Himmelsschauspiel

Partielle Mondfinsternis über MV: An diesen Orten ist sie am besten zu sehen

Am Freitagmorgen taucht der Mond fast vollständig in den Erdschatten ein. Für die Beobachtung braucht es neben klarem Himmel vor allem freie Sicht nach Westsüdwesten.

Katja Frick
Katja Frick
7 Min
Der Beginn der Mondfinsternis 2022

Der Beginn der Mondfinsternis 2022

© Patrick Pleul

Nach der partiellen Sonnenfinsternis am 12. August können Frühaufsteher am Freitag, 28. August, auch über Mecklenburg-Vorpommern erneut ein besonderes Himmelsschauspiel erleben. In den frühen Morgenstunden wandert der Vollmond zu einem großen Teil durch den Kernschatten der Erde. Die partielle Mondfinsternis ist im gesamten Land grundsätzlich sichtbar – sofern das Wetter mitspielt und der Blick zum westlichen Horizont nicht versperrt ist.

Die deutlich erkennbare partielle Phase beginnt gegen 4.34 Uhr. Anschließend breitet sich der Erdschatten langsam über die Mondscheibe aus. Das Maximum wird gegen 6.13 Uhr erreicht. Dann liegen rund 93 Prozent des Monddurchmessers im Kernschatten. Auf die Fläche bezogen sind etwa 96 Prozent der sichtbaren Mondscheibe verfinstert.

Eine totale Mondfinsternis ist das nicht: Ein schmaler Teil des Mondes bleibt außerhalb des Kernschattens. Der verdunkelte Bereich kann trotzdem dunkelrot oder kupferfarben erscheinen. Wie deutlich die Färbung ausfällt, hängt unter anderem von den atmosphärischen Bedingungen ab.

Freier Horizont wichtiger als völlige Dunkelheit

Die Beobachtung ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht einfach. Während sich die Finsternis ihrem Höhepunkt nähert, sinkt der Mond immer tiefer in Richtung Westsüdwesten. Gleichzeitig beginnt die Morgendämmerung.

Beim Maximum steht der Mond nur noch knapp über dem Horizont. Schon Bäume, Häuser, Dünen oder kleinere Geländeerhebungen können ihn verdecken. Ein möglichst dunkler Standort ist zwar von Vorteil, wichtiger ist in diesem Fall jedoch eine freie Sicht bis unmittelbar zum Horizont.

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Im Westen Mecklenburg-Vorpommerns sind die Voraussetzungen etwas günstiger als im Osten. Dort geht der Mond einige Minuten später unter. Das kann darüber entscheiden, ob die tiefste Phase der Finsternis noch vollständig zu sehen ist.

Groß Schwansee gehört zu den besten Festlandstandorten

Besonders gute Chancen bietet der Naturstrand von Groß Schwansee im Klützer Winkel. Der Ort liegt weit im Westen MVs. Dadurch bleibt etwas mehr Zeit, bevor der Mond untergeht.

Am günstigsten sind die flachen Strandabschnitte westlich von Groß Schwansee in Richtung Priwall. Dort verläuft die Blickrichtung nach Westsüdwesten teilweise über die Lübecker Bucht beziehungsweise entlang der offenen Küste. Beobachter sollten einen Standort wählen, an dem weder Bäume noch Steilküste oder vorspringende Landabschnitte die Sicht versperren.

Weiter östlich steigt die Küste in Richtung Brooker Wald und Brook teilweise deutlich an. Diese Bereiche sind für den extrem tief stehenden Mond weniger geeignet. Wer nach Groß Schwansee fahren möchte, sollte den vorgesehenen Strandzugang deshalb möglichst schon bei Tageslicht prüfen.

Bei freiem Horizont gehört Groß Schwansee zu den besten vom Festland erreichbaren Beobachtungsorten in MV.

Insel Poel verspricht ebenfalls gute Bedingungen

Eine weitere aussichtsreiche Möglichkeit ist Timmendorf-Strand auf der Insel Poel. Die westlich ausgerichtete Küste ermöglicht einen weiten Blick über das Wasser. Weil Poel im westlichen Landesteil liegt, erfolgt der Monduntergang dort erst wenige Minuten nach dem rechnerischen Maximum der Finsternis.

Auch der Weststrand von Ahrenshoop bietet eine gute Beobachtungsmöglichkeit für die partielle Mondfinsternis am frühen Morgen des 24.8. – sofern keine Wolken am Horizont sind.

Auch der Weststrand von Ahrenshoop bietet eine gute Beobachtungsmöglichkeit für die partielle Mondfinsternis am frühen Morgen des 24.8. – sofern keine Wolken am Horizont sind.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Geeignet sind Strandabschnitte, von denen aus Hafenanlagen, Leuchtturm, Dünen oder Bäume nicht in der entscheidenden Blickrichtung liegen. Wer unmittelbar am Hafen steht, sollte darauf achten, dass Masten und Gebäude die Sicht auf den Horizont nicht verdecken.

Auch andere frei zugängliche Abschnitte an der Westküste Poels kommen infrage. Entscheidend ist stets der freie Blick nach Westsüdwesten.

Ahrenshoop und der Darßer Weststrand

Gute astronomische Bedingungen bietet auch der Weststrand bei Ahrenshoop. Dort liegt der Horizont in der benötigten Richtung weitgehend über dem Meer. Beobachter sollten möglichst bis an den Strand gehen, da Dünen und Steilküste den tief stehenden Mond bereits verdecken können, wenn man sich zu weit im Hinterland aufhält.

