Auf dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok sind nach Angaben der Veranstalter 318 Vereinbarungen mit einem Gesamtvolumen von knapp sieben Billionen Rubel unterzeichnet worden. Das entspricht rund 70 Milliarden Euro.
Vertraulich behandelte Abschlüsse seien darin nicht enthalten, teilte Anton Kobjakow, Berater von Präsident Wladimir Putin und Organisationschef des Forums, am Freitag zum Abschluss der viertägigen Tagung mit. Die Zahlen verbreitete auch der staatsnahe Veranstalter Roskongress über seinen offiziellen Kanal.
78 Länder in Wladiwostok
An dem Forum in der pazifischen Hafenstadt nahmen laut Kobjakow mehr als 9300 Menschen aus 78 Ländern teil, darunter Vertreter aus 18 Staaten, die Moskau offiziell als „unfreundlich“ einstuft. Auf dem Programm standen den Angaben zufolge über 150 Veranstaltungen mit rund 2000 ausstellenden Unternehmen. Im Vorjahr waren 358 Abschlüsse über rund 6,06 Billionen Rubel gemeldet worden.
Kreml räumt Kapitalabflüsse ein
Trotz der hohen Abschlusssumme äußerte sich Kobjakow ungewöhnlich offen zur Lage der russischen Wirtschaft. Er zeigte sich verwundert darüber, dass Kapital aus Russland abfließt, obwohl das Land trotz westlicher Sanktionen Zinsen biete, die oberhalb der Inflationsrate liegen und Anlegern damit reale Gewinne einbringen.
„Es ist unverständlich, warum ein Land, das sich in einem Sanktionskrieg mit dem Westen befindet und dessen Zinsen dennoch über der Inflation liegen, mit Kapitalabflüssen konfrontiert ist“, sagte er laut der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant.
Ruf nach neuem Investitionszyklus
Der größte und geduldigste Investor Russlands sei die eigene Bevölkerung, die aber bislang „kein attraktives Angebot“ erhalten habe, in die heimische Wirtschaft zu investieren. Es brauche einen neuen Investitionszyklus, damit sich die Wirtschaft nicht länger nur auf Staatsausgaben stützen müsse.
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Präsident Putin hatte zuvor erklärt, Russland könne 2027 zu höheren Wachstumsraten zurückkehren, wenn ein solcher Zyklus in Gang komme. Nach Berichten der Zeitung schichteten vermögende Haushalte 2025 verstärkt auf Sparanlagen um, während Unternehmen ihre Investitionen wegen sinkender Gewinne und hoher Finanzierungskosten zurückfuhren.
Großprojekte in Jakutien
Deutliche Effekte meldet die ostsibirische Republik Jakutien. Nach Angaben von Regionalchef Aissen Nikolajew wurden dort 28 Vereinbarungen im Umfang von mehr als 180 Milliarden Rubel unterzeichnet, wie die regionale Nachrichtenagentur Jakutsk-Sacha berichtete.
Schwerpunkte seien Verkehr und Energie, darunter ein internationaler Transportkorridor über Magadan sowie ein Pilotprojekt zur Stromerzeugung aus Kohle in der Arktisregion Ust-Jansk.
Indonesien als Ehrengast
Hauptgast des Forums war der indonesische Präsident Prabowo Subianto. Er warb dafür, den bilateralen Handel im Rahmen des Freihandelsabkommens mit der Eurasischen Wirtschaftsunion zu verdoppeln. Das Abkommen soll Anfang 2027 in Kraft treten und Zölle auf mehr als 90 Prozent der Warenlinien senken oder streichen.
Indonesien biete sich als „natürliches Tor“ für den südostasiatischen Staatenverbund ASEAN mit rund 680 Millionen Verbrauchern an, sagte Prabowo laut der englischsprachigen Zeitung Jakarta Globe. Der Handel beider Länder erreichte demnach 2025 ein Volumen von rund 4,8 Milliarden US-Dollar.
Der indonesische Arbeitgeberverband Apindo warnte allerdings vor politischen Risiken. Verbandschefin Shinta Kamdani sagte dem Jakarta Globe, westliche Sekundärsanktionen erhöhten die Schwierigkeiten für exportierende Unternehmen. Sie forderte von der Regierung in Jakarta „sichere Transaktionskanäle“ und eine Liste politisch wenig riskanter Warengruppen für den Handel mit Russland.
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