nolans „Odyssee“ – ich saß im Kino und habe etwas ganz anderes gesehen
Griechenland plant eine „Odyssey Route“ für Touristen
Zu den griechischen Drehorten gehören die Nestorhöhle und die Bucht von Voidokilia bei Pylos, der Strand Almyrolakkos, die Festung von Methoni und Akrokorinth. Dort entstanden Teile von Nolans Reise des Odysseus, den Hollywood-Star Matt Damon spielt.
Die geplante „Odyssey Route – Homer’s Peloponnese“ soll jedoch weit über diese Orte hinausführen. Vorgesehen sind Verbindungen zu Schauplätzen der griechischen Mythologie, darunter die Insel Kranai vor Gythio. Dort sollen Paris und Helena nach ihrer Flucht aus Sparta ihre erste Nacht verbracht haben. Auch Pefnos vor der Küste Lakoniens ist Teil der Überlegungen. Der Überlieferung nach traf Zeus dort in Gestalt eines Schwans auf Leda, die spätere Mutter Helenas.
„Das Ziel ist es, Homers Epen und die Filmproduktion miteinander zu verbinden“, sagte der für Tourismus zuständige Vizegouverneur des Peloponnes, Thanasis Michelongonas, Politico. Drehorte sollen demnach mit weiteren Plätzen verknüpft werden, die Teil der Überlieferung sind.
Die Regionalverwaltung arbeitet dafür mit Marketing Greece zusammen. Nach eigenen Angaben sollen auch Bergdörfer in Arkadien, Weingüter in Nemea, Olivenölproduzenten in Messenien und Orte auf der Mani in die Angebote einbezogen werden.
„Wir wollen den entstandenen Hype nutzen“, sagte Michelongonas. Die Erwartungen seien möglicherweise „größer als die Realität“. Dennoch habe der Peloponnes durch den Film internationale Werbung „im Wert von Millionen“ erhalten.
Schiffe für die Dreharbeiten zu „The Odyssey“ vor der Festung von Methoni. Der griechische Drehort soll Teil der geplanten Odysseus-Route werden.
© Stefanos Kyriazis/imago
Reiseanbieter melden deutlich mehr Griechenland-Buchungen
Erste Zahlen aus der Reisebranche deuten darauf hin, dass der Film tatsächlich die Urlaubsplanung beeinflusst. EasyJet Holidays meldete Anfang August einen Anstieg seiner Griechenland-Buchungen um 18 Prozent gegenüber der Vorwoche. Für Korfu betrug das Plus nach Angaben des Unternehmens 28 Prozent. Die Suchanfragen für Reisen auf den Peloponnes stiegen um zwölf Prozent.
Der Reiseveranstalter Unforgettable Greece erklärte gegenüber Travel Weekly, die Buchungen hätten im Jahresvergleich um 76 Prozent zugenommen. Das Unternehmen legte 22 neue Reisen auf, darunter eine 15-tägige Route von Athen über Korfu bis Ithaka.
Die Werte stammen von einzelnen Reiseanbietern und bilden nicht die gesamte Nachfrage nach Griechenland ab. Sie zeigen jedoch, wie schnell Reiseveranstalter auf den Film reagieren. EasyJet verkauft inzwischen eigens zusammengestellte „Odyssey“-Reisen nach Griechenland, auf die Ionischen Inseln und nach Sizilien. Über die Entwicklung hatte auch die griechische Zeitung Kathimerini berichtet.
Komparsen am Set von Christopher Nolans „The Odyssey“ im griechischen Methoni. Der Drehort soll Teil einer neuen Odysseus-Route werden.
© Stefanos Kyriazis/imago
Nolans Ithaka liegt nicht in Griechenland
Für Ithaka ist der Rummel mit einer Enttäuschung verbunden. Die Insel mit rund 3000 Einwohnern gilt als Heimat des Odysseus, erscheint in Nolans Film aber nicht als Drehort. Für das filmische Ithaka diente vor allem Favignana westlich von Sizilien. Über dem Hafen der italienischen Insel wurde die Festung Santa Caterina zum Palast des Odysseus.
Ithakas Bürgermeister Dionysis Stanitsas sagte in einem Bericht von Euronews und AFP, die Gemeinde habe sich an das Produktionsteam gewandt und um Dreharbeiten auf der Insel gebeten. Das sei jedoch nicht möglich gewesen.
Mit einem spürbaren Anstieg der Besucher rechnet Stanitsas erst im kommenden Jahr. Die diesjährige Saison war bereits weitgehend gebucht, als der Film im Juli in die Kinos kam. Der Archäologe Spiros Kouvaras hofft, dass Besucher künftig auch in den bislang ruhigen Monaten März, April, Oktober und November nach Ithaka reisen. „Hinter dem Film von Nolan steht Homer“, sagte er.
Der griechische Tourismusverband EOT hilft bereits nach. Seine französische Vertretung organisierte Ende Mai eine Pressereise nach Ithaka. Daraus entstand eine 162 Seiten starke Sonderausgabe von Le Figaro mit dem Titel „Auf den Spuren des Odysseus“. Die Erstausgabe umfasst nach Angaben des EOT 70.000 Exemplare.
Griechenland förderte „The Odyssey“ mit 6,57 Millionen Euro
Die Verbindung zwischen Film und griechischer Tourismuswerbung kommt nicht von ungefähr. Über sein Rückvergütungsprogramm für Filmproduktionen sagte Griechenland „The Odyssey“ eine Förderung von rund 6,57 Millionen Euro zu. Nach der veröffentlichten Entscheidung standen dem förderfähige Ausgaben von etwa 16,42 Millionen Euro für die Arbeiten im Land gegenüber.
Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bedankte sich nach dem Kinostart persönlich bei Nolan. Der Film habe das weltweite Interesse an der antiken griechischen Kultur gestärkt, teilte das Büro des Regierungschefs mit. Solche Produktionen verbänden Griechenlands kulturelles Erbe mit moderner Kreativität.
Ob daraus dauerhaft mehr Besucher werden, ist offen. Der Historiker Angelos Chaniotis vom Institute for Advanced Study in Princeton warnte gegenüber Politico davor, sich auf den Erfolg eines einzelnen Films zu verlassen. Die Wirkung solcher Produktionen sei häufig kurzlebig. Nötig seien bessere archäologische Angebote, gestärkte Museen und eine langfristige Strategie. Der Film kann die Reisenden nach Griechenland locken. Was sie dort vorfinden, entscheidet jedoch darüber, ob der „Odyssey“-Effekt länger als einen Sommer anhält.
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