Der Umzug hätte mit dem Fahrrad erledigt werden können. Das ist natürlich Quatsch, denn das in Frage kommende Fahrrad hat nicht mal einen Gepäckträger, aber es sagt sich gut. Denn der Umzug vollzog sich nur über die Oberbaumbrücke, Friedrichshain-Südkante nach Kreuzberg-Nordende. Und es war nicht viel Zeug, das der Ex-WG-Bewohner in die neue Pärchen-Wohnung zu tragen hatte.Ein kleiner Umzug über den Fluss, aber ein Übertritt über gleich mehrere imaginäre Grenzen. Jüngere Freunde sind frisch verliebt und wohnen natürlich alle im Osten, der Umzieher wird ein Paar, macht Pärchen-Witze wie "Wir sind ein eigenständiger Mensch" und wohnt im Wrangelkiez. Von wegen Problemzone. Gegenüber ist ein Bio-Bäcker, im Hinterhof spielen die Kinder aus der benachbarten Kita. Der Supermarkt um die Ecke ist bekannt für seine sozial schwierige Klientel. Aber während in Friedrichshain die Rumsteher krakeelende Punks mit Hunden sind, erledigen die Kreuzberger still ihren Job. Sie saufen an der Straßenecke, gewissenhaft von acht bis acht.Der Abschied vom Wirt der früheren Hauskneipe endete gegen drei Uhr morgens mit der alkoholgetrübten Theken-Diskussion, an welcher Stelle des Alten Testaments Gott zugibt, dass er auch das Böse geschaffen hat und was Bob Dylan dazu sagt. Am Abend darauf kam ein befreundetes Pärchen zum Abendessen nach Kreuzberg.
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