Goldmedaillen

Olympia-Bilanz: So stark war das Erzgebirge

Die Athleten aus dem Erzgebirge bewiesen mit ihren Leistungen bei den Winterspielen, dass die Region zu den Wintersport-Hochburgen Deutschlands zählt.

5 Min
Olympiasiegerin Julia Taubitz: Die aus Annaberg-Buchholz stammende Rennrodlerin errang zweimal Gold.

Olympiasiegerin Julia Taubitz: Die aus Annaberg-Buchholz stammende Rennrodlerin errang zweimal Gold.

© Robert Michael/dpa

Während nach den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo vielerorts über das recht bescheidene Abschneiden der deutschen Olympia-Mannschaft diskutiert wird (Gesamtplatz 5), sieht man das im Erzgebirge ganz anders.

Die Athletinnen und Athleten aus der sächsischen Mittelgebirgsregion haben nämlich wie bei vergangenen Winterspielen auf der größten Bühne des Wintersports mit Olympiasiegen, Medaillen, Finalteilnahmen und beeindruckenden Leistungen geliefert.

Von insgesamt 26 Medaillen für Deutschland hat ein Drittel ihren Ursprung im Erzgebirge. „Wäre das Erzgebirge allein angetreten, hätte unsere Region in der Nationenwertung von den 30 angetretenen Ländern Platz 13 belegt“, sagte PR-Managerin Sabine Schulze-Schwarz vom Regionalmanagement Erzgebirge und fügte hinzu: „Was in den vergangenen Wochen zu sehen war, ist kein Zufall. Es ist das Resultat jahrelanger Arbeit und Ausdruck einer Region, in der Wintersport mehr ist als ein Hobby.“

Neunmal Edelmetall für das Erzgebirge

Als Erstes hervorzuheben ist Rennrodlerin Julia Taubitz. Die gebürtige Annaberg-Buchholzerin schrieb im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo ein Stück olympische Geschichte. Mit Goldfahrten im Einsitzer sowie in der Mixed-Team-Staffel erzielte die 29-Jährige für das Erzgebirge große Erfolge. „In beiden Wettbewerben unterstrich die offizielle Botschafterin des Erzgebirges eindrucksvoll ihre Rolle als feste Größe im internationalen Rennrodelzirkus“, sagte Schulze-Schwarz.

Im Skeleton zeigten die Bärensteinerin Susanne Kreher und der Zschopauer Axel Jungk ihre ganze Klasse. Beide krönten ihre Leistungen im Einzel jeweils mit einer Silbermedaille. Zusätzlich überzeugten sie bei der Olympia-Premiere des Mixed-Team-Events mit einer weiteren starken Vorstellung im Eiskanal, die mit Silber belohnt wurde.

Im Bob feierte das Team um den für den BSC Sachsen Oberbärenburg startenden Piloten Francesco Friedrich sowohl im Zweier- als auch im Viererbob eine Silbermedaille. Gold im Viererbob ging zudem an den Bob-Anschieber Jörn Wenzel, ebenfalls vom BSC Sachsen Oberbärenburg. Er saß zusammen mit Georg Fleischhauer und Thorsten Margis im Goldbob des bayerischen Piloten Johannes Lochner. Das Quartett durfte damit am Abschlusstag der Spiele die achte Goldmedaille für Deutschland bejubeln. Beide Bobfahrer aus Sachsen konnten damit dem Erzgebirge zwei weitere Medaillen beisteuern.

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Justus Strelow aus Dippoldiswalde: Der Biathlet holte mit dem deutschen Mixed-Team Olympia-Bronze.

Justus Strelow aus Dippoldiswalde: Der Biathlet holte mit dem deutschen Mixed-Team Olympia-Bronze.

© Hendrik Schmidt/dpa

Im Biathlon war es Justus Strelow aus Dippoldiswalde, der in der Mixed-Team-Staffel zu Beginn der Spiele das gesamte Erzgebirge jubeln ließ. Mit großer Nervenstärke am Schießstand errang er Bronze gemeinsam mit Vanessa Voigt aus Thüringen sowie Franziska Preuss und Philipp Nawrath aus Bayern. Es sollte die einzige Medaille für das deutsche Biathlon-Team bleiben.

