Obst-Nachfrage wächst / Nach der Wende wurden Plantagen abgeholzt

Neue Bäume braucht das Havelland

Julia Schmidt
3 Min

GLINDOW/MARQUARDT. An den Apfelbäumen im Havelland hängen die begehrten reifen Früchte. Offiziell beginnt die diesjährige Brandenburgische Kernobsternte am 14. September. Selbstpflücker können sich die märkischen Äpfel schon seit einigen Tagen von den Bäumen holen. Mit rund 36 000 Tonnen rechnet der Landesgartenbauverband - zehn Prozent weniger als 2000. Schuld sind auch regionale Witterungsschäden im Frühjahr.Zu wenig nachgepflanzt Aber der Verein für Landschaftspflege Potsdamer Kulturlandschaft sieht eine langfristig noch viel größere Gefahr für die Obstplantagen, die schon seit fast 200 Jahren das Bild der Landschaft links und rechts der Havel prägen. "Wenn jetzt nicht genügend Bäume nachgepflanzt werden, könnte es in zehn Jahren mit dem Obstanbau vorbei sein", sagt Vorsitzender Dieter Dörflinger, Geschäftsführer der Werder Frucht Vermarktungsgesellschaft in Glindow (Potsdam-Mittelmark). Eine Studie des Agrarministeriums warnte bereits 1997 davor."Die Reproduktionsrate ist wesentlich geringer als für den Erhalt der Flächen notwendig ist. " Laut Dörflinger müssten im Jahr acht bis zehn Prozent neue Bäume gesetzt werden. In Brandenburg sind es nur 0,5 Prozent. Die Anbaufläche hat sich seit 1990 von 10 000 auf 3 000 Hektar verringert. Viele LPG rodeten Apfelplantagen wegen der hohen EU-Prämien, um bei ihrer Auflösung den Mitgliedern mehr auszahlen zu können. Viele dieser Flächen dürfen nun noch bis zu zehn Jahre nicht neu bepflanzt werden. Auch ungeklärte Eigentumsverhältnisse schließen eine Nutzung großer Flächen bis heute aus.Um 1 000 Hektar Anbaufläche zu sichern, müssten 100 Hektar Plantagen pro Jahr neu angelegt werden. Sonst drohe dem Havelland ein weiterer drastischer Rückgang im Obstbau, so Dörflinger. Es sind aber nur 20 Hektar. Die Kapitaldecke der in den letzten zehn Jahren entstandenen Kleinbetriebe ist zu gering, um das Problem allein zu lösen. Einen Hektar Obstplantage neu anzulegen kostet 50 000 Mark im Durchschnitt. Äpfel sind teurer als Kirschen.Der Verein, in dem Obstbauern und -vermarkter vertreten sind, erarbeitete deshalb das Projekt "Kulturlandschaft Havelobst", um das "Verschwinden des Obstbaus aus der Region" zu verhindern. "Der Obstbau braucht eine klare Konzeption der Landesregierung", sagt Dörflinger. Zustimmung für ihr Projekt gebe es bis hin zum Ministerpräsidenten. Doch wegen des EU-Reglements seien auch der Regierung die Hände gebunden. Für die Ausdehnung der Obstproduktion gibt es keine Fördermittel.Das Land muss laut Dörflinger aber für Flurbereinigung und Wegebau in diesem Gebiet sorgen sowie nach Möglichkeiten günstiger finanzieller Hilfe suchen. "Das Havelland mit dem Kontinentalklima, den sandigen Böden und großen Wasserflächen ist ideal für den Obstbau. " Aber er ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Region. Im Laufe der Zeit hat sich um den Obstbau eine eigene Tradition entwickelt. "Es wäre doch schade, wenn eines Tages die Früchte nicht mehr für den Werderaner Wein reichen. " So kommen zum Baumblütenfest pro Jahr Hunderttausende Touristen nach Werder.Obstgarten vor Berlins Toren Als Obstgarten vor den Toren Berlins hat das Havelland immer eine große Rolle gespielt. Das weiß auch Manfred Kleinert vom Obstgut Marquardt, das an der B 273 einen Erlebnishof betreibt. "Die Menschen schätzen brandenburgische Früchte", sagt er. Jedes Jahr kommen mehr Städter, um sich ihr Obst in den Plantagen selbst zu pflücken. An manchen Wochenenden sind es bis zu 3 000. Kleinert befürchtet, dass bald das Angebot die Nachfrage nicht mehr abdecken könnte.Havelobst // In fast 200 Jahren entwickelte sich der Obstbau im Havelland zur landschaftsprägenden Kulturform.Ideale Bedingungen: kontinentales Klima, leichte Sandböden und große Wasserflächen.Von 10 000 Hektar, die noch 1990 bepflanzt waren, blieben rund 3 000.100 Hektar müssten jährlich neu bepflanzt werden. Nur 20 Hektar sind es durchschnittlich.Ziel: In Rahmen des Projektes "Kulturlandschaft Havelobst" suchen die Obstbauern mit der Landesregierung nach Möglichkeiten zur Förderung des Obstbaus.

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