Energie

Nord Stream im Ukraine-Deal: The Economist enthüllt, was die USA Russland anbieten

Die USA stellen Russland laut Bericht neue Gasgeschäfte mit Europa in Aussicht – über Deutschlands Kopf hinweg. Kiew fürchtet Deals vor einem Kriegsende.

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Kremlchef Wladimir Putin am 21. Oktober 2026 bei einem Treffen mit Steve Witkoff im Konstantin-Palast bei St. Petersburg

Kremlchef Wladimir Putin am 21. Oktober 2026 bei einem Treffen mit Steve Witkoff im Konstantin-Palast bei St. Petersburg

© Gavriil Grigorov/IMAGO

Die USA bieten Russland nach einem Bericht des britischen Magazins The Economist die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa und einen Neustart von Nord Stream an. Die Pipeline soll Teil wirtschaftlicher Anreize werden, mit denen Washington Moskau für eine Vereinbarung über den Krieg gegen die Ukraine gewinnen möchte.

Das Magazin beschreibt unter Berufung auf ukrainische Regierungsvertreter die Grundzüge der jüngsten amerikanischen Vorschläge. Sämtliche Einzelheiten seien den Gesprächspartnern allerdings nicht bekannt.

Damit stellen die Unterhändler der USA Russland eine Rückkehr auf den europäischen Gasmarkt in Aussicht, über die Washington nicht selbst entscheiden kann. The Economist bewertet das Angebot als Verstoß gegen EU-Recht.

Die EU hat den Ausstieg aus russischem Gas bereits beschlossen: Für Flüssigerdgas gilt das vollständige Importverbot ab dem 1. Januar 2027. Die Übergangsfrist für langfristige Pipelineverträge endet grundsätzlich am 30. September 2027; unter bestimmten Voraussetzungen kann sie bis zum 1. November verlängert werden. Ein Neustart der Lieferungen müsste sich über diesen beschlossenen Ausstieg hinwegsetzen oder setzt eine Änderung der europäischen Regeln voraus.

Vorschlag der USA: Ukraine soll der EU beitreten und auf die Nato verzichten

Die Gasgeschäfte ergänzen dem Bericht zufolge ein größeres Paket von Vorschlägen. Russland würden Geschäfte mit amerikanischen Unternehmen, Sanktionserleichterungen und eine Normalisierung der politischen Beziehungen angeboten. Für den Donbass sei eine entmilitarisierte Zone vorgesehen.

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Die Ukraine solle ein Investitionspaket und eine Mitgliedschaft in der EU erhalten, dafür aber auf einen Nato-Beitritt verzichten. Auch über die Aufnahme eines Landes in die EU können die USA nicht entscheiden. Washington verhandelt damit über Zugeständnisse, für deren Umsetzung es die europäische Zustimmung braucht.

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Ukrainische Unterhändler fürchten Geschäfte vor dem Kriegsende

Gerade die Reihenfolge möglicher Zugeständnisse bereitet ukrainischen Verhandlern nach Darstellung von The Economist Sorgen. Sie befürchten, dass die amerikanischen Vertreter lukrative Geschäfte bereits vor dem Ende des Krieges vorantreiben könnten. Ein ukrainischer Regierungsvertreter beschreibt die dahinter vermutete Logik gegenüber dem Magazin so: „Warum warten und Zeit verlieren? Zeit ist Geld.“

Die Aussicht auf neue Gasgeschäfte mit Europa hat bereits russische Energieaktien beflügelt. Gazprom-Papiere sind am 19. Oktober an der Moskauer Börse zwischenzeitlich um 3,9 Prozent auf 112,60 Rubel gestiegen – den höchsten Stand seit Juni, berichtete Forbes Russland. Analysten von T-Investments brachten den Anstieg mit einem Bericht der New York Times über Überlegungen der USA, russische Gaslieferungen durch die Ukraine wiederaufzunehmen, in Verbindung.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte trifft am 15. Oktober 2026 in seiner Residenz in Brüssel, Belgien, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte trifft am 15. Oktober 2026 in seiner Residenz in Brüssel, Belgien, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen.

© IMAGO/NATO via Bestimage

Die amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner unterschätzen nach Einschätzung von The Economist Putins nationalistische Ziele. Sie betrachteten seine Motive zu stark als wirtschaftliche und territoriale Interessen. Für Kiew entsteht dadurch das Risiko, dass Russland wirtschaftliche Vorteile erhält, bevor eine belastbare Vereinbarung über die Beendigung des Krieges steht.

Am 21. Oktober reiste Witkoff nach St. Petersburg. Dort hat er Putin laut The Economist als „Menschenfreund“ bezeichnet. Die Reise fällt in eine Phase, in der Washington erneut auf eine Einigung drängt und sich zugleich die Spannungen mit der ukrainischen Führung verschärfen.

Starlink-Ausfälle belasten das Verhältnis zwischen Washington und Kiew

Wie unmittelbar die Ukraine von amerikanischer Technologie abhängt, haben zuletzt Einschränkungen des Satelliteninternets Starlink gezeigt. In der Vorwoche waren The Economist zufolge die Verbindungen ukrainischer Drohnen begrenzt worden. Betroffen waren Fluggeräte, die schneller als 160 Kilometer pro Stunde flogen.

Eine ukrainische Einheit habe dadurch bei einem einzigen Einsatz Drohnen im Wert von einer Million Dollar verloren. Nach Angaben ukrainischer Kommandeure funktionierten die Verbindungen am 22. Oktober wieder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

Wer die Einschränkungen veranlasste, ist ungeklärt. Nach Darstellung von The Economist scheint die Entscheidung aus einem kleinen Kreis um Präsident Donald Trump, Elon Musk und Witkoff gekommen zu sein. Das Magazin verweist auf Berichte, wonach Musk die Ukraine wegen ihrer Angriffe auf russische Raffinerien habe bestrafen wollen. Niemand in der Regierung der USA übernehme dafür die Verantwortung.

Auch bei einer von Washington geforderten Waffenruhe im Energiebereich beschreibt The Economist eine ungleiche Behandlung: Die Ukraine solle Angriffe auf russische Raffinerien einstellen. Russland dagegen müsse nach der amerikanischen Auslegung seine Angriffe auf ukrainische Kraftwerke nicht beenden.

Innerhalb der US-Regierung gibt es zugleich unterschiedliche Positionen. Ein Gespräch zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Amerikas Außenminister Marco Rubio am 19. Oktober habe Kiew etwas Hoffnung gegeben. The Economist deutet Rubios erneute stärkere Beteiligung als Zeichen dafür, dass gegenüber Russland härter eingestellte Kräfte wieder an Einfluss gewinnen könnten.

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