Frankreich hat jetzt ein Problem, von dem die meisten Franzosen bis vorgestern wohl nicht ahnten, dass sie es haben. Dann trat Präsident Nicolas Sarkozy im Schloss von Versailles vor die Abgeordneten. Er redete über die Finanzkrise, über eine Regierungsumbildung und - über die Burka. Sofort reagierte die Nationalversammlung: Sie setzte gestern einen Ausschuss ein, der über die Ganzkörperverhüllung von Frauen in Frankreich diskutieren und die notwendige Schlüsse daraus ziehen soll. Ein Verbot des Burkatragens wird erwogen.Die Burka sei in Frankreich unwillkommen, hatte Sarkozy in Versailles gesagt. Es sei nicht hinzunehmen, "wenn Frauen hinter einem Sichtfenster Gefangene sind, abgeschnitten von allem Sozialleben und ihrer Identität beraubt". Die Burka, das ganzkörperverhüllende islamische Gewand, ist im Straßenbild nur selten anzutreffen, obwohl in Frankreich rund fünf Millionen Muslime leben. Der Präsident thematisiert ein Scheinproblem, meinen die muslimischen Verbände des Landes. 60 französische Abgeordnete sehen das anders und der Präsident fühlte sich genötigt, sich ihrer Sorgen anzunehmen.Für Dieter Wiefelspütz, SPD-Innenpolitiker, ist eine solche Diskussion in Deutschland nicht denkbar. "Ich glaube nicht, dass das in Deutschland ein Thema ist", sagte er der Berliner Zeitung. Unionskollege Wolfgang Bosbach ist strikt gegen ein generelles Burka-Verbot. "In bestimmten Situationen kann es aber angebracht sein", sagte er. Im Klassenzimmer, vor Gericht oder im Straßenverkehr sei die vollständige Verhüllung nicht angebracht. (fr.)
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