BONN/LOS ANGELES, 2. April. 22 000 ehemalige polnische Häftlinge von NS-Konzentrationslagern und Gefängnissen haben die Bundesrepublik auf insgesamt zwei Milliarden Mark Schadensersatz verklagt. Der niedersächsische Rechtsanwalt Dieter Wissgott reichte die Klagen am Donnerstag beim Landgericht Bonn ein. Die ehemaligen Häftlinge, die alle noch leben, fordern von der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des NS-Staates Entschädigung wegen Freiheitsentzug und körperlicher Mißhandlung während der NS-Zeit. Die Justiz müsse mit der Auseinandersetzung um die Entschädigung von NS-Opfern "etwas nachholen, was der Gesetzgeber unterlassen" habe, sagte Wissgott. Sollten die Richter der Klage stattgeben, könne jeder der Kläger mit durchschnittlich 100 000 Mark rechnen.Da das deutsche Zivilstrafrecht, anders als in den USA, keine Sammelklagen zuläßt, reichte der Anwalt 22 000 Einzelklagen ein. Um der Justiz, so Wissgott, "nicht Berge von Akten" vorlegen zu müssen, wurden die Klagen mit einem Aktenzeichen versehen. Mit einer Gerichtsentscheidung sei bis Anfang 1999 zu rechnen, sagte der Anwalt.Der Vorsitzende des Verbandes der Kläger, Stefan Zdzislaw Koslowski, sagte, die ehemaligen Häftlinge forderten "würdige Entschädigungen" für damals erlittene "illegale Verhaftungen ohne Gerichtsentscheid, körperliche Mißhandlungen und Zwangsarbeit". Der Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, schloß sich indes persönlich einer Klage gegen fünf deutsche und zwei US-Unternehmen an, um Entschädigungszahlungen für Opfer der NS-Zeit zu erreichen. Wie Gray mitteilte, klagte er zusammen mit dem Simon-Wiesenthal-Zentrum von Los Angeles und NS-Opfern gegen die Unterneh-men Lufthansa, Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank sowie Viag, General Motors und Ford. Die Unternehmen waren in der NS-Zeit auch in Kalifornien aktiv und zogen Davis zufolge "unzulässigen Profit aus der Zwangsarbeit". (AFP)
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