Ozonschicht

Ozonloch so klein wie selten – warum Europas UV-Strahlung trotzdem steigt

Das FCKW-Verbot zeigt offenbar Wirkung, doch Entwarnung wäre verfrüht. Ausgerechnet aus Europa kommen Daten, die zunächst nicht zur guten Nachricht passen.

4 Min
Eine Frau kühlt sich an einer Sprühnebelanlage in Krakau ab. In Teilen Europas ist die UV-Strahlung seit Mitte der 1990er Jahre deutlich gestiegen.

Eine Frau kühlt sich an einer Sprühnebelanlage in Krakau ab. In Teilen Europas ist die UV-Strahlung seit Mitte der 1990er Jahre deutlich gestiegen.

© Jakub Porzycki/imago

Das Ozonloch über der Antarktis war 2025 so schwach ausgeprägt wie seit Beginn der schweren Ozonverluste Anfang der 1990er Jahre nur selten. Nach dem neuen Ozon- und UV-Bulletin der Weltwetterorganisation war es je nach Messgröße das viert- bis fünftschwächste seit 1992.

Damit blieb das Ozonloch das zweite Jahr in Folge sowohl in seiner Ausdehnung als auch in seiner Stärke deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2010. Die Weltwetterorganisation (WMO) wertet dies als weiteres Zeichen für die langfristige Erholung der Ozonschicht – warnt jedoch vor voreiligen Schlussfolgerungen aus einzelnen Jahren.

Am 29. September 2025 erreichte das sogenannte Ozonmassendefizit seinen Höchstwert von 36,7 Millionen Tonnen. Das waren mehr als 25 Prozent weniger als der langjährige Vergleichswert von 50,1 Millionen Tonnen. Nach Daten des europäischen Atmosphärendienstes Copernicus wuchs die Fläche des Ozonlochs zeitweise auf rund 21 Millionen Quadratkilometer. Im besonders ausgeprägten Jahr 2023 waren es noch etwa 26 Millionen Quadratkilometer.

Wetter beeinflusst die Größe des Ozonlochs

„Das ist eine Erfolgsgeschichte des Umweltschutzes“, erklärte WMO-Chefin Celeste Saulo anlässlich des Welt-Ozon-Tages am 16. September. Seit dem Jahr 2000 erhole sich die Ozonschicht; innerhalb der kommenden Jahrzehnte könne sie sich vollständig regenerieren.

Allerdings verläuft diese Entwicklung nicht geradlinig. Die Größe des Ozonlochs hängt jedes Jahr auch von den Temperaturen und Luftströmungen in der Stratosphäre ab. Ein besonders stabiler und kalter Polarwirbel begünstigt den Ozonabbau, während andere Wetterlagen ihn begrenzen können. Ein vergleichsweise kleines Ozonloch in einem einzelnen Jahr ist deshalb noch kein Beweis für eine beschleunigte Heilung.

Als entscheidenden Grund für den langfristig positiven Trend nennt die WMO das Montrealer Protokoll von 1987. Durch das internationale Abkommen wurden mehr als 99 Prozent der Produktion und Verwendung kontrollierter ozonschädigender Stoffe schrittweise beendet. Dazu gehören Fluorchlorkohlenwasserstoffe und Halone, die früher unter anderem in Kühlanlagen, Schaumstoffen und Feuerlöschmitteln eingesetzt wurden.

Bleibt es bei den derzeitigen Regelungen, könnte die Ozonschicht außerhalb der Polarregionen ungefähr bis 2040 wieder das Niveau von 1980 erreichen. Für die Arktis wird dies um 2045 erwartet, für die Antarktis wegen der dort besonders starken Belastung erst ungefähr 2066.

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Wolken schwächen einen Teil der UV-Strahlung ab. Weniger Bewölkung und längere Sonnenscheindauer gelten laut WMO als Hauptgründe für den Anstieg in Teilen Europas.

Wolken schwächen einen Teil der UV-Strahlung ab. Weniger Bewölkung und längere Sonnenscheindauer gelten laut WMO als Hauptgründe für den Anstieg in Teilen Europas.

© Michael Bihlmayer/imago

Kein Ozonloch über Europa

Auch über der Nordhalbkugel deutet der langfristige Trend nach Angaben der WMO auf eine Erholung hin. Im Jahr 2025 lagen die Ozonwerte über Grönland, Europa sowie Teilen Zentral- und Ostasiens zeitweise dennoch unter dem Durchschnitt. Ursache waren vor allem besondere meteorologische Bedingungen.

Dabei handelte es sich nicht um ein mit der Antarktis vergleichbares Ozonloch, sondern um eine vorübergehende Ausdünnung. Die WMO sieht darin keinen Widerspruch zur langfristigen Erholung der Ozonschicht.

Über der Antarktis entsteht das Ozonloch jedes Jahr im dortigen Frühling. Chemische Reaktionen an besonders kalten Wolken in der Stratosphäre setzen Chlor und Brom frei, die Ozonmoleküle zerstören. Das „Loch“ ist somit kein vollständig ozonfreier Bereich, sondern eine Region mit außergewöhnlich niedrigen Ozonwerten.

UV-Strahlung in Teilen Europas nimmt zu

Trotz der Erholung der Ozonschicht hat die am Boden gemessene UV-Strahlung an einigen Orten Europas seit Mitte der 1990er Jahre um bis zu 20 Prozent zugenommen. Dafür ist laut WMO vor allem eine veränderte Bewölkung verantwortlich: Weniger Wolken und eine längere Sonnenscheindauer lassen mehr ultraviolette Strahlung die Erdoberfläche erreichen.

Die Entwicklung bedeutet daher nicht, dass das FCKW-Verbot seine Wirkung verfehlt. Sie zeigt vielmehr, dass die UV-Belastung neben der Ozonschicht auch von Wolken, Luftverschmutzung, Höhenlage und Sonnenstand abhängt.

Starke UV-Strahlung erhöht unter anderem das Risiko für Hautkrebs und Augenschäden. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deshalb, den UV-Index zu beachten, die intensive Mittagssonne zu meiden und Haut sowie Augen durch Kleidung, Sonnencreme und Sonnenbrille zu schützen.

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