KÖLN. Die Ansammlung der besten Hockeyspieler Deutschlands in Köln folgt einer bestechenden Logik. Köln gilt als Hochburg des Netzwerkens, was durch den überregional geläufigen Begriff des kölschen Klüngels belegt ist. Zwar schwingen bei diesem Wortpaar auch Assoziationen wie Korruption oder Vetternwirtschaft mit, in Köln ist der Begriff aber positiv besetzt. Tatsächlich gibt es unverfängliche Beispiele für Klüngelei. Den Hockeyklub Rot-Weiß Köln etwa. Am Wochenende ist der Aufsteiger haushoher Favorit bei der Endrunde um die Deutsche Hallenhockey-Meisterschaft in Duisburg.Möglich ist diese Verwandlung eines gestürzten Traditionsklubs, weil Stefan Seitz, 42, ein Meister des kölschen Klüngels ist. Der Anwalt von Christoph Daum, Reiner Calmund und Jens Nowotny war einst selbst Hockeyspieler beim Klub Rot-Weiß. Dessen Männerteam dümpelte noch vor zwei Jahren in der Unterklassigkeit herum. Bis Seitz mit dem früheren Teamkameraden Tobias Warweg einen kühnen Plan entwarf: Fünf Nationalspieler, von denen vier gerade Weltmeister geworden waren, sollten in die zweite Liga gelockt werden. Ohne Geld, nur mit der Aussicht, in ein gutes Netzwerk eingebunden zu werden."Hockey bietet die idealen Voraussetzungen für so ein Konzept, weil sich im Hockey nicht sehr viel Geld befindet, dafür ranken sich sehr viele gute Kontakte um diesen Sport", sagt Seitz. Mit Warweg hat er sich umgehört. Wer ist bereit, einem Hockeynationalspieler eine berufliche Perspektive zu bieten? "Langfristig steht dahinter, dass man jemanden in einem speziellen beruflichen Umfeld fördert, damit man ihn dann später als Mitarbeiter einstellen kann", sagt Seitz. Es fanden sich genug interessierte Unternehmer. Im Herbst 2006 saßen die Nationalspieler Christopher Zeller, sein Bruder Philipp, Timo und Benjamin Weß sowie Tibor Weißenborn zusammen in der Kanzlei von Seitz, und ließen sich überzeugen. Christopher Zeller war gerade Torschützenkönig der WM geworden und hatte einen lukrativen Vertrag beim HC Bloemendaal in Holland unterschrieben. "Eigentlich hat das überhaupt nicht reingepasst", erinnert er sich. "Aber das Angebot zur beruflichen Ausbildung war derart attraktiv, dass wir uns sehr gefreut haben."Alle haben zugesagt. Mittlerweile sind mit Max Weinhold und Tobias Haucke zwei weitere Nationalspieler hinzugekommen, so dass Kölns Kader sieben Olympiasieger von 2008 umfasst. Und dass, obwohl der Klub in der Halle und auf dem Feld in der zweiten Liga spielte und keinen Cent bezahlt. Geld erhalten die Spieler von den Unternehmen, "bessere Praktikumsgehälter", so Seitz. Dazu Honorare für Teilnahmen an PR-Veranstaltungen und die Sporthilfe.Aushilfe in der KanzleiSeitz hat Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, die das Studium begleiten. Der angehende Jurist Christopher Zeller hilft in Seitz' Kanzlei, Timo Weß hat eine Perspektive bei einer Versicherung, in der Warweg Vertriebsleiter ist, Tibor Weißenborn hospitiert nun in einer PR-Abteilung. Die Arbeitgeber hoffen, versierte Mitarbeiter heranzuziehen. "Die Vergangenheit zeigt, dass Sportler, die neben ihrem Sport noch ein Studium absolvieren, oft sehr, sehr erfolgreich im Beruf werden", sagt Seitz. Sie seien stressresistent, sozial kompetent und erfolgsorientiert.Nun schicken die Kölner sich an, ihren ersten Männertitel seit 20 Jahren zu gewinnen. Und Seitz träumt davon, Europas bestes Vereinsteam in Köln geschaffen zu haben. Nur mit ein bisschen Klüngel.------------------------------Foto: Überzeugt vom Kölner Weg: Nationaltorwart Max Weinhold.
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