Die Paris Fashion Week für Frühjahr/Sommer 2027 neigt sich dem Ende zu. Hier sind die Highlights der Modewoche, von Chanel über Dior bis hin zum Nachwuchs.
Vom 28. September bis zum 6. Oktober verwandelte die Paris Fashion Week die französische Hauptstadt einmal mehr in die schillerndste Bühne der Modewelt. Als die renommiertesten Häuser ihre Visionen für Frühjahr und Sommer 2027 präsentierten, ging es um weit mehr als schöne Stoffe: Es war das gewohnte Kräftemessen um die modische Lufthoheit.
Im Fokus stand erneut das hochkarätigste Modeduell unserer Zeit: Matthieu Blazy gegen Jonathan Anderson. Vor rund eineinhalb Jahren übernahmen beide annähernd gleichzeitig jeweils die kreative Leitung bei Chanel und bei Dior. Seitdem befeuern die Medien ihr Ringen um die modische Speerspitze.
Druck merkt man den beiden jedoch nicht an. Mit jeder Kollektion festigen sie ihre Handschriften: Anderson fährt bei Dior eine verträumt-poetische Prinzessinnen-Ästhetik, Blazy definiert bei Chanel mit lässiger Eleganz die moderne Madame neu.
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Gleichzeitig wirbelte eine neue Generation die Laufstege auf und stellte angestaubte Moderegeln auf den Kopf. Nachwuchstalente wie die frischgebackene LVMH-Preisträgerin Julie Kegels zeigten mit feinem Humor und technischer Raffinesse, wie aufregend die neue Avantgarde ist. Ein Blick auf die Mode von morgen, aus Paris.
Vaquera
Das New Yorker Label Vaquera zeigt seit 2022 auf der Paris Fashion Week und bricht dort seither mit traditionellen Stilregeln. Dahinter steht das Designer-Duo Bryn Taubensee und Patric DiCaprio, die für ihre humorvollen Dekonstruktionen von Alltagskleidung bekannt sind. In der Kollektion für Frühling/Sommer 2027 verwandeln sie klassische Arbeits-Looks in provokante Couture. Sweatshirts treffen auf Mikro-Shorts, Lederhandschuhe auf übergroße Sonnenbrillen des Berliner Labels Mykita. Mit diesem Mix aus Streetwear und High Fashion konnte sich die Marke eine treue Fangemeinde in der modischen Avantgarde aufbauen.
© Vaquera
Julie Kegels
Die belgische Designerin Julie Kegels eröffnete die Pariser Modewoche mit ihrer Kollektion „Apple of the Day“. Inspiriert von Sir Isaac Newton dreht sich alles um die Fallgeschwindigkeit: Silhouetten rutschen bewusst nach unten, Feinstrumpfhosen hängen in den Kniekehlen. Dabei mixt Kegels scheinbar spielend leicht Couture mit Alltagskleidung. Für diesen avantgardistischen Mix aus Humor und technischer Raffinesse wurde Kegels kürzlich mit dem LVMH-Designpreis ausgezeichnet – eine Ehre, die ihren Status als eine der aufregendsten neuen Stimmen der Modewelt festigt.
© IMAGO/Gonzalez Alain-Gil/ABACA
Dior
„Wie verhält sich ein Kleidungsstück im Wind?“ – Diese Frage diente dem Dior-Kreativdirektor Jonathan Anderson als Leitmotiv für die jüngste Kollektion. Neben einer Neuerfindung klassischer Dior-Stilmerkmale liegt der Fokus auf frühlingshafter Leichtigkeit, Bewegung und fließenden Silhouetten. Bei dem gezeigten Look handelt es sich um eine moderne, luftige Interpretation des ikonischen „La Cigale“-Kleides des Hauses aus dem Jahr 1952, das hier in zartem, plissiertem rosa Tüll und mit asymmetrischem Faltenwurf neu aufgelegt wurde. Die langen, floralen Ohrringe zogen sich als wiederkehrendes Motiv durch die gesamte Show.
