BERLIN, 13. Juli. Die Berliner Versorger Bewag und Gasag erwägen, Strom und Gas künftig im Verbund anzubieten. Das bestätigte Gasag-Personalvorstand Jörg Rommerskirchen im Gespräch mit der "Berliner Zeitung". "Zurzeit ist ein Gemeinschaftsangebot von Bewag und Gasag in der Diskussion", sagte Rommerskirchen. Dabei seien auch günstigere Konditionen für die Kunden im Gespräch. "Wir loten das aus, sind damit aber noch nicht durch", erklärte der Gasag-Vorstand. Damit würden die beiden führenden Energie-Anbieter Berlins im Vertrieb ihre Kräfte bündeln. Die Gasag hat im Berliner Wärmemarkt einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent, ihr Anteilseigner Bewag deckt noch immer 90 Prozent des Strommarktes in der Hauptstadt ab.Einstieg in Potsdam geplant Zufrieden zeigte sich Rommerskirchen mit der Reaktion der 680 000 Haushaltskunden auf die im März gestartete Tarifoffensive. Insgesamt hätten sich mehr als sechs Prozent der Gasag-Kunden für einen Wechsel des Tarifsegments entschieden, die meisten davon für das Produkt "Aktiv". Bei diesem Tarif ist die Preissenkung an das Einverständnis des Kunden zum Bankeinzugsverfahren gekoppelt. Auch der Tarif "Fix", bei dem der Gaspreis für zwölf Monate festgeschrieben wird, sei auf ein positives Echo gestoßen. Das zur Verfügung stehende Kontingent von 100 Millionen Kilowattstunden, das dem Jahresverbrauch von etwa 3 500 Haushalten entspricht, habe die Gasag zunächst leicht überschritten und die Zuteilung dann gestoppt. "Wir waren erstaunt, dass so viele Kunden reagiert haben", sagte Rommerskirchen. Intern habe die Gasag mit einer Wechselquote von vier Prozent kalkuliert.Der Gasag-Vorstand bekräftigte zudem, dass die Tarifoffensive keine versteckte Preiserhöhung gewesen sei. "Wir haben die Preise nicht erhöht, auch nicht hintenrum", sagte Rommerskirchen. Höhere Gas-Rechnungen erklärte der Manager mit einer noch vor der Tarifoffensive durchgeführten Preiserhöhung. Auf Grund der zuletzt gemäßigten Rohölpreise stellte Rommerskirchen jedoch eine baldige Preissenkung bei den variablen Tarifen in Aussicht. "Wenn der jetzige Zustand andauert, werden wir vor der nächsten Heizperiode reagieren", sagte der Gasag-Vorstand.Im Zuge der Liberalisierung des deutschen Gasmarktes will die Gasag künftig auch außerhalb Berlins aktiv werden. Zunächst visiert der Konzern den Einstieg bei dem Versorger Erdgas Mark Brandenburg (EMB/Potsdam) an. "Wir werden dort bieten und haben ein Interesse, führende Kraft zu werden", sagte Rommerskirchen. Im Falle einer Übernahme werde die Gasag "das Unternehmen anschließend nicht zerschlagen, sondern nach Synergien suchen", versicherte er. Mit einem Einstieg in Potsdam würde die Gasag "erstmals in ihrem Kerngeschäft außerhalb der Landesgrenzen Berlins tätig werden". Die EMB versorgt mehr als 100 000 Kunden mit Gas. Da sich der RWE-Konzern im Zuge seiner Fusion mit der VEW von seinem 45-prozentigen EMB-Anteil aus kartellrechtlichen Gründen trennen muss, läuft derzeit ein Bieterverfahren für die Beteiligung. Weitere rund 45 Prozent an der EMB hält der französische Konzern Gaz de France, der wie die Bewag zu 31,57 Prozent an der Gasag beteiligt ist."Wir haben bisher nicht geblutet" Über die EMB-Gespräche hinaus führt die Gasag laut Rommerskirchen keine konkreten Verhandlungen. "An weiteren Stellen der Republik schauen wir bestenfalls mal genauer hin, haben bislang aber keine festen Absichten", so der Manager.Auch auf dem Heimatmarkt macht sich der aufkommende Wettbewerb für die Gasag langsam bemerkbar. So hätten einige Großkunden die Liberalisierung bereits für Nachverhandlungen genutzt. Parallelen zum Strommarkt, wo viele Unternehmen in diesem Geschäft schwere Einbrüche verzeichnen mussten, wies Rommerskirchen jedoch zurück: "Wir haben bisher nicht geblutet, wir konnten unsere Kunden alle halten. " Noch liefert kein Wettbewerber Gas nach Berlin. Die Gasag bearbeite derzeit "zwei ernsthafte Anfragen auf Durchleitung", sagte Rommerskirchen. Verschiedenste Probleme veranlassten die Antragsteller häufig, ihre Anfragen selbst zurückzuziehen. "Wir gehen hier nicht in eine Abwehrschlacht", so der Gasag-Vorstand. Vielmehr wolle der Versorger seine Kunden mit mehr Service an sein Unternehmen binden. Hier habe sich das im vergangenen Jahr gegründete Beschwerdemanagement bewährt. Pro Monat meldeten sich 200 bis 500 Kunden bei der Hotline, in 85 Prozent der Fälle gehe es um Fragen der Abrechnung.Bei der weiteren Umstrukturierung des Konzerns stehe laut Rommerskirchen die Ausgründung der Abteilung Technische Dienste im Vordergrund. In das Unternehmen sollen 190 Mitarbeiter übernommen werden, die eigene Tariferträge mit Leistungsanreizen erhalten sollen. Insgesamt will der Gasag-Konzern die Zahl der Beschäftigten bis Ende 2003 von derzeit 1 360 auf 1 150 reduzieren, ohne weitere betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen.Beteiligung im Visier // Mehrere hundert Millionen Mark hält der Berliner Energieversorger Gasag für Zukäufe bereit. Zunächst will der Konzern bei der EMB in Potsdam einsteigen. Dort hält der Gasag-Anteilseigner Gaz de France bereits 45 Prozent.Der Wettbewerb auf dem Gasmarkt stellt sich erst langsam ein. Noch leitet kein Konkurrent nach Berlin durch, der Gasag liegen zurzeit zwei Anfragen vor.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Jörg Rommerskirchen, Personalvorstand des Berliner Versorgers Gasag
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