Nordkorea treibt einem Bericht zufolge den Ausbau mehrerer strategisch wichtiger unterirdischer Raketenstützpunkte voran. Die Führung unter Kim Jong-un verstärke mehrere Anlagen, die nahe der Grenze zu China liegen und als Schutzräume für ballistische Raketen sowie als Führungsbunker dienen sollen, berichtet die Asia Times.
Nach Einschätzung des Berichts verfolgt Pjöngjang damit das Ziel, im Falle eines militärischen Konflikts mit den Vereinigten Staaten, Südkorea oder Japan über geschützte Startkapazitäten zu verfügen. Einige der dort gelagerten ballistischen Raketen könnten nach Analyse der Asia Times die USA erreichen, was Teil der angestrebten Abschreckungswirkung sein soll. Zugleich erhofft sich Nordkorea offenbar einen Schutz durch die Nähe zur chinesischen Grenze, da Angriffe auf diese Anlagen das Risiko bergen könnten, China in einen Konflikt hineinzuziehen. Der Bericht nennt die Standorte Sinpung-dong, Hoejung-ni und Yongjo-ri als zentrale Elemente dieser Strategie.
Die drei besonders ausgebauten Basen nahe China:
- Sinpung-dong: Die Anlage liegt rund 27 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt und wurde den Angaben zufolge zwischen 2004 und 2014 vollständig ausgebaut. Unter dem Pugo-Gebirge werden dort unter anderem Raketen der Typen Hwasong-15 und Hwasong-18 gelagert. Neue Satellitenbilder des Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus August 2025 zeigen laut Asia Times, dass die Raketen von mehreren genehmigten Abschussplätzen in der Region aus eingesetzt werden könnten.
- Hoejung-ni: Auch dieser Stützpunkt liegt etwa 25 Kilometer von China entfernt. Das Gelände in der Provinz Chagang ist stark bewaldet und schwer zugänglich. Der Standort wurde ab 2003 errichtet und ist seit 2021 vollständig einsatzbereit. Die Anlage verfügt laut Bericht über zwei unterirdische Lagerräume und zwei befestigte Kontrollpunkte. Sie ist für die Unterbringung einer regimentstarken Einheit der strategischen Raketenkräfte ausgelegt.
- Yongjo-ri: Die teils schon in den 1990er Jahren angelegte Basis verfügt über zwölf Tunnel, von denen sechs der Lagerung von Raketen und sechs der Unterbringung von Personal dienen. Dort sollen unter anderem Mittelstreckenraketen des Typs Nodong lagern. Yongjo-ri wird zudem von US- und südkoreanischen Geheimdiensten als möglicher Standort zur Anreicherung von Uran eingestuft. Statt fester Abschussrampen setzt die Anlage auf mobile Raketenwerfer, die im Ernstfall schnell verlegt werden könnten.
Nordkorea strukturiert sein Raketenarsenal in „Gürteln“
Nach Angaben der Asia Times gliedert Nordkorea sein Raketenarsenal in mehrere geografische „Gürtel“. Der taktische Gürtel umfasst Kurzstreckenraketen in den Regionen Wonsan und Haeju. Der operative Gürtel liegt rund um Pjöngjang und beherbergt Mittel- und Langstreckenraketen. Im strategischen Gürtel schließlich stehen die Interkontinentalraketen, die theoretisch auch die USA erreichen können. Die zahlreichen unterirdischen Anlagen dienen als Ausweich- und Notfallstandorte, falls zentrale Basen im Konfliktfall zerstört werden.
Schutz vor Präventivschlägen als zentrales Ziel
Nordkorea sieht sich dem Bericht zufolge sowohl den US-Streitkräften als auch den südkoreanischen Truppen technisch deutlich unterlegen. Die unterirdischen Bauten sollen verhindern, dass die Raketenstreitkräfte im Falle eines Präventivschlags früh ausgeschaltet werden. Pjöngjang signalisiere damit, dass ein Angriff auf die strategischen Standorte hohe Risiken für die Region bergen würde.
Die Entwicklungen erfolgen vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen in der Region. Internationale Medien berichten übereinstimmend, dass sich die Lage auf der Halbinsel seit Monaten zuspitzt. Nordkorea hat mehrere Kommunikationskanäle zu Seoul und Washington geschlossen und setzt verstärkt auf militärische Abschreckung. Reuters, AP und BBC verweisen auf neue Raketen- und Artillerietests sowie eine deutlich härtere Rhetorik Kim Jong-uns, der diplomatische Annäherungsversuche als „sinnlos“ bezeichnete.
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