© IMAGO/Jumeau Alexis/ABACA
Yves Saint Laurent
Mit einer glanzvollen Open-Air-Inszenierung feierte Anthony Vaccarello sein zehnjähriges Jubiläum bei Saint Laurent: Vor der Kulisse des funkelnden Eiffelturms in den Trocadéro Gärten zeigte der 44-jährige Belgier eine Kollektion, die ganz im Zeichen flüssigen Goldes stand. Vaccarello knüpfte dabei konsequent an seinen Kurs der vergangenen Saisons an: Trenchcoats mit Schulterpartien im markanten 80s-Look trafen auf Schluppenblusen und Zweiteiler aus opulentem Brokat. Eine Show, mit der Vaccarello ein funkelndes Ausrufezeichen hinter sein erfolgreiches Jahrzehnt an der Spitze des Modeshauses setzte.
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Dries van Noten
Bei Dries Van Noten beweist der Kreativdirektor Julian Klausner mit der Kollektion für Frühjahr/Sommer 2027 filmisches Gespür. Inspiriert vom Glamour alter Kinomythen inszeniert er mit der Kollektion eine Schauspielerin, die im Alltagslook das Filmset verlässt. Der typische, intellektuelle Maximalismus des Hauses äußert sich in raffinierten Layerings, fiktiven Filmplakat-Prints und eklektischen Farbkombinationen wie Gelb mit Türkis. Opulenter Schmuck, Glasperlen und markante Oversized-Taschen verleihen den Looks eine wohltuende Eigenwilligkeit.
© IMAGO/Agence / Bestimage
Ann Demeulemeester
„Lonesome Heaven“, so lautet der Titel der Kollektion, mit der der Designer Stefano Gallici auf der Paris Fashion Week erneut unter Beweis stellt, dass er ein feines Gespür für das Erbe von Ann Demeulemeester hat, die sich seit 2013 komplett aus ihrem Modehaus zurückgezogen hat. Dekonstruierte Military-Westen treffen auf fließende, transparente Stoffbahnen, während asymmetrische Rüschenröcke dem typisch androgynen Gothic-Chic eine fast elfenhafte Leichtigkeit verleihen. Ein meisterhaftes Spiel mit Texturen in reinem Weiß und tiefem Schwarz, das die Seele der Marke perfekt einfängt und zeitgemäß auflädt.
© IMAGO/Agence / Bestimage
Miu Miu
Keiner versteht es, so spielend leicht traditionelle Looks durch feine Details und hemmungsloses Layering so gekonnt aufzubrechen wie Miuccia Prada. Bei Pradas Schwesterlinie „Miu Miu“, die sich an ein jüngeres Publikum richtet, zeigt die Designerin Sportswear, gemixt mit Business-Silhouetten mit 70er-Jahre Flair. Herzstück der Kollektion: verzierte BH-Tops, die über Longsleeves und Pullovern straßentauglich werden. Statt Gürteln dominieren Kordeln und Seile, die Hosen und Röcke auf den Hüften halten. Dieses Schnürdetail zieht sich bis zu den begehrten New Balance x Miu Miu Sneakern durch.
© paolo caponetto paolocapo.net
Yohji Yamamoto
Mit der Kollektion für Frühling/Sommer 2027 treibt Yohji Yamamoto seine markante Ästhetik der Dekonstruktion auf die Spitze. Unter dem Leitmotiv „just fringes“ (nur Fransen) inszeniert der 83-jährige Designer im Grunde ein textiles Vergehen: Die Designs scheinen sich im Gehen aufzulösen. Bodenlange Fransen treffen auf Drahtkonstruktionen, die den Körper wie fragile Schutzpanzer umhüllen. Die monochrome Palette aus Schwarz, Weiß und Grau wird einzig durch einen finalen roten Look aufgebrochen. Ein melancholisches Spiel mit der Vergänglichkeit und der Poesie der Unvollständigkeit.
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Chanel
Unter der gigantischen Glaskuppel des Grand Palais bewies der Chanel-Kreativdirektor Matthieu Blazy, dass Tradition fliegen lernen kann. Unter dem Motto „La Conversation – Part Three – Different Faces of the Same Coin“ schwebte ein riesiger Schwarm aus künstlichen Vögeln und Schwalben an der Decke – ein Symbol für die Freiheit und das Facettenreichtum der Gründerin Gabrielle Chasnel. Blazy meisterte so einmal mehr den Drahtseilakt: Er wahrt die historische DNA des Hauses, spricht durch transparente Strickkleider, taillierte Westen und innovativen Stretch-Tweed aber mühelos eine junge Zielgruppe an. Grandios!
© IMAGO/MeetEurope
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