Oliver Stone stellte in New York City seinen Film "W" über George W. Bush vor

Der Präsident entwickelt sich nicht

Eva C. Schweitzer
4 Min

Das soll George W. Bush sein? Josh Brolin grinst wie eine junge, dünnere Version von J. R. Ewing, als er sich an Laura heranmacht, die hübsche Bibliothekarin, breiter texanische Akzent, eine Dose Bier in der einen Hand, ein Rippchen in der anderen. Nächste Szene: Bush ist nun Präsident, umgeben von Cheney, Rumsfeld, Wolfowitz, Powell, Tenet, Condoleeza Rice. Es geht um den Irakkrieg. Powell ist nicht überzeugt, da steht Dick Cheney (gespielt von Richard Dreyfuss) auf und deutet auf eine Karte des Mittleren Ostens: Hier, hier und hier seien die Ölreserven der Welt, die gälte es zu kontrollieren, nur so könnten die USA die Weltherrschaft sichern. Bush nickt. "Aber so reden wir nicht zum amerikanischen Volk", sagt er. "Denen sagen wir, es geht um Freiheit."Das Licht geht wieder an, tobender Applaus, und Oliver Stone lächelt freundlich, fast brav, ins Publikum. Der renommierte Filmemacher, berühmt durch "Platoon", "The Doors", "Wall Street" oder auch "Nixon", stellte kürzlich beim Festival der renommierten Zeitschrift New Yorker in New York City seinen Film "W" vor. "W" ist eine biografische Komödie über den noch amtierenden US-Präsidenten. "Ich drehte es als Comedy", sagt Stone, "weil Bush sich als Charakter nicht entwickelt." Am 17. Oktober soll der Film in die US-Kinos kommen. "Ich habe lange nachgedacht, wie es ist, in Bushs Schuhen zu laufen", sagt Stone. Aber so richtig nahe gekommen ist er dem Präsidenten, den er sogar traf, nicht. "Ich weiß immer noch nicht, wer Bush eigentlich ist", bekennt Stone. Er glaubt aber, dass der Präsidentensohn, der in Massachussets geboren wurde und in Yale studierte, sich als Cowboy aus Texas empfindet. Übrigens war auch Stone in Yale, gleicher Jahrgang wie Bush. Begegnet sind sie sich dort nie. "Aber ich kenne den Typ. Die glauben, ihnen stehe alles zu." Was Bush jr. bewege sei, seinem Vater zu beweisen, dass er würdig sei. Was er anrichte in irakischen Leben, amerikanischen Leben, interessiere ihn nicht. Eigentlich sei er eine Art Ödipus.Warum hat Stone den Film nicht eher gemacht? "Es gab ja erst 2004 die ersten Bush-kritischen Bücher, auf die ich mich stütze, von Bob Woodward, David Corn oder Ron Susskind." Denn er nutze zwar die Methoden des investigativen Journalismus, sagt Stone, er sei aber eher Dokumentarist. Allerdings spreche er auch selbst mit Zeitzeugen und werte Archive aus. So habe er bei Dreharbeiten für den Film "JFK" von der "Operation Northwood" erfahren, als die CIA plante, ein Passagierflugzeug abzuschießen, um das Fidel Castro in die Schuhe zu schieben. "Und "W" hat ähnlich provokative Szenen."Wohl deshalb war es selbst gegenwärtig, wo Bush nur noch eine Zustimmungsrate von 22 Prozent hat, schwer, einen Verleih für den Film zu finden. "Die 20th Century Fox gehört Murdoch, Paramount gehört Sumner Redstone" - ein Republikaner - , "und Warner Bros. müssen Rücksicht auf ihre Aktionäre nehmen." Nun vertreibt Lionsgate den Film, der einzige unabhängige Verleih in Amerika.Ebenso schwer war es, Finanziers für "W" zu gewinnen. "Am Ende habe ich das Geld aus dem Ausland bekommen, davon 55 Prozent aus China", sagt Oliver Stone. David Denby, der Filmkritiker des New Yorker, schüttelt den Kopf. "Dafür kriegst du garantiert Ärger", sagt er. Aber das ist Stone gewohnt. Sein nächster Film, "Pinkville" - in ihm geht es um das Massaker von My Lay in Vietnam - werde rundum blockiert, von Hollywood wie vom Militär. Dann gibt er dem Publikum noch einen Rat mit. "Wir müssen uns die Gier nach Öl und nach Gewalt abgewöhnen." Umgeben von Applaus geht Oliver Stone.------------------------------Foto: Wie viel musste man ihm wohl bieten, damit er diese Rolle annimmt: Josh Brolin als US-Präsident George W. Bush.

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