HENNIGSDORF. Frauen, sagte Alice Schwarzer einmal, seien nicht die besseren Menschen, sie hatten bis jetzt nur nicht so viele Möglichkeiten, sich die Hände schmutzig zu machen.In Hennigsdorf (Oberhavel) gibt es neun junge Damen, die es mögen, wenn es auch mal dreckig zugeht: Öl nachfüllen, Batterien wechseln, Reifen austauschen. Die Frauen verkaufen und reparieren Autos. Einen Mann im Haus, sagen sie, braucht es dazu nicht. Und trotz der vielen Frauen gehe es fair zu, beteuern sie.Anfang Oktober öffnete Maria Erkner das Autohaus "Seniorita Maria" in Hennigsdorf. Die blonde Frau kann mit ihren 23 Jahren bereits ein BWL-Diplom vorweisen, sie hat sich auf Finanzen spezialisiert. Das kann nur von Vorteil sein in Krisenzeiten wie diesen. Autokonzerne gehen pleite, die Abwrackprämie ist längst ausgelaufen, Händler buhlen um knausriger werdende Kunden."Haben Sie was gegen Frauen?"Geschäftstüchtig läuft Maria Erkner auf hohen Absätzen an glänzenden Seat-Wagen vorbei. Klack, klack, klack. Ein paar aufmunternde Worte für die Mädchen, die bei ihr lernen, kollegiale Anweisungen in der Werkstatt. Ständig klingeln Telefone.Die Idee mit dem Frauen-Autohaus entstand im April mit einem frechen Satz von Nadine Unger. Sie arbeitete für Maria Erkners Vater, absolvierte eine Ausbildung zur Automobilkauffrau. Ihr stieß auf, dass Frauen in der Branche unterrepräsentiert waren und nicht auf Entscheiderposten gehoben wurden. "Haben Sie was gegen Frauen?", fragte sie Autohändler Erkner. Der dachte nach, vor allem dachte er wohl an seine Tochter Maria, die ins Familiengeschäft einsteigen wollte, wie es bei den Erkners seit 90 Jahren Tradition ist. Warum sollte es nicht ein Autohaus geben, dass nur Frauen leiten? Wäre das nicht vielleicht sogar eine Marktlücke?25 000 Euro Startkapital zur Gründung der GmbH und gute Händlerkonditionen übergab Vater Erkner der Tochter. Den Rest sollten die Damen, bitte schön, selbst machen. "Probiert es doch, ob ihr es schafft", sagte er. Die Tochter lud Frauen zum Vorstellungsgespräch, warb die eine oder andere Mitarbeiterin vom Vater ab. "Nicht alle waren von der Idee angetan", sagt Maria Erkner, vielleicht sei es die Angst vor Zickereien gewesen oder dass der Laden nicht läuft.Acht Kolleginnen hat Maria Erkner inzwischen, darunter die kecke Nadine Unger. Auf der rechten Tasche ihrer Jeans prangt ein sinnlicher Mund, alle Verkäuferinnen tragen Kussjeans. Dazu knallrote Kapuzenpullover, die nicht zu übersehen sind. Die Truppe will jung und dynamisch rüberkommen, und auch ein bisschen sexy.In der Werkstatt schrauben die Frauen aber im Blaumann. Janine Schubert tüftelt gerade mit zwei angehende Mechatronikerinnen an einem Gebrauchtwagen. Künftig wollen sie Schnellkurse anbieten. Reifen- und Ölwechsel müsse eigentlich jede Frau beherrschen, finden die Frauen des Autohauses.In den ersten drei Wochen haben die Damen sechs Wagen verkauft, das ist zufriedenstellend für ein kleines Autohaus wie dieses. "Wir belächeln die Kunden nicht, wir lächeln ihnen entgegen", sagt Erkner. So will sie mehr weibliche Kundschaft anlocken. In Hennigsdorf wird mehr über Farbe und Inneneinrichtung des Kleinwagens diskutiert, auch öfter über Sicherheit. Technische Details werden erklärt, auch drei oder viermal, wenn nötig.Tagesmutter denkbarKundschaft sitzt in hellen Ledersesseln zwischen knallroten Wänden, es gibt so viele Blumentöpfe wie Wandspiegel. Die Toilette hält auch Deo und Haarspray bereit. Am Empfangstresen blickt ein dicker Stoff-Elefant zur Eingangstür.Kürzlich spendeten die Kussjeans-Damen 1 000 Euro an eine Einrichtung zur Schwangerschaftsberatung. Vielleicht um das Image abzurunden, aber auch, weil sie wissen, dass Kinder bald dazugehören werden. Die Frauen sind zwischen 19 und 26 Jahre alt, manche Single, manche in festen Händen. "Es kann sein, dass einige gleichzeitig schwanger werden", sagt Erkner. Es wurde bereits diskutiert, ob man in diesem Fall eine Tagesmutter kommen lässt.Inzwischen hat sich das Frauen-Autohaus rumgesprochen. Ein Vater schaut sich neugierig um. Er will einen Termin für die Tochter ausmachen. Neben ihm steht eine ältere Dame, die einen Wagen braucht und von sich selbst sagt, dass sie nach einem Händler sucht, dem sie vertrauen kann. Ihr sei es eigentlich egal, ob Mann oder Frau sie berate. "Das Auto muss nur fahren."------------------------------"Wir belächeln die Kunden nicht, wir lächeln ihnen entgegen." Maria Erkner, GeschäftsführerinFoto: Jung, weiblich, knallrote Pullover: die Autohaus-Chefin Maria Erkner (4. v. l.) und ihre acht Kolleginnen. Mit einem frechen Satz gab Nadine Unger (2. v. l.) den Anstoß für das Frauen-Autohaus.
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