Dort, wo die Bundesstraße 111 die Insel Usedom durchschneidet, weicht die Idylle aus Schilf und Küstenwald derzeit einer massiven Baustelle. Hier, an der Lebensader der Insel, entsteht ein Bauwerk, das für die einen ein ökologisches Muss und für viele Einheimische ein Denkmal der Unvernunft ist: ein Ottertunnel für stolze 4,5 Millionen Euro.
Das Projekt ist eine gesetzlich vorgeschriebene Kompensationsmaßnahme für den Bau der neuen Wolgaster Brücke. Das Problem dabei ist für viele das Timing: Während die Brücke voraussichtlich erst im Jahr 2029 oder 2030 fertiggestellt wird, wird die Untertunnelung bereits jetzt unter vollem Einsatz vorangetrieben.
Krister Hennige, Bauingenieur und Vertreter der IHK, sieht darin einen „Goldstandard“ der deutschen Planung, der an der Realität vorbeigeht. Der Tunnel soll Fischottern eine sichere Querung ermöglichen, da in den letzten Jahren schätzungsweise 13 Tiere auf der Insel im Verkehr umkamen. Hennige hinterfragt jedoch die Verhältnismäßigkeit: „Was machen wir eigentlich, wenn der Otter den Tunnel nicht mag? Dann ist er umsonst gebaut worden.“
Baustelle
Frust auf Usedom: Millionen für den Fischotter, Schlaglöcher für die Menschen
Der Fischotter gehört zu den bedrohten Tierarten auf der Insel. Doch rechtfertigt das ein 4,5 Millionen Euro teures Projekt?
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Otter oder Straße?
© Fotoillustration: Ostdeutsche Allgemeine. Fotos: Imago
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