Hengstparaden

Pferde, Tradition und Zukunftsfragen: Redefin lädt zu den Pferdetagen 2026

Das Landgestüt präsentiert sich am 29. und 30. August mit großer Pferdeschau und Familienprogramm. Der wichtige Landesbetrieb steht wirtschaftlich vor einem Umbau.

Katja Frick
Katja Frick
6 Min
Das Schaubild Ungarische Post mit den Pferden Fred und Umberto bei den Redefiner Pferdetagen 2025.

Das Schaubild Ungarische Post mit den Pferden Fred und Umberto bei den Redefiner Pferdetagen 2025.

© Jens Büttner/dpa

Wenn am kommenden Wochenende Kutschen über den Paradeplatz rollen, Reiter historische Schaubilder präsentieren und imposante Gespanne vor den Tribünen aufziehen, zeigt sich das Landgestüt Redefin von seiner beeindruckendsten Seite. Am 29. und 30. August lädt die traditionsreiche Anlage im Landkreis Ludwigslust-Parchim zu den Redefiner Pferdetagen ein.

Das Gelände öffnet an beiden Tagen um 10 Uhr. Bis 12 Uhr können Besucher hinter die Kulissen des Gestüts schauen, die Ställe besichtigen und die Ausstellung des Roßarztmuseums besuchen. Auf einer Infomeile stellen unter anderem Hufschmied und Sattler ihre Arbeit vor. Eine Selfie-Station mit einem Gestütshengst und erste Vorführungen auf dem Paradeplatz ergänzen das Vormittagsprogramm.

Traditionelle Hengstparaden sind die Höhepunkte

Zu den Höhepunkten der Pferdetage gehören die traditionellen Redefiner Hengstparaden. Seit 1935 bilden sie den jährlichen Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Gestüts und haben sich zu einem Markenzeichen von Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Wenn sich ab 13 Uhr die Tore zum Paradeplatz öffnen, stehen nicht allein sportliche Höchstleistungen im Mittelpunkt: Historische Schaubilder, präzise gerittene Formationen und aufwendig zusammengestellte Gespanne erzählen zugleich von der mehr als 200-jährigen Geschichte Redefins.

Die historische Postkutsche, die Lützower Jäger und der große Mehrspänner gehören ebenso zum Programm wie die Präsentation ausgewählter Zuchthengste. Gastauftritte von Claus Luber mit seinen Haflingerhengsten, der Barockpferdereitergruppe Doma Clásica sowie von Viktor Kirka und Fred Perle verbinden die Redefiner Tradition mit moderner Pferdeunterhaltung. Gerade diese Mischung macht die Hengstparaden zu weit mehr als einer Zuchtschau: Sie sind das große Schaufenster des Landgestüts und zeigen, welches Können, Wissen und kulturelle Erbe in Redefin bewahrt werden.

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Abseits der Vorführungen richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Familien. Im Kinderland sind Ponyreiten, Hüpfburg, Hobby-Horsing-Parcours, Clown und Ballonkünstler vorgesehen. Eine Aussteller- und Cateringmeile bietet regionale Spezialitäten und Produkte rund ums Pferd. Das Veranstaltungsende ist nach Angaben des Gestüts gegen 16.30 Uhr geplant. Eintrittskarten sind telefonisch unter 0761 - 8884 9999, an regionalen Vorverkaufsstellen sowie online über Reservix erhältlich.

Mehr als eine Kulisse für Pferdeshows

Die Pferdetage sind zugleich eine Leistungsschau eines Betriebs, der weit über Redefin hinaus Bedeutung besitzt. Seine Wurzeln reichen bis an den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Bereits 1710 bestand am Ort ein landesherrschaftliches Gestüt. Das heutige Landgestüt wurde 1812 durch Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin gegründet, um die Pferdezucht im Land gezielt zu verbessern. Die heute denkmalgeschützte klassizistische Anlage entstand in wesentlichen Teilen im frühen 19. Jahrhundert.

Heute ist Redefin ein Zentrum für Pferdezucht und Pferdesport, berufliche Ausbildung sowie reiterliche Qualifizierung. Zu seinen Säulen gehören die Hengsthaltung, die Landesreit- und Fahrschule, die Ausbildung junger Fachkräfte und der Veranstaltungsbetrieb. Die Reit- und Fahrschule ist von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung als Fachschule mit fünf Sternen anerkannt.

Das Brandzeichen für die Pferderasse Mecklenburger Warmblut im Eingangstor zum Landgestüt Redefin.

