Obama wirbt vor der UN-Generalversammlung für Zusammenarbeit anstelle von Alleingängen

"Amerika wird durch sein Beispiel führen"

Dietmar Ostermann
3 Min

NEW YORK. US-Präsident Barack Obama hat die Staatengemeinschaft zu einer neuen Ära der Zusammenarbeit aufgerufen. "Diejenigen, die Amerika für seine Alleingänge in der Welt gescholten haben, können nun nicht darauf warten, dass Amerika die Probleme der Welt allein löst", sagte Obama am Mittwoch zum Auftakt der Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York.Drängende AufgabenObamas erster Auftritt vor der Vollversammlung der Weltorganisation war mit Spannung erwartet worden. Der US-Präsident setzte sich in seiner Rede immer wieder von seinem Vorgänger George W. Bush ab. Obama räumte ein, die USA hätten in der Vergangenheit bei bestimmten kritischen Themen eigenmächtig gehandelt. Er habe nach seinem Amtsantritt Folter verboten und angeordnet, das Gefangenenlager Guantanamo zu schließen, erinnerte er unter dem Beifall der Delegierten. "Amerika wird seine Werte leben und durch sein Beispiel führen", sagte Obama.Die Lasten könnten aber nicht allein bei den USA abgeladen werden, sagte Obama. Zu oft habe ein "fast reflexhafter Antiamerikanismus als Ausrede für kollektives Nichthandeln" gedient. Die Welt müsse sich den globalen Herausforderungen gemeinsam stellen. "Wenn wir zu uns ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir dieser Verantwortung nicht gerecht werden", mahnte Obama: "Unsere Taten müssen der Größe unserer Herausforderungen gerecht werden."Als drängende Aufgabe nannte Obama, die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Sollte dies nicht gelingen, drohe in verschiedenen Gegenden der Welt ein Rüstungswettlauf. Er kündigte eine Überprüfung der US-Atomdoktrin an, die "die Tür für tiefer gehende Kürzungen öffnen" werde. Am Donnerstag will Obama eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle leiten. Iran und Nordkorea forderte er auf, sich ihren Verpflichtungen nicht zu verweigern.Zuvor hatte auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon dazu aufgerufen, angesichts einer Vielzahl von Krisen die Probleme gemeinsam anzugehen. "Die Welt schaut auf uns", sagte Ban, "jetzt ist die Zeit, das vereint in die Vereinten Nationen zurück zu bringen." Neben atomarer Abrüstung und dem Kampf gegen die Klimakrise forderte er verstärkte Bemühungen im Kampf gegen die Armut. Geschätzte 100 Millionen Menschen würden 2009 unter die Armutsgrenze fallen: "Die Märkte mögen zurück sein, aber Einkommen und Jobs sind es nicht."Die Rede des iranischen Präsidenten Machmud Ahmadinedschad wurde für den späten Abend erwartet.------------------------------Weltklima soll Chefsache werdenDänemarks Regierungschef Lars Lokke Rasmussen hat die Rettung des Weltklimas zur Chefsache erklärt: In der Nacht zu Mittwoch lud er als Gastgeber der bevorstehenden UN-Klimakonferenz die Staats- und Regierungschefs aus aller Welt ein, im Dezember selbst nach Kopenhagen zu reisen, statt sich, wie geplant, von ihren Ministern vertreten zu lassen.Der Erfolg der Konferenz hänge zu großen Teilen vom weiteren Engagement der obersten Vertreter der einzelnen Länder ab, sagte Rasmussen zum Abschluss des UN-Klimagipfels in New York. Der derzeitige "Verhandlungsstillstand" müsse gebrochen werden. In Kopenhagen soll ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll von 1997 ausgehandelt werden.------------------------------Foto: Erster Auftritt vor der UN-Vollversammlung: US-Präsident Barack Obama verspricht, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu bekämpfen.

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