Mit einer ungewöhnlich scharfen Attacke auf künstliche Intelligenz und globale Aufrüstung hat Papst Leo XIV. sein erstes großes Grundsatzpapier veröffentlicht. Der erste US-Papst warnt davor, dass KI-Systeme Kriege, Desinformation und soziale Kontrolle beschleunigen könnten – und fordert Regierungen auf, die Technologie „zu verlangsamen“.
In seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ zeichnet Leo ein düsteres Bild einer Welt, die sich immer stärker von Tech-Konzernen, Waffenindustrie und Machtpolitik treiben lasse. KI dürfe niemals eigenständig über Leben und Tod entscheiden, schreibt der Papst. Der Einsatz künstlicher Intelligenz in Waffensystemen müsse „strengsten ethischen Grenzen“ unterliegen.
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„Die Welt muss langsamer werden“
„Was gebraucht wird, ist ein aktiveres politisches Eingreifen, das in der Lage ist, Dinge zu verlangsamen, während sich alles beschleunigt“, schreibt Leo laut Reuters in dem rund 43.000 Wörter langen Dokument. Der Papst fordert strengere Gesetze, unabhängige Kontrolle und mehr politische Verantwortung gegenüber Tech-Unternehmen. Daten und KI-Infrastruktur dürften nicht allein in privaten Händen liegen. Regierungen müssten außerdem Arbeitnehmerrechte schützen und Kinder besser vor den Folgen neuer Technologien bewahren.
Leo warnt, die Menschheit drohe in eine „gewaltsame Kultur der Macht“ abzurutschen, in der Frieden nur noch eine kurze Pause zwischen Konflikten sei.
Papst erklärt Theorie vom „gerechten Krieg“ für überholt
Besonders brisant ist Leos Angriff auf die jahrhundertealte Lehre vom „gerechten Krieg“. Diese Theorie wurde in der katholischen Kirche seit Jahrhunderten genutzt, um militärische Gewalt moralisch zu bewerten. Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump, darunter Vizepräsident JD Vance, hatten sich zuletzt darauf berufen, um den Krieg gegen den Iran zu rechtfertigen. „Die Theorie des gerechten Kriegs, die allzu oft genutzt wurde, um jede Art von Krieg zu rechtfertigen, ist heute überholt“, schreibt Leo.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte Leo den Krieg gegen den Iran kritisiert und damit heftige Reaktionen aus dem Weißen Haus ausgelöst. Trump warf dem Papst vor, „viele Katholiken in Gefahr zu bringen“, weil dieser den Krieg ablehne und stattdessen auf Waffenstillstände und Diplomatie dränge. Der US-Präsident behauptete in einem Interview sogar, Leo spreche so, als halte er iranische Atomwaffen für akzeptabel – obwohl der Vatikan eine solche Position nie vertreten hat.
Warnung vor KI-gesteuerten Kriegen
Leo warnt zudem davor, dass Staaten künstliche Intelligenz künftig nutzen könnten, um Konflikte automatisiert zu führen oder Gesellschaften stärker zu kontrollieren. Die Kombination aus KI, Waffenindustrie und geopolitischer Konkurrenz könne die Welt in einen permanenten Krisenzustand treiben. „Wir dürfen nicht einen weiteren Turm zu Babel errichten“, schreibt der Papst mit Verweis auf die biblische Geschichte menschlicher Hybris.
Zugleich kritisiert Leo die sozialen Kosten moderner Technologien. Er spricht von „neuen Formen der Sklaverei“ in Minen und Fabriken der Tech-Industrie. Kinder arbeiteten unter gefährlichen Bedingungen beim Abbau seltener Erden für Smartphones, Batterien und Computer. „Die Körper dieser Menschen werden verletzt und verschlissen, damit der Datenfluss ununterbrochen weiterlaufen kann“, schreibt der Papst.
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Papst bittet um Vergebung für Rolle der Kirche bei Sklaverei
In einem weiteren bemerkenswerten Abschnitt entschuldigt sich Leo ausdrücklich für die Rolle der katholischen Kirche bei der transatlantischen Sklaverei. Dass die Kirche diese Verbrechen über Jahrhunderte nicht entschieden genug verurteilt habe, sei „eine Wunde im christlichen Gedächtnis“.
„Dafür bitte ich im Namen der Kirche aufrichtig um Vergebung“, so der Papst.
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