Das Brandzeichen für die Pferderasse Mecklenburger Warmblut im Eingangstor zum Landgestüt Redefin.

© Jens Büttner/dpa

Zugleich ist das Gestüt ein touristischer und kultureller Anziehungspunkt. Landesmeisterschaften, Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Ausstellungen, Lehrgänge und die Pferdetage bringen regelmäßig Gäste in die Region. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums besuchen jährlich zwischen 80.000 und 100.000 Menschen die historische Anlage. Ende 2025 arbeiteten dort rund 30 Beschäftigte und zwölf Auszubildende.

Damit erfüllt Redefin Aufgaben, die sich nicht allein in Deckzahlen, Eintrittskarten oder Verkaufserlösen messen lassen. Das Gestüt bewahrt züchterisches Wissen, bildet Nachwuchs aus, hält ein bedeutendes Baudenkmal lebendig und prägt die Identität der gesamten Region.

Jährliches Defizit in Millionenhöhe

Wirtschaftlich steht das Landgestüt seit Jahren unter Druck. Nach Angaben des Landes erwirtschaftet der Betrieb eigene Einnahmen von rund 1,2 Millionen Euro im Jahr. Dem stand zuletzt ein operativer Verlust von etwa 1,8 Millionen Euro gegenüber. Als Ursachen nennt das Ministerium Defizite unter anderem in der Reit- und Fahrschule, der Deckstation sowie bei Hengsthaltung und Pferdeverkauf. Hinzu kommen eine angespannte Personalsituation, verbesserungsbedürftige Verwaltungsabläufe und der Sanierungsbedarf der denkmalgeschützten Gebäude.

Für den Doppelhaushalt 2026/2027 sind insgesamt 3,7 Millionen Euro Landesmittel für das Landgestüt vorgesehen. Sie sollen nicht nur den laufenden Betrieb stützen, sondern auch Infrastruktur, Ausbildung und Denkmalschutz sichern. Das Land bekennt sich damit zum Standort, verlangt aber zugleich eine wirtschaftliche Neuaufstellung.

2025 hatte die Landesregierung zunächst ein alternatives Betreibermodell prüfen lassen. Private Interessenten sollten Konzepte vorlegen, während Gebäude und Grundstücke im Eigentum des Landes bleiben sollten. In Pferdesport, Zuchtverbänden und Region lösten die Überlegungen erhebliche Sorgen aus. Befürchtet wurden höhere Preise, Einschnitte in der Ausbildung und eine zu starke Ausrichtung auf kommerziell rentable Angebote.

Im November 2025 wurde die Übertragung des gesamten Betriebs an einen privaten Betreiber schließlich verworfen. Nach Einschätzung des Ministeriums lassen sich die öffentlichen Aufgaben in Zucht, Ausbildung, Nachwuchsförderung und Kultur nicht sinnvoll von einem privaten Unternehmen allein tragen. Redefin soll deshalb im Kern Landesbetrieb bleiben. Für Bereiche wie Tourismus, Veranstaltungen und Vermarktung werden jedoch private Kooperationspartner gesucht.

Mehrere Wechsel an der Spitze

Die wirtschaftliche Debatte war von einer unruhigen Führungsgeschichte begleitet. Am 1. Februar 2024 wurde der seit Oktober 2020 amtierende Gestütsleiter Christoph Seite mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Das Ministerium erklärte später, die Trennung sei im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt; über die Hintergründe wurde Stillschweigen vereinbart. Kristin Romanowski aus dem Landwirtschaftsministerium übernahm daraufhin kommissarisch die Leitung.

Da Romanowski ihre Aufgabe später aus gesundheitlichen Gründen nicht fortführen konnte, wurde am 13. August 2025 der Unternehmensberater Matthias Munz als Interimsgeschäftsführer eingesetzt. Er kannte das Gestüt bereits aus seiner Tätigkeit als Berater für die strategische Neuausrichtung. Im März 2026 wurde sein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Munz soll den Betrieb stabilisieren, Strukturen überprüfen und Kooperationen entwickeln, ohne die traditionellen Kernaufgaben aufzugeben.

Ob es gelingt, den Zuschussbedarf dauerhaft deutlich zu senken, bleibt offen. Die Pferdetage zeigen, welches Potenzial in der Verbindung von Zucht, Ausbildung, Kultur und Tourismus steckt. Für zwei Tage wird Redefin nun wieder zur großen Bühne – und damit auch zum Schaufenster für die Frage, wie sich ein mehr als 200 Jahre altes Landgestüt in die Zukunft führen lässt.

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