MARBELLA. Vor einigen Tagen stieg in Pal Dardais Garten im beschaulichen Seeburg ein spannendes Fußballspiel. Herthas Mittelfeldakteur kickte im Schnee mit seinen beiden Söhnen gegen den Nachbarn und dessen Kinder. Der 29-Jährige, gestählt in 185 Bundesligaspielen, gewann mit seinem Miniteam - die Nachbarn dürfen demnächst den Rasen mähen.Derzeit bereitet sich der 42-malige ungarische Nationalspieler im Trainingslager auf die Rückrunde der Bundesliga vor. Seit dem 1. Januar 1997 spielt Dardai für Hertha. Nur sein bester Freund im Team, Torhüter Christian Fiedler, mit dem er sich auch in Marbella ein Zimmer mit Meerblick teilt, steht länger in Diensten der Berliner. Doch seine Erfahrung und sein sprichwörtlicher Kampfgeist bringen Dardai keinen Bonus bei Trainer Falko Götz ein. Man könnte auch sagen, der freundliche Ungar hatte zuletzt mehr Einsatzzeiten bei den Spielen im heimischen Garten als bei Hertha. Nur neunmal durfte er in der Hinrunde auflaufen - der Trainer zog ihm zumeist den Kroaten Niko Kovac vor.Dardais Pech besteht darin, dass im System des Trainers Götz nur ein Platz auf der wichtigen Position des Abräumers vor der eigenen Abwehr enthalten ist. Zwar betont der Coach immer wieder, Dardai und Kovac befänden sich auf Augenhöhe - spielen tut zumeist der Kroate. Natürlich ist der Ungar unzufrieden mit dieser Situation. Die Verbannung aus der Stammelf hat er jedoch klaglos hingenommen, er will sich im Training mit doppeltem Einsatz anbieten.Auch Dardai ist nicht verborgen geblieben, dass die derzeitige Hertha-Mannschaft zuletzt häufig nicht als kompakte Einheit auftrat. Er gehörte zuvor erfolgreicheren Berliner Mannschaften an, spielte auch auf der großen Bühne Champions League. Er könnte Vergleiche ziehen, aber darauf will er sich nicht einlassen. Vielleicht, weil die gegenwärtige Mannschaft nicht so gut wegkäme gegen beispielsweise ein Team, in dem neben ihm noch Michael Preetz, Eyjölfur Sverrisson und Kjetil Rekdal standen. "Der Fußball lebt nicht von der Vergangenheit", sagt Dardai, "nur das nächste Spiel ist wichtig und der Wille zum Erfolg."Er glaubt, die Atmosphäre in der Mannschaftskabine sage viel über das Klima aus. "Wir haben in der Kabine durchaus eine gute Stimmung, aber es ist uns oft nicht gelungen, diese mit hinaus auf den Rasen zu nehmen und umzusetzen." Was Manager Dieter Hoeneß als Scheinharmonie beklagt hat, umschreibt Pal Dardai so: "Wir sind schon eine intakte Gruppe, aber im Fußball muss man auch mal Schwein sein und aus sich und dem Mitspieler mehr herauskitzeln." Sein früherer Mitspieler René Tretschok sei so ein Typ gewesen. "Der hat mich im Training oft richtig heftig attackiert. Das tat weh. Später hat er mir erklärt, dass er damit die Qualität des Trainings heben wollte. Wir sind noch heute gute Freunde." Bei der Ursachenforschung nach dem verschwundenen Teamgeist, der in den Tagen von Marbella unbedingt zurückgeholt werden soll, tut sich auch Dardai schwer. "Vor zwei Jahren, als wir fast abgestiegen wären, ist das Team unglaublich zusammengerückt. Ein Jahr später haben wir nur knapp die Champions League verpasst. Wahrscheinlich ist zu viel Zufriedenheit eingetreten."Taten für den TeamgeistDen Vorwurf der Cliquenbildung mag Dardai nicht gelten lassen. Auch keine Kluft zwischen jungen und älteren Spielern, wie sie manch Beobachter zu sehen glaubt. "Beim Fußball kann es nur ein Ziel für alle geben: 90 Minuten kämpfen, rennen und gewinnen. Das Private sollte man dabei völlig ausschalten." Dardai hat ein Beispiel parat: "Die beiden brasilianischen Stürmer Romario und Bebeto waren nicht die besten Freunde. Sie sind trotzdem zusammen Weltmeister geworden." Das schwer greifbare Thema Teamgeist hänge vom Erfolg oder Misserfolg einer Mannschaft ab, sagt Pal Dardai. "Künstlich kann man keinen Teamgeist erzeugen. Jeder Spieler muss etwas dafür tun."In der Hinrunde der Bundesliga, die Hertha BSC auf Platz fünf abschloss, seien zu viele Unkonzentriertheiten passiert. Noch in der Vorsaison konnten die Berliner stolz sein auf die beste Defensive der Liga. Auch Dardai als so genannter Staubsauger vor der Abwehr besaß daran seinen Anteil. "Diesmal haben wir viel zu viele Gegentore nach Standardsituationen kassiert", beklagt Dardai. "Standards entscheiden oft Spiele, sogar eine Europa- oder Weltmeisterschaft." Vielleicht, so glaubt er, fehle seinem Klub Hertha BSC der ganz große Erfolg; ein Titel oder ein wichtiger Pokaltriumph. "Dann wäre das Klima auf lange Sicht wieder bestens." Dardai, dessen Vertrag bis 2007 läuft, will seinen Teil dazu beitragen. Doch dazu bedarf es häufigerer Einsätze. Die Spiele im heimischen Garten sollen nur Beiwerk bleiben.------------------------------Hausaufgabe fertig: Am Freitag erklärten Kapitän Arne Friedrich und Niko Kovac, dass alle Hertha-Spieler der umstrittenen Aufforderung von Manager Hoeneß nachgekommen seien, sich schriftlich mit der Situation des Vereins und ihrer Berufsauffassung auseinander zu setzen. Es gebe keine Dissonanzen zwischen Team und Manager.------------------------------"Wir haben in der Kabine durchaus eine gute Stimmung. Aber es gelingt uns oft nicht, diese mit hinauszunehmen."Pal Dardai------------------------------Foto : "Ab und zu mal Schwein sein": Pal Dardai, Abräumer bei Hertha BSC.
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