Herr Colligan, der Taschencomputerbauer Palm wirkt derzeit wie Großbritannien kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: Statt dem Feind die Stirn zu bieten, betreibt Palm Appeasement-Politik gegenüber Microsoft. Was versprechen Sie sich davon, ausgerechnet Windows-Software auf Ihren Kombi-Geräten aus Handy und Taschencomputer - den Smartphones - einzusetzen?Ed Colligan: (lacht) Ich kann Ihnen versichern: Das hat nichts mit Appeasement-Politik zu tun.Sondern?Zwei Dinge können wir gemeinsam mit Microsoft besser erreichen als gegen Microsoft. Erstens: Viele Unternehmen nutzen intern nur Microsoft-Programme. Und sie wollen auch ihre Außendienst-Mitarbeiter nur mit Smartphones ausrüsten, die eben mit Windows-Software laufen. Zweitens kommen die Netze der meisten Mobilfunkanbieter zwar mit mehreren Geräte-Betriebssystemen klar. Aber eben nicht mit allen.Das heißt, Netzbetreiber wie T-Mobile verkaufen ungern Palm-Geräte mit Palm-Software?In den USA unterstützen viele Netzbetreiber Palm-Software, weil wir dort mit unseren Treo-Smartphones schon lange erfolgreich sind. In Europa nimmt diese Position eher Nokia mit seiner Symbian-Software ein. Beiderseits des Atlantiks ist aber Microsoft vertreten. Dank Windows können wir Treo-Geräte jetzt überall verkaufen.Dennoch ist Ihr Schwenk zu Windows ein Triumph für Microsoft. Was hat Ihnen Bill Gates bezahlt dafür?Nichts.Kaum zu glauben.Wir haben natürlich hart über Lizenzzahlungen für die Windows-Nutzung verhandelt. Ich hoffe, wir haben einen guten Preis bekommen. Bill Gates übrigens hat alles dafür getan, dass Microsoft mit uns handelseinig wurde. Er erklärte zudem öffentlich, dass Palm viele Jahre lang gute Arbeit geleistet habe. Und er hat dafür gesorgt, dass wir die Windows-Software nach unseren Vorstellungen verändern dürfen. Die Windows-Geräte von Palm sind deshalb nutzerfreundlicher als die von Konkurrenten, die ebenfalls Microsoft-Programme einsetzen.Könnte Ihre Entscheidung für Microsoft auch andere Gründe haben? Schließlich gibt es Gerüchte, dass Sie mit ihrer Software-Schwesterfirma PalmSource nicht zufrieden sind.Es wäre in der Tat unaufrichtig, wenn ich verschweigen würde, dass wir viel Zeit in die Entwicklung zusätzlicher Software für unsere Treo-Smartphones stecken mussten. Andererseits halten wir nach wie vor enge Verbindung zu PalmSource. So haben wir gerade den Software-Lizenzvertrag bis 2010 verlängert. Im reinen Taschencomputergeschäft wird Palm-Software weiter eine herausragende Rolle spielen. PalmSource darf aber nicht aufhören, neuartige Produkte zu entwickeln.War PalmSource bisher zu langsam?Lassen Sie es mich so sagen: Im Handy-Bereich hatten wir einige Punkte, an denen wir mit PalmSource intensiv arbeiten mussten. Aber das war nicht ausschlaggebend für unsere Entscheidung, jetzt auch mit Microsoft zu kooperieren.Sie haben auch mit Ihrem Rivalen Research in Motion (RIM) eine Allianz geschlossen. Was machen die Erfinder der mobilen E-Mail-Maschine Blackberry besser als Sie?Es geht nicht darum, was RIM besser macht als wir. Es geht vielmehr um deren Marktpräsenz. Wir integrieren die Blackberry-Software in unsere Geräte, weil RIM bereits E-Mail-Zentralen in 50 000 Unternehmen eingerichtet und Allianzen mit vielen Handynetz-Betreibern geschlossen hat. Das ist ein gigantischer Markt, in dem wir nun unsere Treo-Geräte verkaufen können. RIM wiederum kommt durch uns seinem Ziel näher, auch im Software-Geschäft zu wachsen. Wir sind beide