LEVERKUSEN. Das Wort rutscht Bruno Labbadia einfach so heraus. "Zur Weltklasse fehlen ihm noch ein paar Dinge", sagt der Trainer von Bayer Leverkusen auf die Frage, wie zufrieden er im bisherigen Saisonverlauf mit seinem Stürmer Patrick Helmes sei. "Weltklasse", was für ein großes Wort. Zwar bettet Labbadia es in einen relativierenden Zusammenhang ein, die hohe Meinung, die der Trainer von seinem Stürmer hat, schimmert aber deutlich hindurch. "Ja, Weltklasse, das muss sein Ziel sein, wenn er in diesem Alter schon in der Nationalmannschaft spielt", findet Labbadia. Bemerkenswerte Worte über einen 24-Jährigen, der nicht mehr als 16 Bundesligaspiele absolviert hat. Und davon gerade einmal sechs in der Startelf.Doch Helmes ist in der bisherigen Bundesligasaison ziemlich unangefochten der beste deutsche Stürmer. Während Miroslav Klose weiter gegen seine Dauerkrise kämpft, Mario Gomez nur langsam über sein EM-Trauma hinwegkommt, Lukas Podolski wieder einmal ständig auf der Bank sitzt, und Kevin Kuranyi reichlich Indizien für die These liefert, dass er ein Stürmer mit zu vielen Schwächen ist, spielt Helmes mit der Leichtigkeit eines frisch verliebten Teenagers.Seine Sprints sind unwiderstehlich, seine Schusstechnik ist umwerfend, und wenn er den Ball in Richtung Tor tritt, wird es praktisch immer gefährlich. Nachdem er im Vorjahr in Köln auch schon 17 Tore erzielt hat, blüht Helmes in der Umgebung seiner neuen Leverkusener Mitspieler regelrecht auf. "Ich habe hier Nebenleute, die mir unglaublich viele Bälle auflegen, irgendwann trifft man dann halt", meint er lapidar. Doch die Dynamik, mit der Helmes zuletzt spielte, beeindruckt. Der Rückschlag aus dem Mai, als Helmes in letzter Minute aus dem EM-Kader geflogen ist, hat offenbar keine Spuren hinterlassen. "Das war einfach Pech", sagt er, "für mich war wichtig, gleich im ersten Spiel nach der EM wieder dabei zu sein." Der große Traum bleibt die WM 2010.Nun hat Helmes in vier Pflichtspielen drei Tore erzielt, und Rudi Völler meint "um den beneiden uns alle". Zehn Millionen Euro sei der ablösefrei vom 1. FC Köln nach Leverkusen gewechselte Helmes mittlerweile wert, glaubt der Bayer-Sportdirektor. Ob ihn solch eine Aufgabe belaste, fragte vor einiger Zeit eine Boulevardzeitung und Helmes erwiderte: "Zehn Millionen? Das ist kein Druck, das ist cool." Nicht nur solche trockenen Antworten erinnern an Lukas Podolski, den Helmes schon in seiner Zeit als B-Jugendspieler bei 1. FC Köln kennen lernte. "Der war immer einen Jahrgang unter mir und ab und zu bei uns dabei", erinnert sich Helmes, aufgefallen sei Podolski aber nicht, "wenn Jüngere bei den Älteren dabei sind, dann sagen die nicht viel." Podolski stieg dann steil auf, während Helmes einen Umweg über die Sportfreunde Siegen einschlug, bevor er einige Jahre später die Nachfolge des mittlerweile zum rheinischen Lokalhelden aufgestiegenen Podolski im FC-Sturm antrat. Das passte, denn auch charakterlich erinnert Helmes an Podolski. Beide sind keine Freunde langer Sätze, "freut mich, dass es läuft", entgegnet Patrick Helmes dieser Tage all dem Lob und seine gute Torquote kommentiert er so: "Das ist mein Job, der Ball muss rein."Nicht in der Grübler-FraktionWie Podolski gehört Helmes nicht in die Grübler-Fraktion, der sich Klose und Gomez, bisweilen anschließen. Für einen Torjäger ist das ein Segen, und Tore hat er bislang immer und überall gemacht - nur noch nicht in der Nationalmannschaft. Sechs Mal ist er dort eingesetzt worden, einmal durfte er mit der Startelf auflaufen. "Vielleicht komme ich rein und schieße ein Tor", hofft er nun vor den beiden Partien am Sonnabend in Liechtenstein und am kommenden Mittwoch in Finnland. Natürlich kennt er Löw, der Stürmer in schwächeren Phasen nicht sofort das Vertrauen entzieht. Doch nach dem 2:0-Sieg der Leverkusener beim VfB Stuttgart, sei der Bundestrainer tief beeindruckt von dem Stürmer gewesen, berichtet Völler. Nur Helmes' Arbeit bei gegnerischem Ballbesitz sei noch verbesserungswürdig, meint Labbadia, der dem Fußballer dafür aber einen "unglaublichen Tor-Instinkt" bescheinigt. Der frühere Stürmer weiß, wovon er spricht, und hofft, dass die Worte Weltklasse und Helmes bald nicht mehr nur in optimistischen Zukunftsfantasien zusammen gehören.------------------------------"Zehn Millionen, das ist kein Druck. Das ist cool." Patrick Helmes auf die Frage nach seinem Marktwert------------------------------Foto: Kein großer Redner: Angreifer Patrick Helmes spielt lieber Fußball und das immer besser.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]