O'zapft is: Heute beginnt das Münchener Oktoberfest. Doch der Spaß wird für die Besucher immer teurer

Auf der Wiesn galoppiert die Inflation

Stephan Kaufmann
3 Min

BERLIN. Heute ist es wieder soweit: Um zwölf Uhr eröffnet zum 174. Mal das größte Volksfest der Welt, das Münchener Oktoberfest. Ein gutes Geschäft - nicht nur für die Stadt München, sondern vor allem für Gastwirte, Hähnchenbrater und Hoteliers. Denn nach Berechnungen der Münchener HypoVereinsbank bitten sie die Besucher jedes Jahr kräftiger zur Kasse.Noch vor sechs Jahren war die Stimmung eher trüb: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 litt auch das Oktoberfest (auf bayerisch: "Wiesn") unter Besucherschwund. Die Furcht vor Anschlägen drückte die Feierlaune, der Bierkonsum brach von 6,5 Millionen Litern im Jahr 2000 auf 4,9 Millionen Liter ein.Eine Milliarde Euro UmsatzSeitdem haben sich Lage und Laune aber wieder stark entspannt. So kamen im vergangenen Jahr laut HypoVereinsbank 6,5 Millionen Gäste auf die Wiesn und tranken in den 16 Tagen des Oktoberfestes 6,9 Millionen Liter Bier - so viel wie noch nie.Das Spektakel habe damit eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt München, so Alexander Koch von der HypoVereinsbank: "Mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro beschert das Fest jedes Jahr Einnahmen vergleichbar mit denen während der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr." Der Umsatz betrage rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung Münchens. Knapp die Hälfte werde dabei auf der Festwiese selber umgesetzt, rund ein Drittel seien Einnahmen aus Übernachtungen der Besucher und der Rest entfalle auf Einkäufe, Verkehrsmittel und Verpflegung.Für die Freunde von Bier, Hähnchen und Blasmusik wird der Wiesn-Besuch allerdings ein zunehmend teurer Spaß. Denn die Preise dort steigen wesentlich schneller als im deutschen Durchschnitt.Koch misst die Kosten eines Wiesnbesuchs vereinfachend anhand des Preises für eine Fahrkarte der Münchener Verkehrsbetriebe, zwei Maß (zwei Mal ein Liter) Bier und für ein halbes Brathähnchen ("Hendl"). Verglichen mit 1985 sei vor allem der Bierpreis in die Höhe geschnellt, so der Ökonom. Kostete damals eine Maß noch 3,10 Euro, so sind es heute 7,70 Euro. Das entspreche einem Preisanstieg von insgesamt 150 Prozent oder von vier Prozent pro Jahr - im gesamtdeutschen Durchschnitt habe der Bierpreis dagegen nur um 1,5 Prozent pro Jahr zugelegt. Der Transport zur Wiesn habe sich um insgesamt 80 Prozent verteuert und der Hendl-Preis ist um 90 Prozent in die Höhe geschossen.Rationalität und BierkonsumHypoVereinsbank-Ökonom Koch hat die Kosten für eine Fahrkarte mit den Münchener Verkehrsbetrieben, zwei Maß und ein halbes Hendl zum "Wiesnbesucherpreisindex" zusammengefasst und mit der Verbraucherpreis-Inflation in Deutschland verglichen. Das Ergebnis ist bedrückend für Fans des Oktoberfests: Die Preise auf der Wiesn sind seit 1985 um 125 Prozent gestiegen, also um 3,7 Prozent jährlich. Demgegenüber legten die durchschnittlichen Verbraucherpreise nur um insgesamt 52 Prozent oder 1,9 Prozent jährlich zu.Angesichts des unaufhaltsamen Ansturms auf das Fest ergibt sich für Koch das "Oktoberfest-Paradoxon": Trotz der hohen Kosten ließen sich die Menschen nicht von einem Besuch abschrecken. "Offenbar", stellt der Volkswirt fest, "entscheiden die Wiesn-Besucher nicht vollkommen rational - zumindest nicht bei voranschreitendem Bierkonsum."------------------------------Grafik : Steigende Preise auf dem Oktoberfest------------------------------Foto : Nicht voll, aber teuer: Der Preis für eine Maß Wiesn-Bier ist stark gestiegen.

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