Extremkurs

500 Krokodile im Olympia-Fluss – hier sollen Ruderer um Gold kämpfen

Im Fitzroy River in Australien leben rund 500 Krokodile. Trotzdem ist der Fluss nun als Olympia-Strecke bestätigt – und Experten sorgen sich vor allem um ganz andere Gefahren.

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Ein Krokodil im Fitzroy River bei Rockhampton.

Ein Krokodil im Fitzroy River bei Rockhampton.

© Jam Press/imago

Bei Olympia 2032 sollen die besten Ruderer der Welt auf einem Fluss um Gold kämpfen, in und an dem rund 500 Krokodile leben. Der Fitzroy River im australischen Rockhampton ist nun offiziell als Austragungsort für Rudern, Para-Rudern, Kanurennsport und Para-Kanu bestätigt worden.

World Rowing und Paddle Worldwide haben die Strecke nach einer technischen Prüfung gebilligt. Nach Angaben der Regierung des Bundesstaats Queensland kam die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der Kurs sichere, faire und vergleichbare Bedingungen für die Wettkämpfe bieten könne.

Die Entscheidung beendet einen monatelangen Streit allerdings nicht. Australische Olympiasieger und erfahrene Trainer zweifeln weiterhin daran, dass der Fitzroy River wirklich für Wettkämpfe auf höchstem Niveau geeignet ist.

Rund 500 Krokodile leben am Fitzroy River

Für internationale Schlagzeilen sorgt zunächst die Tierwelt. Nach Angaben der BBC und Reuters leben rund 500 Salzwasserkrokodile im Fitzroy River.

Dass Krokodile dort vorkommen, steht außer Frage. Rockhampton liegt am südlichen Rand des natürlichen Verbreitungsgebietes der Salzwasserkrokodile in Queensland. Die Regionalverwaltung bezeichnet die Gegend ausdrücklich als bekannten Krokodil-Lebensraum.

Montage aus olympischen Ruderern, dem Fitzroy River und einem Krokodil-Warnschild. Auf dem Fluss sollen 2032 die olympischen Ruderwettbewerbe stattfinden.

Montage aus olympischen Ruderern, dem Fitzroy River und einem Krokodil-Warnschild. Auf dem Fluss sollen 2032 die olympischen Ruderwettbewerbe stattfinden.

© IMAGO/JOANNA KORDINA

Die geplante Olympia-Strecke liegt oberhalb des Fitzroy-Stauwehrs. Dieses trennt den Gezeitenbereich flussabwärts vom Süßwasser oberhalb des Wehrs. Salzwasserkrokodile können jedoch auch im Süßwasser leben.

Die Behörden bestätigten 2023 nach mehreren Untersuchungen eine Reihe von Krokodilen oberhalb des Stauwehrs. Damals wurde etwa zehn Kilometer oberhalb ein rund vier Meter langes Tier entdeckt und zur Entfernung eingefangen. Die meisten bei den Kontrollen gesichteten Tiere waren kleiner als zwei Meter.

Für diesen intensiv genutzten Flussabschnitt gilt ein besonderes Management: Große Krokodile und Tiere, die gefährliches Verhalten zeigen, würden gezielt entfernt. Die Behörden betonen zugleich, dass kein natürliches Gewässer in Krokodilgebieten als garantiert krokodilfrei gelten kann.

Ausgerechnet die Krokodile wurden nicht geprüft

Kurios ist dabei: Die rund 500 Krokodile waren nicht Gegenstand der technischen Untersuchung, wie die BBC berichtet.

Geprüft wurden stattdessen unter anderem der Flussgrund, Strömungen, Wasserstände, Wind, Wellen, Wetterbedingungen und Hochwasserrisiken. Dazu fanden Messungen auf dem Wasser und Modellierungen verschiedener Szenarien statt. Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass auf dem Fitzroy River während der Spiele faire Wettkampfbedingungen hergestellt werden können.

World-Rowing-Präsident Jean-Christophe Rolland erklärte nach der Prüfung, die Analyse habe gezeigt, dass der Fitzroy River die Anforderungen für faire olympische und paralympische Ruderwettbewerbe erfüllen könne.

Ganz neu ist der Wassersport dort nicht. Der Fitzroy River wird bereits für lokale Regatten, Schulmeisterschaften und Trainingslager nationaler Mannschaften genutzt. Ein australisches nationales Ruderchampionat fand dort nach Angaben von World Rowing bislang allerdings nicht statt.

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Blick auf den Fitzroy River bei Rockhampton. Auf diesem Fluss sollen bei Olympia 2032 die Ruder- und Kanuwettbewerbe stattfinden.

Blick auf den Fitzroy River bei Rockhampton. Auf diesem Fluss sollen bei Olympia 2032 die Ruder- und Kanuwettbewerbe stattfinden.

© Jam Press/imago

Olympiasieger warnt vor Strömung und Hochwasser

Ausgerechnet die Krokodile sind für einige erfahrene Ruderer nicht das größte Problem.

Der dreimalige australische Olympiasieger Drew Ginn verweist laut Reuters auf die geringe Wassertiefe, mögliche Strömungsunterschiede zwischen den Bahnen und das Hochwasserrisiko. Bei einer olympischen Entscheidung, bei der Sekundenbruchteile zählen, könnten unterschiedliche Wasserbedingungen einzelne Boote benachteiligen, argumentiert er.

Auch der frühere WM-Medaillengewinner und Rudertrainer Andrew Butler kritisiert den Standort. Ohne erhebliche Investitionen drohe die Veranstaltung seiner Ansicht nach eher den Charakter einer regionalen Regatta mit Olympiasportlern zu bekommen. Rockhampton liegt rund 600 Kilometer nördlich von Brisbane.

Ginn fordert zudem, die vollständige technische Untersuchung öffentlich zugänglich zu machen. Reuters weist darauf hin, dass World Rowing die Ergebnisse bislang nicht selbst veröffentlicht hat. Rowing Australia erklärte, weder der nationale Verband noch Rowing Queensland seien an der Auswahl des Standortes beteiligt gewesen.

Hochwasser des Fitzroy River überflutet im Januar 2026 Straßen und Zufahrten in Rockhampton.

Hochwasser des Fitzroy River überflutet im Januar 2026 Straßen und Zufahrten in Rockhampton.

© Sylvia Lyber/imago

Olympia-Organisatoren halten an Rockhampton fest

Die Regierung von Queensland hält dagegen unbeirrt an der Strecke fest. Das Stauwehr sei sogar ein Vorteil, weil es den geplanten Kurs vom Gezeitenbereich flussabwärts abtrenne. Dadurch entstehe ein eigener, kontrollierbarer Wettkampfbereich.

Nach der Zustimmung der internationalen Verbände beginnt nun die detaillierte Planung und der Ausbau der Anlage. Eine Verlegung an einen anderen Standort ist nach Angaben der Organisatoren derzeit nicht vorgesehen.

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