Der Abend begann mit einem Liedchen. "Bitte gib mir einen Preis" hieß es zur Melodie der "Wir sind Helden"-Nummer "Nur ein Wort", und es gab einen Reim, der stimmte besonders nachdenklich: "Der Fernsehpreis lädt ein zum Hollywood am Rhein."Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Deutsche Fernsehpreis wurde auch in diesem Jahr wieder im abgrundtief unglamourösen Gewerbegebiet von Köln-Ossendorf vergeben, und was sich am roten Teppich abspielte, atmete auch nur sehr vorsichtig den Duft der großen weiten Welt. "Zeig mal Bein", "Jetzt mal von vorne", "Heb mal den Rock!", "Max, hierher!" - hätten die Fotografen "Max, Platz!" oder "Sonya, fass!" gerufen, man hätte sich nicht gewundert.Die Promis der Kategorien B-F hörten natürlich aufs Wort, und die Dame, die überhaupt nicht mehr aufhören wollte, sich mit rasender Geschwindigkeit in den Hüften zu wiegen und dabei zu strahlen wie ein russisches Atomkraftwerk bedenklichster Bauart, soll Gerüchten zufolge hauptberuflich den Wetterbericht von Sat.1 rezitieren. So viel zum Thema "Hollywood am Rhein".Yvonne Kötterfeld war auch daNachdem auch Nova Meierhenrich den roten Teppich verlassen hatte, konnte dann auch begonnen werden: Preisverleihung, diesmal ausgerichtet von Sat.1. Trotz Schleichwerbung und Talkshow-Aus schien Geschäftsführer Roger Schawinski sehr gut gelaunt zu sein, konnte aber nicht ganz so viel Aufmerksamkeit erregen wie WDR-Kollege Fritz Pleitgen, der als Laudator in der Kategorie "Bester Schnitt" überaus eigenwillig und sehr unbeirrt von "Kötterinnen und Köttern" sprach. Yvonne Kötterfeld war übri-gens auch anwesend.Auf Fritz Pleitgen folgten dann noch sehr viele Laudatoren und noch mehr Dank sagende Preisträger, mit allen bekannten und gefürchteten Nebenwirkungen. Die beiden Gastgeber Anke Engelke und Hugo Egon Balder sprachen dennoch von "einem wunderschönen Abend", bescheinigten der Veranstaltung "Pepp und Schwung" und dem Publikum, "gut drauf" zu sein. Das war zweifellos einer ihrer besten Gags.Entsprechend dankbar legte sich die Prominentenschar den Rednern zu Füßen, die rhetorisch brachial aus dem Rahmen fielen und ein-fach mal sagten, was sie gerade loswerden wollten. Cordula Stratmann etwa fiel zu ihrem mit Federn geschmückten Kleid ganz beiläufig ein, dass es keineswegs die Vogelgrippe darstelle, und Helge Schneider stammelte sich kunstvoll durch eine Quasi-Laudatio, die sich mit Satzfragmenten wie "Oh, kein Bonbon bei, nix!" erfrischend sinnfrei ins Nirgendwo verabschiedete. Harald Schmidt schließlich nutzte die Gelegenheit, das versammelte Nachrichten- und Infowesen des deutschen Fernsehens verbal platt zu bügeln, inklusive der Nacken-Spoiler-Frisur des Sat.1-Mannes Thomas Kausch.Was nun die Entscheidungen der Jury anbelangt, lässt sich im Vergleich zu den Vorjahren nur wenig Fragwürdiges finden. Sicher kann man über das Votum in der Kategorie "Beste Sitcom" diskutieren. Ist "Nikola" wirklich preiswürdiger als "Stromberg"? Bestimmt nicht. Aber irgendeinen Preis musste RTL ja schließlich bekommen, abgesehen von der Auszeichnung für die beste Serie, die gewohnheitsmäßig und zum dritten Mal in Folge an "Abschnitt 40" ging.Der Sieger des Abends war zweifellos die BR-Produktion "Marias letzte Reise", die vier Preise einheimste, darunter den als "Besten Fernsehfilm". Dass Sebastian Koch für seine Leistung in Heinrich Breloers Glanzstück "Speer und Er" gewürdigt, Cordula Stratmanns Impro-Theater "Schillerstraße" als beste Comedy geehrt und Claus Kleber für die "beste Moderation Information" belobigt wurde, all das leuchtete unmittelbar ein. Nachdenklich stimmte hingegen, was Kleber über sein "heute-journal" zu sagen hatte: Es sei so etwas wie das "Asterix-Dorf" im ZDF, behauptete er aufrecht, was den Rückschluss aufdrängt, dass der Rest des öffentlich-rechtlichen Senders unter römischer (?) Besatzung steht. Ein interessanter Gedanke. Da müsste man mal nachhaken.Überhaupt ist so eine Preisverleihung überaus anregend. Da saß man also und wunderte sich, was es so alles gibt im deutschen Fernsehen. Die ZDF hat eine Sitcom namens "Typisch Mann!" im Programm?Nach der Preisverleihung trafen sich alle Beteiligten in der "Coloneum-Mall" beim "Come Together" mit "Finger Food" und "Walking Buffet". Und so kam Köln-Ossendorf zumindest sprachlich dem anfangs erwähnten Liedchen noch verdammt nah: Hollywood am Rhein. Wenn nicht sogar am Rhine. Schon irre, diese Television People.------------------------------Monica Bleibtreu ist die beste HauptdarstellerinDer große Gewinner des Deutschen Fernsehpreises 2005 ist der ARD-Fernsehfilm "Marias letzte Reise" mit Monica Bleibtreu.Er wurde in vier Kategorien ausgezeichnet. Neben dem Preis in der Königsdisziplin "Bester Fernsehfilm" wurde Monica Bleibtreu als "Beste Hauptdarstellerin" und Michael Fitz als Bester Nebendarsteller geehrt. Ein weiterer Preis ging an Annette Focks für die Filmmusik.Die wichtigsten Preisträger:Beste Krimireihe: "Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel" (ARD)Beste Regie: Hermine Huntgeburth für "Der Boxer und die Friseuse" (ARD)Bestes Buch: Christoph Darnstädt für "Das Zimmermädchen und der Millionär" (Sat.1)Bester Schauspieler Fernsehfilm: Sebastian Koch für "Speer und Er" (ARD)Beste Nebendarstellerin: Birge Schade für "Hotte im Paradies" (ARD), "Katzenzungen" (ARD), "Delphinsommer" (ARD)Bester Schauspieler Serie: Ulrich Mühe für "Der letzte Zeuge" (ZDF)Beste Sitcom: "Nikola" (RTL)Beste tägliche Serie: "Verliebt in Berlin" (Sat.1)Beste Dokumentation:"Kanalschwimmer" (ZDF)Beste Reportage:"die story: SchussWechsel" (WDR)Beste Moderation Informationssendung: Claus Kleber für "heute journal" (ZDF)Beste Informationssendung: "Fall Deutschland" (ZDF)Beste Unterhaltungssendung: "Clever! Die Show, die Wissen schafft" (Sat.1)Beste Comedy: "Schillerstraße" (Sat.1)Beste Sportsendung: "Fußball: Bundesliga live" (Premiere)Ehrenpreis der Stifter:Dietmar Schönherr------------------------------Foto: Ausgezeichnet: Monica Bleibtreu freut sich sichtlich.------------------------------Foto: Anke Engelke hielt die Laudatio für Cordula Stratmann und ihre Comedy-Show "Schillerstraße".
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