Glosse

Sachsentod und Falsche Rotkappe: Wozu diese Pilze gut sind

Die Pilzsaison in Brandenburg ist erbärmlich. Unsere Autorin fand trotzdem etwas – allerdings nicht das, wonach sie im Wald gesucht hatte.

3 Min
Immerhin: Falsche Rotkappen in Brandenburg

Immerhin: Falsche Rotkappen in Brandenburg

© Rainer Weisflog/Imago

Die Pilzsituation in der brandenburgischen Gegend, in die ich mich an den Wochenenden aus Berlin flüchte, ist erbärmlich. Viel zu trocken einfach. Vor ein paar Tagen lief ich zwei Stunden zu den mir bekannten Pilzstellen und fand genau vier Pilze! Einen winzigen Pfifferling, eine Rotkappe und zwei Pilze, die so vertrauenserweckend aussahen (keine Lamellen), dass ich sie mitnahm und meinem Datschennachbarn vorlegte, der sich sehr gut auskennt.

Er identifizierte die beiden als Falsche Rotkappen, eine Pilzsorte, die sich erst seit ein paar Jahren in Europa ausbreitet, weshalb sie in hiesigen Pilzbüchern auch nicht zu finden ist. Besonders auffällig sind die fühlbaren Rillen in der oberen Hälfte des Stils. Essbar seien sie, sogar schmackhaft, sagte mein Experte. Unverträglichkeiten seien wenigstens in seiner Familie noch nicht bekannt. Bei vier Pilzen insgesamt, hatte ich auch anderes zu tun, als die Hälfte wegzuwerfen.

Anderntags ging ich wieder mit dem Pilzkorb in der Hand Richtung See, vor allem, um zu schwimmen. Aber man weiß ja nie … Schon am Parkplatz fiel mir ein Auto mit einem Z im Nummernschild auf. Wofür Z steht, wusste ich nicht. Dem Autohalter begegnete ich wenig später am See. Ich forderte ihn umgehend auf, mir den Inhalt seiner Tasche zu zeigen: eine Krause Glucke, zwei Edelreizker, um die ich ihn sehr beneidete, zwei Semmelpilze, ein Birkenpilz. Nicht schlecht.

Warnung vor dem Sachsentod

Aufgrund seiner Sprachfärbung wurde mir klar, dass er aus Sachsen kommt. „Aus Zittau?“, fragte ich. Nein, das Z auf dem Nummernschild stehe für Zwickau. Was er in meinem Wald suche, ob er keinen eigenen habe, ging das Geplänkel los. Doch und da wüchsen wahrscheinlich sogar mehr Pilze, aber er komme seit 40 Jahren in diese Gegend.

Bald saßen wir zusammen an dem kleinen Sandstrand am See und unterhielten uns angeregt. Ich warnte ihn vor dem Sachsentod. So nennt man den hochgiftigen Pantherpilz, den man im Sächsischen nicht kennt und den man gern mit dem essbaren Perlpilz verwechselt, den es dort offenbar massenhaft gibt.

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Es ist eine Erfahrung, die ich eigentlich jedes Jahr mache. Pilze sind als Kontaktanbahner einfach unschlagbar, Dating-Plattformen wie Tinder oder Bumble bei weitem überlegen und sogar besser als Hunde, die ja auch als Eisbrecher oder Sozialkleber, ja als Flirtfaktoren bekannt sind. Bei Pilzen ist es nicht anders, nur besser, denn sie können einander nicht anknurren oder aufeinander losgehen.

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