Ähnlich günstig ist der Darßer Weststrand. Er bietet über weite Strecken einen freien westlichen Horizont und wenig künstliches Licht. Viele Abschnitte sind allerdings abgelegen und nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.

Wer dort beobachten möchte, sollte sich rechtzeitig mit dem Weg vertraut machen und im Nationalpark ausschließlich erlaubte Wege sowie reguläre Strandzugänge benutzen. Eine Erkundung im Dunkeln ist nicht zu empfehlen.

Hiddensee ideal – aber nur mit Übernachtung

Auch der Weststrand von Hiddensee, insbesondere bei Vitte oder Neuendorf, bietet einen nahezu unverbauten Blick über die Ostsee. Für die Beobachtung der Mondfinsternis ist der Standort grundsätzlich hervorragend geeignet.

Praktisch kommt Hiddensee jedoch vor allem für Menschen infrage, die bereits auf der Insel übernachten. Eine Anreise am frühen Freitagmorgen ist wegen der Fährverbindungen nicht rechtzeitig möglich.

Zudem liegt Hiddensee weiter östlich als Groß Schwansee oder Poel. Der Mond geht dort etwas früher unter. Für die gut sichtbare Phase der Finsternis bleibt der Weststrand dennoch ein aussichtsreicher Standort.

Boltenhagen nur mit sorgfältiger Platzwahl

Auch Boltenhagen liegt weit im Westen des Landes und bietet damit grundsätzlich einen zeitlichen Vorteil. Der Hauptstrand ist jedoch überwiegend nach Norden ausgerichtet, während der Mond in Richtung Westsüdwesten untergeht.

Der offene Blick auf die Ostsee allein garantiert deshalb noch keine freie Sicht. Vom zentralen Strand aus kann die Blickrichtung während der entscheidenden Phase teilweise entlang der Küste oder über Land verlaufen. Westlich des Orts steigt außerdem die Steilküste bei Redewisch an.

Für den frühen Verlauf ab 4.34 Uhr dürfte Boltenhagen bei wolkenlosem Himmel gut geeignet sein. Ob der Mond auch während der letzten Minuten vor dem Maximum sichtbar bleibt, hängt stark vom genauen Standort ab. Wer dort beobachten möchte, sollte vorher mit einer Kompass- oder Himmels-App prüfen, ob der Horizont nach Westsüdwesten wirklich frei ist.

Auch große Seen kommen infrage

Nicht nur die Ostseeküste bietet Beobachtungsmöglichkeiten. Im Binnenland können frei zugängliche Ufer großer Seen geeignet sein. Dafür müssen sich Beobachter an einem entsprechend ausgerichteten Ost- oder Nordostufer aufstellen und über die Wasserfläche nach Westsüdwesten blicken.

Geeignete Plätze könnten sich unter anderem am Schweriner See oder an der Müritz finden. Allerdings sollte der Standort vorher geprüft werden. Schilf, Uferbäume, Inseln und gegenüberliegende Landzungen können den Mond während der tiefsten Phase verdecken.

Bei einer Mondhöhe von weniger als einem Grad genügt bereits ein überraschend niedriges Hindernis, um die Sichtlinie zu unterbrechen.

Die leichter sichtbare Phase deutlich vor dem Maximum

Beobachter sollten ihren Standort spätestens gegen 4.20 Uhr erreichen. Der Erdschatten wird ab etwa 4.34 Uhr deutlich auf der Mondscheibe sichtbar.

Die wahrscheinlich günstigste Beobachtungszeit liegt ungefähr zwischen 4.45 und 5.50 Uhr. Dann ist ein großer Teil des Mondes bereits verfinstert, während er noch etwas höher am Himmel steht und die Morgendämmerung weniger weit fortgeschritten ist.

Das rechnerische Maximum gegen 6.13 Uhr ist zwar astronomisch besonders interessant, dürfte aber schwer zu beobachten sein. Der Mond steht dann unmittelbar über dem Horizont und kann in Dunst oder dünnen Wolkenschichten verschwinden. Auch bei ansonsten wolkenlosem Himmel kann Horizontdunst die letzten Minuten zunichtemachen.

Wetter bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor

Ob die Mondfinsternis tatsächlich sichtbar sein wird, hängt vor allem von der kurzfristigen Wetterentwicklung ab. Neben geschlossener Bewölkung können bereits Schleierwolken oder Dunst am westlichen Horizont stören.

Interessierte sollten deshalb am Donnerstagabend und erneut kurz vor der Abfahrt aktuelle Wetter- und Wolkenprognosen prüfen. Derzeit ist eine Regenfront genau für die Zeit des Maximums der partiellen Mondfinsternis angekündigt. Doch es reicht ja ein wolkenfreier Moment.

Die besten Beobachtungsorte in MV im Überblick

  • Naturstrand Groß Schwansee, möglichst an einem flachen Abschnitt westlich des Orts
  • Timmendorf-Strand und die Westküste der Insel Poel
  • Weststrand bei Ahrenshoop
  • Darßer Weststrand
  • Weststrand von Hiddensee, sofern eine Übernachtung möglich ist
  • Boltenhagen, bei sorgfältig geprüfter Sicht nach Westsüdwesten
  • Freie Ost- oder Nordostufer großer Seen
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