Zweimal am Podest vorbeigeschrammt

Im Skilanglauf zeigte Katharina Hennig-Dotzler aus Königswalde erneut ihre internationale Klasse: Am letzten Wettkampftag der Spiele trat sie bei einer Olympia-Neuheit für Frauen an, die anspruchsvollen 50 Kilometer in der Klassik-Disziplin. Dort bewies sie mit dem achtbaren neunten Platz als beste Deutsche ihre große Ausdauer und mentale Stärke.

Knapp am Podium vorbeigeschrammt, aber nicht weniger beeindruckend, präsentierten sich Florian Müller (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal) im Rennrodeln sowie Selina Freitag (SG Nickelhütte Aue) im Skispringen mit starken vierten Plätzen. Ein achtbares Ergebnis erzielte auch der am Olympiastützpunkt Oberwiesenthal trainierende Rennrodler Timon Grancagnolo aus Chemnitz, der bei seinem Olympia-Debüt im Einsitzer mit Platz neun in den Top Ten landete.

Dazu sagte Schulze-Schwarz: „Das sind Resultate, die die enorme Leistungsdichte auf olympischem Niveau unterstreichen und das insgesamt herausragende Abschneiden der Erzgebirgs-Athletinnen und -Athleten abrunden.“

Wintersport als Teil der Identität

Dass ausgerechnet das Erzgebirge immer wieder erfolgreiche Wintersportlerinnen und Wintersportler hervorbringt, ist kein Zufall. Die Region gilt seit vielen Jahrzehnten als Talentschmiede für die Medaillengewinner von morgen. „Sowohl in Oberwiesenthal als auch Altenberg finden Nachwuchsathleten professionelle Trainingsbedingungen vor – kurze Wege zwischen Schule, Sport, Olympiastützpunkt und Wettkampf inklusive“, sagte die PR-Managerin.

Doch Infrastruktur allein erklärt den Erfolg laut Schulze-Schwarz nicht. „Wintersport gehört hier zur kulturellen DNA. Zahlreiche Vereine leisten kontinuierliche Nachwuchsarbeit, Trainer investieren viel Zeit und ihr ganzes Know-how, Familien tragen die oft jahrelange Entwicklung mit“, sagte sie.

Für das Erzgebirge bedeuten solche Erfolge mehr als nur Medaillen im Medaillenspiegel. „Diese Erfolge sind ein Schaufenster. Wenn Athletinnen und Athleten mit erzgebirgischem Hintergrund auf dem Podest stehen oder um Hundertstel kämpfen, rückt automatisch auch ihre sportliche Heimat in den Fokus“, fügte Schulze-Schwarz hinzu und erinnerte dabei an große Sieger und Medaillengewinner vergangener Winterspiele.

Viele große Namen stammen aus dem Erzgebirge

Dazu zählen zum Beispiel Katarina Witt, Jens Weißflog, Sven Hannawald, Denise Herrmann-Wick oder René Sommerfeldt, Claudia Nystad, Viola Bauer oder Barbara Petzold, die das Erzgebirge bei großen, internationalen Wettkämpfen repräsentierten und ihre Heimat jedes Mal jubeln ließen.

Sven Hannawald, einer der vielen Olympiasieger aus dem Erzgebirge: Er kommentierte bei den Olympischen Spielen für die ARD das Skispringen.

Sven Hannawald, einer der vielen Olympiasieger aus dem Erzgebirge: Er kommentierte bei den Olympischen Spielen für die ARD das Skispringen.

© Sven Simon/Imago

Diese Leistungen stärken nicht nur das sportliche Selbstverständnis im Erzgebirge, sondern auch das Image der Region. „Wintersport wird sichtbar: gelebte Tradition und Zukunftsperspektive zugleich“, sagte Schulze-Schwarz.

Für das Erzgebirge bleibt die Erkenntnis: Die Region ist und bleibt ein verlässlicher Bestandteil des deutschen Wintersports. Die jüngsten Spiele in Norditalien haben dies mit den neun olympischen Medaillen eindrucksvoll bewiesen.

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