Die Erderwärmung wird die Schwelle von 1,5 Grad nach Einschätzung des UN-Umweltprogramms (UNEP) schon in wenigen Jahren überschreiten. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht „Limiting Overshoot“ hervor. Eine spätere Rückkehr unter diese Marke sei zwar möglich, aber mit großen Unsicherheiten behaftet.
Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten sich die Staaten darauf verständigt, den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dafür darf nur noch eine begrenzte Menge klimaschädlicher Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) in der Erdatmosphäre landen. Diese werden zum größten Teil bei der Verbrennung der Brennstoffe Öl, Erdgas und Kohle freigesetzt.
Da die 1,5-Grad-Schwelle nach Einschätzung des UNEP nun sehr wahrscheinlich überschritten wird, müssten die Staaten dafür sorgen, dass die Erwärmung möglichst wenig darüber hinausgeht und möglichst kurz auf diesem Niveau bleibt. Jedes weitere Jahr des Zögerns und jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 erhöhten die Risiken und erschwerten eine Erholung, heißt es in dem Bericht.
Selbst wenn die Temperaturen später wieder sänken, könnten Schäden bleiben, die sich nicht mehr rückgängig machen ließen. Zu den vom UNEP genannten Gefahren zählen häufigere Wetterextreme sowie zunehmende Belastungen für Ökosysteme, Gletscher und tief gelegene Küstenstädte.
Selbst bestes Szenario reißt Ziel
Selbst im günstigsten Fall bleibt die Erwärmung nicht bei 1,5 Grad stehen, schätzt UNEP ein. Würden alle Staaten ihre bisherigen Klimazusagen vollständig umsetzen, dürfte die Temperatur bei rund 1,8 Grad über dem vorindustriellen Niveau ihren Höhepunkt erreichen. Realistisch sei aber ein deutlich stärkerer Anstieg.
Auf Grundlage der derzeitigen Politik kommt der Bericht bis zum Jahr 2100 im Mittel auf eine Erwärmung von etwa 2,6 Grad, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Papier zitiert. Bereits vor rund drei Jahren hatte das UNEP darauf hingewiesen, dass die weltweit geplanten Fördermengen an Kohle, Öl und Gas mit dem 1,5-Grad-Ziel nicht vereinbar seien.
Einem gemeinsamen Bericht mit führenden Forschungsinstituten zufolge lag die von den Staaten für 2030 geplante Produktion fossiler Brennstoffe mehr als doppelt so hoch wie mit dem Pariser Klimaziel vereinbar. Weder bei Kohle noch bei Öl und Gas war ein Rückgang der Fördermengen absehbar.
Als besonders wichtig bezeichnet das UNEP Maßnahmen, mit denen Kohlendioxid wieder aus der Luft entfernt wird, etwa durch die Aufforstung von Wäldern. Sie könnten deutliche Einschnitte bei den heutigen Emissionen aber nicht ersetzen.
Klage gegen EU-Klimaziele abgewiesen
Parallel scheiterten am Mittwoch die Umweltorganisationen Climate Action Network Europe (CAN) und Global Legal Action Network (Glan) vor dem Gericht der Europäischen Union in Luxemburg mit einer Klage gegen die EU-Kommission. Sie wollten eine Verschärfung der nationalen Klimaziele bis 2030 erreichen.
Das Gericht wies die Klage ab. Die Kommission sei an die vom Gesetzgeber vorgegebenen Ziele gebunden und dürfe Beschlüsse von Europaparlament und Rat nicht auf Umwegen ändern. Das Urteil kann noch vor dem Europäischen Gerichtshof angefochten werden.
Anfang des Jahres hatte die EU bereits neue Klimaziele für 2040 beschlossen: Die Treibhausgasemissionen sollen bis dahin um 90 Prozent gegenüber 1990 sinken.
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