Im kanadischen Ottawa könnte eine nach US-Präsident Donald Trump benannte Wohnstraße bald einen neuen Namen erhalten. Der Stadtrat fasste am Mittwoch einstimmig einen ersten Beschluss zur möglichen Umbenennung der Trump Avenue, wie etwa der US-Sender CNN berichtet. Als Alternativen sind unter anderem „Obama Avenue“, „Canada Avenue“ und „Taco Avenue“ im Gespräch.
„Taco“ bezieht sich dabei auf den spöttischen Ausdruck „Trump Always Chickens Out“. Dieser soll sich darüber lustig machen, dass Trump, regelmäßig von seinen eigenen Drohungen zurückschrecke.
Die Straße liegt im Viertel Central Park und trägt seit rund 25 Jahren Trumps Namen. Das Wohngebiet orientiert sich bei seinen Bezeichnungen an New York. Dort liegt auch der Staten Way und Madison Park. Nach Angaben des Stadtrats Tim Tierney ist die Trump Avenue der einzige Ort in Kanada, der nach Donald Trump benannt wurde.
„Taco“ als Spitze gegen Trump
Tierney sagte CNN, aus der Bevölkerung seien zahlreiche Namensvorschläge eingegangen. Dazu zählen auch Ontario Avenue, Canada Goose Avenue, Gulf of Mexico Avenue und Rosie O’Donnell Avenue – nach der US-Komikerin und langjährigen Trump-Gegnerin.
Der für das Viertel zuständige Stadtrat Riley Brockington bezeichnete den bisherigen Straßennamen laut dem kanadischen Sender CBC als „Peinlichkeit“. Angesichts von Trumps Angriffen auf Kanadas Wirtschaft und Souveränität sei die Zeit der Debatte vorbei. Er wolle den Prozess nach der nächsten Kommunalwahl gemeinsam mit den Bewohnern vorantreiben.
Anwohner müssen zustimmen
Beschlossen ist die Umbenennung noch nicht. Mehr als die Hälfte der Anwohner muss einem Wechsel zustimmen. Anschließend würde der neue Name ein öffentliches Beteiligungsverfahren durchlaufen. Eine Entscheidung wird laut CNN frühestens nach der Kommunalwahl Ende Oktober erwartet.
An der Trump Avenue stehen 62 Häuser. Schon im Jahr 2021 wurden die Haushalte zu einer möglichen Umbenennung befragt. Damals stimmten jeweils 21 dafür und dagegen, 20 beteiligten sich nicht. Der Vorschlag verfehlte damit die erforderliche Mehrheit.
Tierney zufolge waren die Gegner nicht zwangsläufig Trump-Unterstützer. Einige hätten vor allem den Aufwand einer Adressänderung gescheut. Bewohner müssten unter anderem Führerscheine ändern sowie Banken, Versicherungen und weitere Kontakte informieren.
„Lake America“ befeuert die Debatte
Neue Dynamik erhielt der Streit durch Trumps Vorgehen gegen Kanada. Der US-Präsident unterzeichnete einen Tag nach dem Beschluss in Ottawa ein Dekret, wonach die US-Regierung den Ontariosee künftig „Lake America“ nennen soll. Bereits zuvor hatte er damit gedroht.
Tierney erklärte gegenüber CNN, dadurch sei die Trump Avenue wieder in den Vordergrund gerückt. Zugleich warnte er davor, den Namensstreit wichtiger zu nehmen als den eskalierenden Handelskonflikt. „Hören wir mit diesem albernen Namensspiel auf und kehren wir an den Verhandlungstisch zurück“, sagte er.
Ottawas Bürgermeister Mark Sutcliffe unterstützt eine Änderung grundsätzlich. „Wenn es nach mir ginge, wäre in Ottawa nichts nach Donald Trump benannt“, sagte er CBC. Die Entscheidung müsse jedoch bei den Bewohnern liegen. Unter den von CBC befragten Anwohnern blieb das Meinungsbild geteilt.
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