Wenn sich einer damit auskennt, wie man eine bedrohte Kulturinstitution groß macht, dann ist es Oliver Zille. Insofern ist es für das Leipziger Literaturhaus eine höchst erfreuliche Nachricht, dass er nun dessen Leitung übernimmt.
Oliver Zille, gebürtiger Leipziger, arbeitete von 1988 bis 2023 bei der Leipziger Buchmesse. 1993 übernahm er die Projektleitung, 2004 wurde er Direktor. In dieser Geschichte stecken Heldentaten. Die Buchmesse, jener für Ostmenschen legendäre Ort, wo man Westbücher sehen, anfassen und zuweilen klauen konnte, geriet nach der deutschen Vereinigung wegen des größeren Pendants in Frankfurt am Main unter extremen Druck. Zille entwickelte mit seinem Team Leipzig zu einem Frühjahrstreffpunkt für Verlage, Buchhändler, Autoren, Medien und für ein stetig wachsendes Publikum.
Eine Werbung für das Lesen
Das an die Messe gekoppelte Programm „Leipzig liest“ mit regelmäßig mehr als 3000 Veranstaltungen auf dem Messegelände und an Hunderten Orten in der Stadt ist eine Werbung fürs Lesen, für die Autorinnen und Autoren. Zilles Nachfolgerin Astrid Böhmisch führt das fort.
Das Leipziger Literaturhaus wurde 1996 im Haus des Buches eröffnet. Dessen Chef Thorsten Ahrend lockte mit seiner Erfahrung als Lektor und Verleger renommierte Autorinnen an, lenkte auch die Scheinwerfer auf Debüts. Finanziert wurde das vor allem mit Geld, das aus dem DDR-Kulturministerium in eine Stiftung überführt worden war. Dies ist jetzt alle. Zwar gibt es inzwischen seitens der Stadt Leipzig die Zusage für eine institutionelle Förderung, aber die deckt nur das Nötigste ab. Es gilt, Partner und Sponsoren zu finden, einen neuen Ort und eine neue Leitung. Thorsten Ahrend geht zum Jahresende in den Ruhestand.
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MehrDas gehört auf die Visitenkarte
Oliver Zille ist im selben Jahr wie dieser geboren, 1960. Er legt Wert darauf, Interimsgeschäftsführer zu sein. „Ich würde mir den ersten Teil des Wortes am liebsten fett auf die Visitenkarte drucken lassen“, sagt er am Telefon.
Was für andere in der Branche und in der Stadt Leipzig viel mehr zählt, sind sein Name und sein Ruf als Kulturmanager. Er arbeitet derzeit für die Messe Buch Wien und kämpfte schon als Vorstandsmitglied des Literaturhauses mit um dessen Fortbestand. Nun möchte er sich um dessen Perspektive kümmern. Oder wie es in der Pressemitteilung heißt: Er wird „das Haus im Übergang von der Eigen- zur Fremdfinanzierung leiten und sich vor allem den Themen strategische Vernetzung, Sicherung weiterer Finanzierungsquellen und Sichtbarkeit widmen“.
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