Brechtken erklärt in der FAZ den Osten. Die Welt zieht daraus die maximal konfliktträchtigen Aussagen. Der Spiegel stellt zuvor den „zahlenden Westen“ gegen den die AfD wählenden Osten. Kowalczuk prognostiziert nun Zustimmung aus West/Nord/Süd und „Hass“ aus dem Osten.
Langsam sollten wir aufpassen, dass aus einer politischen Auseinandersetzung nicht tatsächlich jener Ost-West-Konflikt wird, den alle Beteiligten angeblich nur beschreiben. Der Fehler ist die Kollektivierung: Aus Kritik an der AfD wird Verurteilung der AfD-Wähler und daraus ein Vorurteil gegenüber den Ostdeutschen – „der Osten“.
Brechtkens Argumentation ist dafür ein gutes Beispiel: Andere Wahlergebnisse werden nicht primär als politische Entscheidung behandelt, sondern als Ausdruck ostdeutscher Sozialisation, Autoritätsorientierung, Identität und mangelnder rationaler Selbstanalyse.
Der Spiegel macht daraus zusätzlich eine materielle Front: zahlender Westen gegen politisch abweichenden Osten. Kowalczuk macht daraus nun wiederum eine emotionale Landkarte: vernünftige Zustimmung dort, Hass hier. Das ist eine gefährliche Eskalationsspirale.
Machtstrukturen
Wider die Ost-West-Tümelei: Wer den Osten erklärt, sollte über Macht statt Herkunft sprechen
Wir müssen einen Begriff präzisieren. Denn gerade zeigt sich, wohin unpräzise Kollektivierungen in der Ost-West-Debatte führen.
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Die neuen Trennlinien verlaufen heute weniger geografisch als in politischen und medialen Deutungen.
© Jürgen Ritter/Imago
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