Das grüne Licht zum Rücktritt kam von ganz oben. Papst Leo XIV. nahm am Mittwochmittag, 12 Uhr, den Amtsverzicht von Heinrich Timmerevers (74) als 50. Bischof von Dresden-Meißen an. Damit endet nach zehn Jahren die Amtszeit des gebürtigen Niedersachsen an der Spitze der sächsisch-ostthüringischen Diözese.
Timmerevers hatte bereits vor einigen Monaten in Rom um Entpflichtung gebeten und sein Anliegen bei einer Audienz auch persönlich mit dem Papst besprochen. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Der 2. September ist zugleich der 25. Weihetag des Bischofs und liegt knapp ein Jahr vor seinem 75. Geburtstag am 25. August 2027 – jenem Termin, zu dem Bischöfe üblicherweise ihren Rücktritt anbieten.
„Ich spüre, dass die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben in dieser Verantwortung enorme Kraft gekostet haben“, erklärte Timmerevers. „Daher habe ich beschlossen, die Leitung unseres Bistums Dresden-Meißen, das mir in den zehn Jahren meiner Amtszeit sehr ans Herz gewachsen ist, in jüngere Hände zu übergeben.“ Es gebe weder einen äußeren Anlass noch akute gesundheitliche Gründe für den Schritt, betont er. Das Bistum benötige jedoch weiterhin „eine Leitung mit uneingeschränkter Tatkraft“. Alter und Aufgabenfülle hätten Spuren hinterlassen.
Jubiläumsgottesdienst wird zur Verabschiedung
Der ursprünglich als Feier des Silbernen Bischofsweihe-Jubiläums geplante Gottesdienst diesen Samstag in der Dresdner Kathedrale wird nun zugleich die Verabschiedung aus dem aktiven Dienst. Die Predigt hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer SCJ. Als Ehrengäste werden unter anderem der Berliner Erzbischof Heiner Koch, der Erzbischof von Manaus, Leonardo Ulrich Kardinal Steiner OFM sowie der sächsische Landesbischof Tobias Bilz erwartet. Der Gottesdienst beginnt ab 10.30 Uhr und wird per Livestream übertragen.
Dem Bistum bleibt Timmerevers erhalten: Er will künftig in einer Mietwohnung in Dresden leben und dem Bistum als Seelsorger zur Verfügung stehen. „Hier in dieser Stadt bin ich inzwischen zuhause“, so der emeritierte Bischof.
In der Katholischen Hofkirche am Theaterplatz findet am Samstag der Abschlussgottesdienst für den zurückgetretenen Bischof statt.
© Gabriele Hanke/Imago
Strukturreform und Sparkurs prägten die Amtszeit
Zentrales Anliegen von Timmerevers war der strukturelle Umbau der Katholischen Kirche in Sachsen und Ostthüringen. Ab 2017 wurden innerhalb von drei Jahren aus 97 Pfarreien 37 größere Einheiten mit hauptamtlicher Verwaltung gebildet. Seit 2021 beteiligt ein neues Pfarreiverwaltungsgesetz einen Kirchenvorstand aus Ehrenamtlichen an wirtschaftlichen und rechtlichen Entscheidungen.
Ebenfalls seit 2021 läuft ein „Strategieprozess“, mit dem langfristig ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden soll, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Das Bildungsgut Schmochtitz St. Benno fällt so beispielsweise dem Sparkurs zum Opfer.
Bei der Aufarbeitung der Missbrauchsthematik stieß Timmerevers eigenen Angaben zufolge auf teils heftigen Widerstand von Kritikern. Positive Resonanz fand hingegen sein ökumenisches Engagement – etwa die Planung einer gemeinsamen Akademie mit der Evangelischen Landeskirche Sachsens.
Domkapitel übernimmt die Leitung
Mit dem Amtsverzicht ist die sogenannte Sedisvakanz eingetreten – der Bischofsstuhl ist unbesetzt. Die Leitung des Bistums geht auf das Domkapitel St. Petri über, das binnen acht Tagen einen Diözesanadministrator wählen muss. Dieser übernimmt weitgehend die Rechte eines Diözesanbischofs, darf jedoch keine grundlegenden Weichenstellungen vornehmen.
Die Suche nach einem Nachfolger kann erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern. Für Dresden-Meißen gilt das sogenannte „Badische Konkordat“: In Rom werden die jährlichen Empfehlungen des bisherigen Bischofs sowie die Vorschläge des Domkapitels gesichtet.
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Nach kirchenrechtlich vorgesehenen Beratungen mit Laienvertretern erstellt der Heilige Stuhl einen Dreiervorschlag, der mindestens einen Kandidaten aus dem Bistum enthalten muss. Aus dieser Liste wählt das Domkapitel in freier und geheimer Wahl den neuen Bischof, der anschließend vom Papst ins Amt berufen wird.
Das Domkapitel hat laut Bistum bereits beraten, inwieweit der Handlungstext des Synodalen Wegs zur Einbeziehung der Gläubigen bei der Bischofsbestellung berücksichtigt werden kann.
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