sowohl Wettbewerber als auch Partner. Und das ist okay so.Stimmen Sie folgender Aussage zu: Palm wird in fünf Jahren keine Computerfirma mehr sein sondern ein Handy-Hersteller.Ja. Wir werden dann eine Firma sein, die Handy-Computer baut.Das klingt nach Abschied vom Taschencomputer-Geschäft.Im unteren Preissegment wird es sicherlich noch Taschencomputer geben. Wenn etwa eine Hausfrau Adressbuch und Terminkalender elektronisch führen will, dann wird sie ein entsprechendes Gerät von Palm kaufen können. Aber das wird nur noch ein kleines Segment sein.Wird es künftig noch digitale Musikspieler, Mini-Computer und Kameras geben? Oder werden all diese Geräte Bestandteile von Handys sein?Die Antwort darauf lautet: Ja und ja. Es werden Milliarden solcher Geräte auf der Welt verkauft. Die Chance, dass nur ein bestimmter Gerätetyp übrig bleibt, ist gleich Null. Ich denke jedoch, viele Leute wollen künftig nur mit einem Gerät aus dem Haus gehen, das sowohl ein MP3-Spieler als auch Handy und Taschencomputer ist. Das alles bietet unser Treo. Andererseits: Je leistungsfähiger ein Gerät in einer Disziplin wird, desto schwieriger ist es, dies mit anderen Funktionen zu vereinbaren. Ich erwarte zum Beispiel nicht, dass Handys eines Tages Kameras vollständig ersetzen.Aber möglicherweise den Kult-Musikspieler iPod von Apple. Es gibt Gerüchte, dass Apple in den Markt für Mobiltelefone einsteigen will. Wäre das nicht gefährliche Konkurrenz?Ich wünsche Apple alles Gute, wenn sie das tun möchten. Ein gutes Handy zu bauen, ist nicht einfach. Wir haben drei Jahre dafür gebraucht. Ich wäre tatsächlich nicht überrascht, wenn Apple mehr anbieten würde im Funk-Sektor. So gesehen würden wir künftig in einigen Bereichen Konkurrenten sein.Sie arbeiten mit dem Chip-Hersteller Intel zusammen. Intel versucht, Wimax populär zu machen - eine Funktechnik, die Festnetz wie Mobilfunk überflüssig machen könnte. Wird Palm Wimax-Geräte anbieten?Eines Tages sicherlich. Interessanter erscheint uns jedoch derzeit eine andere Entwicklung: US-Großstädte wie San Francisco oder Minneapolis bauen flächendeckende WLAN-Netze auf, über die Einwohner gratis oder für wenig Geld schnelle Internetzugänge erhalten. Für uns ist das ideal: Palm bietet genau die Geräte an, mit denen sich das Internet mobil nutzen lässt.Werden also WLAN oder Wimax die UMTS-Netze überflüssig machen?Beides wird sicherlich zu geringeren Umsätzen bei der Datenübertragung für UMTS-Netzbetreiber führen. Ob Wimax auch für Telefongespräche geeignet ist, weiß ich nicht. Jedenfalls erlaubt die Internet-Technologie, auf der ja Wimax wie WLAN fußen, auch eine Sprachübertragung. Auf jeden Fall werden in zehn Jahren die meisten Menschen mit mobilen Geräten E-Mails abfragen oder im Web surfen.Gespräch: Thomas H. Wendel------------------------------Zur PersonEd Colligan steht seit Februar 2005 an der Spitze des Taschencomputer-Bauers Palm. Der 44-Jährige hat maßgeblich dafür gesorgt, dass der US-Konzern sich in einen Hersteller von Kombigeräten aus Handy und Minicomputer, so genannten Smartphones, verwandelt.Palm hat inzwischen mehr als zwei Millionen seiner Treo-Smartphones sowie rund 30 Millionen Taschencomputer verkauft. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 1,3 Milliarden US-Dollar.------------------------------Foto: So funktioniert ein richtiges Smartphone: Palm-Chef Ed Colligan (r.) zeigt Microsoft-Gründer Bill Gates, wie es geht.
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