POTSDAM. Die CDU in Brandenburg kommt nicht zur Ruhe. Auslöser der neuen Zwistigkeiten ist diesmal ein interner Untersuchungsbericht zu umstrittenen Geschäftspraktiken im Landtagswahlkampf 2004, der am Freitagabend auf einer Vorstandssitzung zu heftigen Auseinandersetzungen geführt hat. Im Mittelpunkt des Streits steht der damalige Landesgeschäftsführer der Partei, Mario Faßbender. Der Vorstand verständigte sich darauf, dass Faßbender jetzt offen legen soll, ob und wie viel seine private Werbefirma MaNo! am CDU-Wahlkampf 2004 verdient hat. Ob Faßbender - mittlerweile stellvertretender Regierungssprecher - der Aufforderung nachkommt, bleibt offen. Er wollte sich am Wochenende nicht zu der Angelegenheit äußern."Der Landesvorstand hat die seinerzeitigen Geschäftsabläufe kritisch bewertet", teilte die CDU am Wochenende mit. Das ist eine eher harmlose Umschreibung der rund fünfstündigen Debatte um den Prüfbericht zu MaNo!, die bis in die tiefe Nacht andauerte. Der CDUVorsitzende Ulrich Junghanns habe sich mit seiner Forderung nicht durchsetzen können, die Akte zu schließen, hieß es nach der Sitzung. Binnen sechs Wochen sollen jetzt weitere Informationen über die dubiosen Geschäfte eingeholt werden. Dann will der Vorstand eine abschließende Wertung treffen - die Forderung nach personellen Konsequenzen nicht ausgeschlossen.Parteigremien nicht informiertDer Europa-Abgeordnete Christian Ehler und CDU-Generalsekretär Rolf Hilke führen in dem Untersuchungsbericht aus, dass mit 580 000 Euro der Löwenanteil des Wahlkampf-Etats 2004 über MaNo! abgewickelt wurde. Allerdings gab es darüber weder schriftliche Verträge noch waren die CDU-Gremien informiert. Abgesprochen war das Vorgehen lediglich mit dem damaligen Parteichef Jörg Schönbohm, Generalsekretär Thomas Lunacek und Schatzmeister Dierk Homeyer.Weil Faßbender seinerzeit gleichzeitig Geschäftsführer bei der CDU und MaNo! war, sehen Ehler und Hilke zudem den Vorwurf verbotener In-Sich-Geschäfte nicht ausgeräumt. Dies hatte nach einer anonymen Anzeige im vergangenen November auch schon die Potsdamer Staatsanwaltschaft geprüft - und nach Auskunft von Sprecher Wilfried Lehmann verworfen.Die Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten bei der Abwicklung des Wahlkampfes 2004 waren im vergangenen Herbst erstmals öffentlich geworden - auf dem Höhepunkt des Machtkampfes um die Nachfolge Jörg Schönbohm. Faßbender gilt als enger Vertrauter von Junghanns', der sich im Januar nur mit zwei Stimmen Vorsprung gegen den Landtagsabgeordneten Sven Petke durchsetzen konnte. Petke hatte im Zuge der sogenannten E-Mail-Affäre zuvor seinen Posten als Generalsekretär verloren.
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